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Altenburg Sorge um Stellenabbau: Warnstreik bei Meuselwitz Guss
Region Altenburg Sorge um Stellenabbau: Warnstreik bei Meuselwitz Guss
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14:47 25.05.2018
Ihnen reicht’s: Zahlreiche Mitarbeiter der Meuselwitz Guss verließen am Donnerstagmittag den Betrieb für einen Warnstreik. Quelle: Mario Jahn
Meuselwitz

Seit Wochen schwelt der Konflikt um Stellenkürzungen in der Meuselwitz Guss Eisengießerei. Am Donnerstag verlagerte er sich erstmals vor die Betriebstore. Die in der Gewerkschaft IG Metall organisierten Mitarbeiter hatten sich kurzfristig zum Warnstreik entschlossen. Punkt 11.30 Uhr legte die Frühschicht die Arbeit nieder, verließ das Gelände. Auch Kollegen der Spätschicht kamen hinzu, zogen sich rote Warnwesten über, packten Trillerpfeifen aus, verteilten Flugblätter. Vier Stunden harrten sie aus, demonstrierten Widerstand – und blieben insgesamt doch recht ruhig, gezeichnet von der Unsicherheit, wie es mit ihnen nun weitergeht.

Etwa jeder Dritte soll gehen, lautet die Botschaft der Geschäftsleitung (die OVZ berichtete). Weil sich im Jahresverlauf massive Umsatzeinbrüche ankündigen, sei der Abbau von Stellen unvermeidlich, hatte Geschäftsführer Olaf Wiertz erklärt. Rund 100 Arbeitsplätze der Stammbelegschaft seien vakant, damit das Unternehmen, das zur Essener Dihag-Gruppe gehört, wettbewerbsfähig bleibe. „Die Dihag-Rechtsanwälte haben uns mitgeteilt, dass die Kündigungsliste mit den Namen schon feststeht“, sagte Michael Beer von der IG Metall Jena-Saalfeld und Gera.

Gewerkschaft und Arbeitgeber ohne Annäherung

Der Gewerkschaftsfunktionär war am Donnerstag der Mann am Mikrofon, berichtete der Belegschaft von den jüngsten Entwicklungen. „Die Verhandlungsrunde mit der Geschäftsleitung am Mittwochabend ist zu Ende gegangen, ohne dass sich die Arbeitgeberseite bewegt hat. Deshalb der kurzfristige Warnstreik heute. Um 2,7 Millionen Euro einzusparen, wie es die Meuselwitz Guss plant, wäre auch Kurzarbeit ein Weg oder die vorübergehende Kürzung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 33 Stunden bei entsprechendem Lohnverzicht. Zu beidem sind wir bereit – oberstes Ziel ist, die Stellen zu erhalten.“ Die Unternehmensleitung hatte eine Reduzierung der Kündigungen – nach Gewerkschafts-Informationen auf 85 – in Aussicht gestellt, wenn auf Tariferhöhung und Sonderzahlungen verzichtet wird. Ein Komplettverzicht auf Stellenabbau steht nicht in Rede.

Zukunftsängste sind Gesprächsthema

So ging es am Donnerstag in den Gesprächen vorm Werkstor vor allem um Zukunftsängste – um die Familie, den Hauskredit, den ans Herz gewachsenen Betrieb, der für viele nur ein paar Fahrradminuten vom Zuhause entfernt liegt. „Ich habe zwar nur noch zwei Jahre zu arbeiten, aber meine drei Söhne sind hier und seit Kurzem auch ein Enkel. Das macht mir Sorgen“, schilderte Gießereifacharbeiter Reiner Penndorf (61).

Gespannt schaut die Belegschaft nun auf den 21. Juni. Da steht die nächste Verhandlung mit dem Arbeitgeber an. Bis dahin will die IG Metall mit Wirtschafts- und Rechtsexperten Dokumente prüfen, die die als Kündigungsgrund benannte wirtschaftliche Schieflage der Gießerei belegen sollen. „Uns wurde zugesichert, dass wir diese Unterlagen jetzt bekommen“, sagte Michael Beer.

Von Kay Würker

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