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Altenburg Schulbeginn mit weiteren Kürzungen: Lehrermangel hat sich verschärft
Region Altenburg Schulbeginn mit weiteren Kürzungen: Lehrermangel hat sich verschärft
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15:51 17.08.2019
Letzte Vorbereitungen für den Unterrichtsstart an der Wilhelm-Busch-Grundschule in Altenburg-Nord: Isabell Quaas übernimmt ab diesem Schuljahr die 3b mit 29 Kindern. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Für 698 Kinder im Altenburger Land ist heute einer der größten Tage ihres Lebens. Sie zelebrieren ihren Schulanfang. Rechnen, lesen, schreiben – ab heute gilt’s. Was die Kleinen nicht wissen: Auch die Erwachsenen haben in den nächsten Monaten und Jahren noch einige Hausaufgaben vor sich. Denn der Schuljahresstart 2019 im Altenburger Land ist mehr denn je ein Kraftaufwand mit vielen Unsicherheiten.

„Die Zahl der Lehrer im Landkreis ist im Vergleich zum vergangenen Schuljahr erneut gesunken“, konstatiert Jens Awe, Vorsitzender des hiesigen Kreisverbandes im Thüringer Lehrerverband (TLV). Das Durchschnittsalter unter den Pädagogen ist hoch, viele stellen nach dem 62. Lebensjahr den Antrag, aus dem Beruf auszuscheiden, schildert Awe. Konkrete Zahlen, wie viele Lehrerstellen zum Schuljahreswechsel neu besetzt oder bestenfalls neu geschaffen wurden, nennt das zuständige Schulamt Ostthüringen auf OVZ-Anfrage nicht. „Fakt ist, dass die Zahl der Einstellungen die Abgänge nicht kompensieren können. Die Hauptursache sind fehlende Bewerber“, sagt Jens Awe.

Insbesondere Lehrer wie er, der am Meuselwitzer Seckendorff-Gymnasium Mathe und Physik unterrichtet, sind in der Region zu einer raren Spezies geworden. „Unter den Lehramtsanwärtern sind Naturwissenschaftler selten.“ Das bestätigt auch Jürgen Stark, Rektor der Regelschule „Geschwister Scholl“ in Meuselwitz. Auch im Sport fehlen Lehrer und in Englisch. Die Folge ist, dass diverse Pädagogen an mehreren Schulen unterrichten.

Lehrer werden an Engpass-Schulen abgeordnet

„Abordnung“ lautet das Stichwort, das schon in den Sommerferien die Schulleiter im Landkreis beschäftigte. Lehrer werden komplett oder stundenweise von Schulen abgezogen, die personell besser ausgestattet sind als andere. Die Meuselwitzer Regelschule gehört zu den Einrichtungen, die abgegeben haben, erzählt Jürgen Stark. Auch Altenburger Grundschulen halfen aus – zum Beispiel der personell schlechter gestellten Grundschule Rositz. „Auf die Zensuren-Erteilung hat das keine Auswirkungen, aber wir kürzen Unterricht“, schildert Stark eine Folge. „Es gibt im Altenburger Land wohl kaum noch eine Schule, die hundert Prozent der Stundentafel erfüllen kann“, stellt Jens Awe fest.

Wie prekär die Lage ist, verdeutlicht ein Schreiben des Schulamtes Ostthüringen, das vor einer Woche an die Schulleitungen gesandt wurde. Das Ziel der Unterrichtsversorgung sei „derzeit leider nicht immer in vollem Umfang erreichbar“, schreibt Schulamtsleiter Berthold Rader. Deshalb müsse bei der sogenannten Schulpauschale reduziert werden. Dabei handelt es sich um das Zeitbudget, das den Lehrern zum Beispiel für AGs und Sportförderunterricht, für Klassenlehrertätigkeit, PC-Betreuung oder Schulbuchverwaltung zur Verfügung steht. Die dafür eigentlich vorgesehenen Lehrerwochenstunden „sind zu Gunsten der Unterrichtsabsicherung zu streichen“, legt das Schulamt nahe.

Lehrerverband beklagt „Unterrichtsnotstand“

Den TLV-Landesvorsitzenden Rolf Busch macht das wütend. „Die Landesregierung hat damit de facto den Unterrichtsnotstand ausgerufen“, sagt er. Und geht davon aus, dass die Lehrer die gestrichenen Aufgaben dennoch weiter leisten, weil sie nun mal anfallen. „Sie machen das dann in der Freizeit.“ Zugleich würden in Thüringen weiterhin viele Lehrer befristet eingestellt. „Oder ganz abgewiesen, weil ihre Fächerkombination gerade nicht passt.“

Das Ostthüringer Schulamt sei im Übrigen das einzige im Freistaat, das nun auch noch die Schulpauschale kürze, so Busch. Die Situation im äußersten Osten Thüringens sei noch angespannter als andernorts im Freistaat, erklärt TLV-Kreisverbandschef Awe. „Viele Lehramtsanwärter finden den ländlichen Raum hier unattraktiv im Vergleich zu Städten wie Jena oder Leipzig. Und das Gehaltsgefälle zu Sachsen wirkt sich im Altenburger Land wegen der Randlage besonders problematisch aus.“ Zwar gebe es bei den Regelschullehrern zum 1. Januar 2020 eine Angleichung, „aber Grundschullehrer bleiben in Thüringen auf längere Sicht eine Besoldungsgruppe tiefer eingeordnet als in Sachsen“.

Probleme vor allem an Grundschulen

So sind es vor allem die Grundschulen im Landkreis, deren Situation dem TLV die größten Sorgen bereitet. „Hier fehlen insbesondere Klassenleiter“, berichtet Awe. An den etablierten Schulstrukturen mit erheblichen Größenunterschieden ändert das nichts – zumindest noch nicht im Schuljahr 2019/20. Lediglich vier Abc-Schützen starten heute in der Grundschule Großstechau, acht sind es in Ponitz, teilt das Landratsamt mit. An den beiden größten Grundschulen im Kreis, der Einrichtung in Schmölln und der Wilhelm-Busch-Schule in Altenburg, beginnen 78 beziehungsweise 62 Erstklässler. Die neue Schulnetzplanung, die hier einen Ausgleich schaffen soll, greift erst im Sommer 2020, soll im ersten Entwurf im Oktober im Kreistag beraten werden (siehe untenstehender Beitrag).

Schmöllner Schulversuch am Montag im Kreistag

Der Verwaltungsentwurf zur neuen Schulnetzplanung im Altenburger Land soll im Oktober im Kreistag beraten werden, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Damit in Verbindung steht auch ein Schulversuch im Bereich der Grundschulen in und um Schmölln, der die kleinen Einrichtungen wie etwa in Ponitz und Großstechau sichern soll. Ziel sei ein Ausgleich zwischen den städtischen und ländlichen Schulen, verbunden mit besseren Unterrichtsbedingungen mit weniger Ausfällen.

Der Vorschlag werde am Montag im Schulausschuss des Kreistages vorgestellt und soll danach offen mit allen Schulkonferenzen, an denen Lehrer, Eltern und Erzieher beteiligt sind, diskutiert und beschlossen werden. „Sind die Beschlüsse der Schulkonferenzen positiv zustimmend, wird die Schulverwaltung dem Kreistag die Beantragung des Schulversuchs beim Thüringer Bildungsministerium zur Beschlussfassung im Oktober vorlegen“, berichtet das Landratsamt. Das neue Miteinander der Schulen im Süden des Landkreises könne dann im nächsten Schuljahr beginnen. Die bestehenden Schulbezirke der beteiligten Schulen würden dann aufgehoben und zusammengefasst.

Das vom Ministerium favorisierte Kooperationsmodell zur Bildung von drei Filialschulen im Grundschulbereich erntete bei allen betroffenen Einrichtungen wie auch beim Schulträger eine Absage, fügt das Landratsamt an.

Schulleiterinnen wie Bärbel Bruns an der Busch-Schule behelfen sich unterdessen mit Pragmatismus. „Wir müssen als Kollegium den besten Weg finden, um die Herausforderungen zu meistern. Wir rücken gerade Tische und Stühle zusammen“, sagt sie. Konkret bedeutet das: Statt drei dritten Klassen gibt es ab diesem Schuljahr nur noch zwei, die entsprechend größer sind – „aber noch unter der 30-Schüler-Grenze liegen“. Die Erst- und Zweitklässler werden in vier Stammgruppen gemeinsam unterrichtet. Auf eine zusätzliche reine erste Klasse, die es bislang gab, wird nun verzichtet. Unter den Schulanfängern in Altenburg-Nord seien 19 mit Migrationshintergrund. „Ich freue mich, dass eine neue Kollegin für Deutsch als Zweitsprache eingestellt wurde“, betont Bärbel Bruns. Immerhin für 22 Wochenstunden, wenngleich der Schule angesichts der Größe planmäßig 50 Stunden zustünden.

Auch Kerstin Höhn von der Regelschule Treben, die sich mit Lucka Lehrer für Musik, Kunst sowie Wirtschaft, Recht und Technik teilt, schaut mit Zuversicht voraus. Im vergangenen Schuljahr war die Bildungsstätte im Gespräch, weil der Englischunterricht dort nur mit drei stundenweise abgeordneten Pädagogen einigermaßen gewährleistet werden konnte. „Jetzt wurde mir vom Schulamt ein neuer Englischlehrer zugesichert“, freut sich Höhn. Wie viele Stunden er in Treben zur Verfügung steht, wisse sie noch nicht. „Ich warte noch auf die Rückmeldung vom Schulamt.“

Zahlen der Grundschulanfänger

So viele Abc-Schützen starten heute in den Grundschulen des Landkreises in die Schullaufbahn:

Staatliche Schulen

Gemeinschaftsschule „Erich Mäder“: 31

Karolinum: 50

Martin Luther: 46

Platanenstraße: 40

Wilhelm Busch: 62

Altkirchen: 18

Gößnitz: 36

Großstechau: 4

Langenleuba-Niederhain: 23

Lucka: 27

Meuselwitz: 52

Nobitz: 23

Ponitz: 8

Posa: 24

Rositz: 24

Schmölln: 78

Thonhausen: 24

Windischleuba: 36

Wintersdorf: 34

Förderzentrum Altenburg: 5

Förderzentrum Schmölln: 1

Regenbogenschule Altenburg: 6

Freie Schulen

Känguruschule: 20

Christian Felix Weiße: 26

Von Kay Würker

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