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Altenburg Spannende Projekte bei „genial3“ im Altenburger Land
Region Altenburg Spannende Projekte bei „genial3“ im Altenburger Land
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12:09 13.04.2019
Früher studierte und lehrte er an der TU Chemnitz – im Januar 2018 stieß er zu „genial³“: Projektleiter Michael Apel. Quelle: Carsten Schenker
Altenburg

Wer an Start-ups und junge Unternehmenskultur denkt, verortet diese in Leipzig, Dresden oder vielleicht Chemnitz. Aber in Altenburg? Gibt es hier überhaupt Menschen mit Ideen und hat die Skatstadt das Zeug dazu, Nachwuchsunternehmern die passende Basis zu bieten? „Eindeutig ja“, ist Michael Apel überzeugt. Ein Interview mit dem Projektleiter von genial³ über Altenburg, den Mut zu gründen und dem Weg als Ziel.

Lieber Herr Apel, wie entstand die Idee hinter genial³?

Wir haben Vereinstage durchgeführt in verschiedenen Gemeinden des Landkreises und dabei festgestellt, wie viele Ideen für Projekte bereits vorhanden sind, aber größtenteils nie realisiert werden. Dafür fehlte den Leuten oft einfach der Mut beziehungsweise wussten sie nicht so recht, wie sie ihr Projekt allein umsetzen sollten. Das „hoch drei“ steht dabei für „gedacht, gemacht, gelungen“.

Also seht ihr euch als Mutmacher und Triebfedern?

So ungefähr. In einem ersten Gespräch schaffen wir erstmal Tatsachen und definieren ein Ziel, das auch später in einem so genannten „Zukunftsvertrag“ festgehalten wird. Es geht darum, eine Idee greifbarer zu machen, verbindlicher und noch vorhandene Lücken zu erkennen. Alles in allem ein sehr lehrreicher Prozess.

Wie weit muss denn eine Idee gediehen sein, damit sie „vertragstauglich“ ist?

Nach unten gibt es da keine Grenzen. Egal, wie unausgegoren eine Idee ist, wir wollen niemanden von Haus aus ausschließen.

In Leipzig entwickelt sich seit Jahren eine sehr lebendige Start-up Szene. Aber kann so etwas in Altenburg klappen?

Ja, warum denn nicht? Diese Skepsis ist irgendwie so in den Köpfen drin. Die wirtschaftliche Entwicklung mag nicht die gleiche wie in Leipzig sein, aber uns geht es vor allem darum, die Lebensqualität im ländlichen Raum zu steigern. Aus einer Idee muss auch nicht zwangsläufig etwas werden, mit dem man Geld verdienen kann, sondern einen sozialen, karitativen Beitrag leisten möchte. Wobei viele Projekte durchaus Ansätze für ein Geschäftsmodell bieten.

Was erwarten Sie von Ihren Teilnehmern?

Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, das Projekt weiterzubringen – von dem Punkt, an dem es gerade steht. Weg vom Träumen, hin zum Pläne schmieden und konkreten Handeln und Entscheidungen treffen. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Wir stehen den Teilnehmern zur Seite und weisen liebevoll auf Sachen hin, die man machen sollte. (lacht)

Wie genau sieht diese Unterstützung aus?

Jeder Teilnehmer durchläuft mehrere Coachings zu unterschiedlichen Themen, setzt sich gemeinsam mit Experten mit seinem Projekt auseinander und welche Schritte als nächstes gemacht werden müssten. Wie heißt das „Kind“? Was ist das Ziel und was brauchst man, um weiterzukommen? Darüber hinaus hat sich seit unserem Start im Sommer 2017 ein Netzwerk gesponnen, was die Teilnehmer als sehr wertvoll empfinden. Sie tauschen sich untereinander aus und helfen sich weiter.

Wie viele Projekte wurden seit damals begleitet und haben sich alle erfolgreich entwickelt?

Ursprünglich wollten wir zehn bis 15 Projekte ins Programm aufnehmen, inzwischen sind wir bei 20, was nicht bedeutet, dass sich alle dauerhaft entwickelt haben. So manche Idee stirbt unterwegs, was in der Natur der Dinge liegt. Scheitern gehört dazu. Gleichzeitig braucht es Leuchttürme, die sich trauen, neue Wege zu gehen und anderen Mut machen. Die Farbküche ist da ein tolles Beispiel. Solche Initiativen beflügeln viele andere.

Als gebürtiger Schmöllner kennen Sie das Altenburger Land schon eine Weile. Wo geht die Reise hin?

Zu sehen, das hier langsam was entsteht, macht Freude. Wir leben in einer spannenden Zeit an der Schwelle zum Generationswechsel. Viele Positionen müssen neu besetzt werden, die Dinge bewegen sich auf einmal. Es fühlt sich gut an, einen Beitrag zu leisten.

JugendTheARTer Welt

Projekt: JugendTheARTer Welt

Ziel: Theaterprojekt für Kinder und Jugendliche

Status: etablierter Verein seit 2008

Infos:
https://www.tpthueringen.de/mitmachen/jugendthearterwelt/

Wenn Christiane Müller von „ihren“ 25 Kindern zwischen sieben und 18 Jahren erzählt, gerät sie ins Schwärmen. Von den lauten wie leisen Vertretern, die sich auf und mit der Bühne weiterentwickeln, die begeistert ihre kreativen Ideen in die Entwicklung eines neuen Theaterstücks einbringen und lernen, in fremde Rollen zu schlüpfen.

In Leipzig zu Hause, führte sie ein Job als Regie-Assistentin 2012 ans Altenburger Landestheater und eine Anfrage von Schauspieldirektor Manuel Kressin zum Theaternachwuchs. Seitdem kümmert sie sich mit Susanne Toth um die Jüngeren, während Schauspieler Ioachim Zarculea die Großen ab 14 Jahren betreut.

Aber was bewegt einen gestandenen Verein dazu, der zudem mit Theater und Philharmonie Thüringen kooperiert, bei einem Projekt wie genial³ mitzumachen? – „Das war ein lustiger Zufall“, erinnert sich Christiane Müller. Ich hab auf einer Weiterbildung in Berlin Corinna von genial³ kennengelernt und sie war sofort überzeugt davon, dass unser Verein und ihr Projekt sehr gut zusammen passen.“ Besonders die Coachings hätten ihr dabei geholfen, eine Vision zu entwickeln. „Wie kann die Zukunft unseres Vereins aus- sehen? Was geht vielleicht noch und wie gelingt es uns, mehr Öffentlichkeit zu be- kommen?“, umreißt die Regisseurin ihre Überlegungen. Sich darüber im Klaren zu werden, sei gar nicht so einfach gewesen. „Man kann sich erst gar nicht vorstellen, dass es anders sein könnte, als es ist.“

Und dieser „Ist-Zustand“ verlangt 2019 vor allem nach einem neuen Probe- und Aufführungsraum für das entstehende Stück der Kindergruppe. Denn während die Jugendlichen ihre Premiere im Juni noch im Paul-Gustavus-Haus (PGH) feiern können, ist das mangels Heizung im PGH später im Jahr für die Jüngeren nicht möglich. Auch das Thema „Finanzierung“ beschäftigt Müller eigentlich immer: „Wir sind ein sehr kleiner Verein, der aus einer Elterninitiative heraus entstand und brauchen, um entspannt arbeiten zu können, etwa 5000 Euro pro Inszenierung.“ Auch diesbezüglich schätzt sie den Austausch im genial³ Netzwerk.

Gefragt nach ihren Wünschen für die Jugendtheaterwelt, muss Christiane Müller nicht lange überlegen: „Mehr Jugendliche, die bei uns mitmachen wollen, damit uns der Kurs nicht wegbricht.“

Kulturhof Kleinmecka

Projekt: Kulturhof Kleinmecka

Ziel: Verwandlung eines alten Bauernweilers in einen lebendigen Kulturhof

Status: Entwickelt sich

Infos:
https://kleinmecka.de

Es fühlt sich an wie eine kleine Zeitreise, die Fahrt von Altenburg nach Kleinmecka. 20 Minuten raus aus der Stadt ins immer grüner werdende Altenburger Land katapultieren einen Jahrhunderte zurück zu einem der ältesten Höfe des Kreises – und Robert Herrmann. Auf der Suche nach ein paar alten Steinen, die er im elterlichen Fachwerkhaus im nahen Tettau verbauen wollte, fand ihn stattdessen ein Bauernweiler.

Als Mensch mit dem „Bedürfnis nach Platz“ und dem Gefühl, hier trotz aller Unwägbarkeiten „sein“ Fleckchen Erde gefunden zu haben, kaufte er den verfallenden Hof auf 11000 Quadratmeter Grund im September 2017. „Das ist doch ein Lebensprojekt“, unkten die Zweifler. „Immerhin hab ich eins“, konterte der studierte Jazzpianist und Vater einer kleinen Tochter.

In kompletter Eigenregie, mit Unterstützung von Freunden und regelmäßigen, samstäglichen „Subbotniks“, aber ohne nennenswerte Mittel werkelt er seitdem in jeder freien Minute in Kleinmecka. Als Kulturmensch und einer von „Horn’s Erben“, einer für seine Livekonzerte sehr angesagten Location in der Leipziger Südvorstadt, möchte er den Hof in ein Kleinkunstmekka verwandeln.

Doch bevor die erste Band zum Soundcheck anrücken kann, muss die entsprechende Bühne dafür geschaffen werden. Hieß bisher: Dach sichern, versuchen, mögliche Fördertöpfe anzuzapfen und ganz langsam den Charme der alten Gemäuer wieder hervor kitzeln. Über den Umfang seines Unterfangens macht sich der 39-jährige Bauherr keine Illusionen: „Es wird nie fertig sein. Die Spuren der Zeit werden, ja, sie sollen sogar bleiben“, betont er. Also so „modern“ wie 1801.

An genial³ schätzt er besonders das sich ständig weiter verzweigende Netz- werk, die Beratung und den Austausch mit anderen Projektmachern. „Viele von uns sind inzwischen gut befreundet. Es gibt andere Verrückte, die einen verstehen. Das hilft beim Weitermachen!“

Altenburg App

Projekt: Altenburg App

Ziel: Mobiler Veranstaltungskalender für Jugendliche

Status: In Planung

Infos:
https://www.jugendforum-altenburg.de

Erst das Abi, dann die App. Die Prioritäten bei Nico Schmidt und Paul Kühn sind klar gesetzt. Doch spätestens ab Ende Mai, wenn Nico mit allen Prüfungen durch ist, wollen die beiden Jugendlichen ihrer Idee Leben einhauchen. Eine App für Veranstaltungen soll es langfristig werden, irgendwann vielleicht auch verortbar auf einer interaktiven Karte. Für den Anfang jedoch nehmen sie sich der Website des Jugendforums an, strukturieren diese neuer und übersichtlicher und integrieren einen Veranstaltungskalender. „Wir tasten uns da langsam ran und schauen mal, wie es sich entwickelt.“

Von Maike Steuer

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