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Altenburg Silvana Schröder und ihr neues Ballett „Dracula“
Region Altenburg Silvana Schröder und ihr neues Ballett „Dracula“
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16:56 12.04.2018
Filip Kvacak als Graf Dracula und Anastasiya Kuzina als Lucy Westenra (Mitte). Quelle: Sabina Sabovic
Altenburg

Am 27. Januar erlebt das Ballett „Dracula“ seine Altenburger Premiere im Landestheater. Der Mythos um den transsilvanischen Prinzen Vlad Draculea inspiriert seit Jahrhunderten die künstlerische Fantasie und diente 1897 dem irischen Schriftsteller Bram Stoker als Grundlage für den wohl berühmtesten Vampirroman der Welt: Dracula. Der Roman ist die Basis für das Ballett. Für die OVZ sprach Daniel Siekhaus mit Regisseurin Silvana Schröder, Ballettdirektorin des Thüringer Staatsballetts.

Was hat Sie an der Geschichte von Dracula so sehr fasziniert, dass Sie entschieden haben, ein Ballett daraus zu entwickeln?

Der Mythos fasziniert mich seit langer Zeit. Ich erinnere mich sogar, dass ich als Kind einmal eine Verfilmung sehen durfte. Ich glaube, es war der berühmte Film mit Christopher Lee. Ich lag nachts lange wach und habe darüber nachgedacht. Die historische Komponente, dass es den Prinzen Vlad Draculea tatsächlich gab, dass sein Leichnam der Überlieferung nach nie gefunden wurde und noch heute in manchen Gegenden Rumäniens der Glaube an Untote weiterlebt, macht den Stoff natürlich umso spannender.

Was gab am Ende den Ausschlag für das Ballett?

Als Künstlerin kommt für mich noch ein wesentlicher und persönlicher Aspekt hinzu: Ich liebe Figuren, die aus meiner Sicht von anderen Menschen zu schnell für das Gute oder das Böse eingeteilt werden. Es reizt mich, über derartige Figuren nachzudenken. Wenn sie als ausschließlich böse gelten, ist mein Instinkt, ihnen etwas Gutes zu schenken. Wenn sie ganz und gar gut wirken, möchte ich unter die Oberfläche tauchen und entdecken, was darunter liegt. Denn in jedem Menschen lebt letztendlich beides.

Was macht Dracula in Ihrem Ballett menschlich und fähig zu lieben?

In meiner Version ist es so, dass Dracula seinen Weg nicht freiwillig gegangen ist. Wenn sich sein Leben nicht verändert hätte durch den Verlust seiner großen Liebe Elisabetha, dann wären beide, denke ich, dem normalen, menschlichen Tod entgegengegangen. Seine Verfluchung Gottes ist eine Rache. Ich sehe Dracula letztendlich als einen Normalsterblichen, der geliebt hat und seinen Schmerz nicht verkraften konnte. Die Abkehr von Gott ist seine einzige Chance, sich gegen das Unrecht zu wehren. Der Verlust seiner Liebe lässt ihn zum Unmenschen werden – im wörtlichen Sinn. Dass Dracula Jahrhunderte später aber noch einmal der Liebe begegnet, nämlich Wilhelmina Murray, zeigt, dass er nie ganz aufgegeben hat.

Der Ballettabend kombiniert Musik verschiedener Komponisten, besonders stark vertreten ist Wojciech Kilar. Wie kam es zu dieser Musikauswahl?

Ich bin ein großer Fan der Musik aus Francis Ford Coppolas Verfilmung von Bram Stoker’s Dracula. Der Film hat mir noch einmal eine ganz andere Sicht auf die Geschichte gegeben und ist wie eine Theatererzählung voller wunderschöner Bilder, geschaffen vom Kameramann Michael Ballhaus. Auch wenn ich Draculas Geschichte nicht genau wie Coppola erzähle, hat mich seine Interpretation sehr inspiriert. Die Musik von Wojciech Kilar, die mit dieser Interpretation einhergeht, ist gewaltig und hat mich beeindruckt, da er einerseits mit klassischen Mitteln wie einem großen Orchester und einem starken Chor arbeitet und anderseits Stimmen und Geräusche einfängt. Dass ich Kilars Filmmusik mit anderen Werken kombiniert habe, unter anderem mit Musik aus der Feder von Mozart, Haydn und Barber, entstand zunächst aus der Not heraus. Mit nur einer Stunde war die Filmmusik für mein Ballett schlicht zu kurz.

Worin besteht aus Ihrer Sicht bis heute die große Faszination von Dracula sowie von Vampirgeschichten überhaupt?

Es stimmt, der Roman, den Bram Stoker 1897 veröffentlichte, lässt die Menschen nicht los und hat schon so viele Künstler inspiriert. Auch heute werden noch neue Vampirgeschichten geschrieben und ich gestehe ganz offen, ich bin ein Fan davon. Es ist die Kombination: der Reiz des Gruselns, die Liebesgeschichten, die Erotik, der Biss, die Hingabe an das Sinnliche, das Verbotene. Die großen, Jahrtausende überspannenden Themen der Menschheit sind Liebe und Tod. In der Figur Dracula werden diese Themen eins, vielleicht kann das die Faszination erklären. Hinzu kommt natürlich der reizvolle Gedanke, dass ein ewiges Leben, in welcher Form auch immer, möglich sein könnte. Ich bin da ganz ehrlich, wenn mich jetzt jemand fragte, „hier ist ein Vampir, möchtest du gebissen werden, um ewig weiterzuleben?“, dann würde ich vielleicht sogar ja sagen. Weil ich wüsste, ich könnte dann noch so viel von der Welt sehen, viele Jahrhunderte lang. Aber eben zu welchem Preis?

Gibt es für Sie eine Kernaussage der Dracula-Geschichte?

Ja. Menschen, die lieben und durch ihre Liebe verletzt werden, sind nicht in gut und böse einzuteilen.

Tickets für die Premiere am Sonnabend, dem 27. Januar, 19.30 Uhr, im Großen Haus des Landestheaters gibt es an der Theaterkasse (Tel. 03447 585177). Schon an diesem Sonntag, 21. Januar, 11 Uhr, wird im Vorfeld zum traditionellen Theaterfrühstück ins Heizhaus eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Von ovz

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