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Altenburg Silvio Preis will mit „ABGeholzt“ durchstarten
Region Altenburg Silvio Preis will mit „ABGeholzt“ durchstarten
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13:12 01.12.2018
Bei Silvio Preis’ Arbeit ist viel Handarbeit gefragt. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Sanft, fast schon zärtlich streicht Silvio Preis mit dem Tuch über die Oberfläche. Zwischendurch wirft er einen prüfenden Blick auf das Material, bevor er zur nächsten Polier-Runde ansetzt – und dann noch einmal nachwischt, zur Sicherheit.

Ganz eigene, ungewöhnliche Form

„Ich bin da schon ein wenig pingelig. Das Ergebnis muss eben optimal sein“, gibt der 36-Jährige grinsend zu. Ein Ehrgeiz, der verständlich wird, wenn man sich die Ergebnisse von Preis’ Mühen anschaut: In einem unscheinbaren Industriekomplex in der Friedrich-Ebert-Straße entstehen unter dem Label „ABGeholzt“ Tische in allen Variationen und Formen.

Das Besondere: Statt auf Masse zu produzieren, erschafft Preis Einzelstücke – aus unbehandeltem Holz, das in spezielles Harz gegossen oder damit behandelt wird. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Mal sind in den mitunter massiven Platten Öffnungen farbig ausgegossen, mal nur die Ränder und Oberflächen behandelt, was den Tischen eine ganz eigene, durchaus ungewöhnliche Form verleiht.

Für seine Arbeit verwendet Preis auch Holzstücke, die sonst nicht mehr zu gebrauchen wären. Quelle: Mario Jahn

Vom Verkäufer zum Möbelbauer

Dass er irgendwann einmal Möbel gestalten würde, das gibt Silvio Preis gerne zu, hätte er sich selbst nicht unbedingt träumen lassen. „Ich bin gelernter Kaufmann und war handwerklich eigentlich gar nicht begabt. Wenn etwas gebohrt werden musste, habe ich meinen Vater angerufen“, lacht er. Die Initialzündung gab dann seine Frau. „Sie wollte gern eine ausgefallene Lampe und ich hatte im Netz einmal einen Lampenschirm aus Jägermeister-Flaschen gesehen“, erinnert er sich.

Preis ging im Internet auf die Suche nach Anleitungen, wurde in den USA und auf russischen Seiten fündig, sah nicht nur entsprechende Lampen, sondern auch mit Harz bearbeitete Naturholztische – und legte los. „Irgendwann hat mich der Ehrgeiz gepackt, ich wollte wissen wie das geht. Ich habe dann viel mit Google-Übersetzung gearbeitet, vieles war am Anfang noch learning by doing“, erklärt er seine ersten Schritte in Richtung des eigenen Betriebs.

Nächtlicher Gang zur Werkstatt

Nicht nur das beste Harz und die richtige Mischung wollte gefunden werden, es galt auch, sich die notwendigen handwerklichen Fähigkeiten und Techniken anzueignen. Ein zäher Prozess. „Einige Fehler sind zunächst passiert, die ersten 400 bis 500 Euro waren für die Tonne“, gibt Preis in der Rückschau zu. Gelohnt hat sich die Mühe dennoch: Mittlerweile ist aus dem anfänglichen Hobby ein Beruf geworden, seit August ist „ABGeholzt“ als Gewerbe angemeldet.

Es ist ein Job, der ihm durchaus einiges abverlangt. „Sicher, ab und an helfen mal ein paar Freunde aus, aber den Großteil mache ich alleine. Ich stehe auch schon mal mitten in der Nacht auf und fahre in die Werkstatt, weil ich die Gießzeiten des Harzes einhalten muss“, beschreibt er. Generell, betont Preis, stecke viel Handarbeit in seinen Produkten. „Bis auf die Holzbearbeitung, etwa Fräsen oder Ausschneiden, dass mein Holzhändler erledigt, mache ich alles selbst.“

In sechs Monaten sollen schwarze Zahlen stehen

Hat ein Kunde seine Wünsche geäußert, geht Preis ans Werk, gießt Öffnungen aus, fasst Tischplatten in Rahmen, färbt ein und sorgt für die passenden Standbeine. Der Prozess dauert mehrere Wochen, entsprechend variabel sind die Preise: Ab 1000 Euro werden etwa für einen Esstisch fällig. „Es ist am Ende des Tages eben alles Handarbeit“, begründet Preis.

Und die kommt offenbar an. „Wir waren bereits auf einigen Messen präsent und haben viel positives Feedback bekommen“, freut sich der Jungunternehmer. Zudem interessierten sich bereits Kunden aus dem Ausland für die ausgefallenen Möbel aus Altenburg. „Viel liefern wir etwa nach Österreich.“ Und Preis hat ehrgeizige Ziele: In etwa sechs Monaten wolle er schwarze Zahlen schreiben, mittelfristig mit seinen Produkten auf Manufakturbasis in Märkten präsent sein. Bis dahin stehen noch weitere Messeauftritte an – um den Namen „ABGeholzt“ weiter in die Welt zu tragen.

Von Bastian Fischer

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