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Altenburg Sparkassen-Vorstand im Interview: „Gößnitz und Lucka sind nicht gefährdet“
Region Altenburg Sparkassen-Vorstand im Interview: „Gößnitz und Lucka sind nicht gefährdet“
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11:13 27.04.2019
Der Vorstand der Sparkasse Altenburger Land – Andreas Hohlfeld, Bernd Wannenwetsch und Sebastian Kühn (v.l.) – zieht im Interview mit den OVZ-Redakteuren Kay Würker (ganz links) und Thomas Haegeler (ganz rechts) Bilanz und gibt einen Ausblick auf die Zukunftspläne des Geldinstitutes. Quelle: Mario Jahn
Altenburg, Altenburg

Nullzinsen, wachsende Sicherheitsanforderungen und zunehmende Digitalisierung stellen Banken vor immer größere Herausforderungen. Darauf muss auch die Sparkasse Altenburger Land reagieren. Wie sie das 2018 geschafft hat und welche Pläne es für die Zukunft gibt, erklären Vorstandschef Bernd Wannenwetsch (50), Interimsvorstand Sebastian Kühn (35) und sein designierter Nachfolger Andreas Hohlfeld (44) im OVZ-Interview.

Sind Sie zufrieden mit dem Bilanzjahr 2018?

Bernd Wannenwetsch: Ja. Wir haben eine starke Steigerung, was die Bilanzsumme betrifft. Diese resultiert aus dem Zuwachs im Kundenkreditgeschäft auf der einen Seite und dem Wachstum der Kundeneinlagen andererseits. Unterm Strich steht im Kreditgeschäft ein Zuwachs von 5,6 Prozent – das liegt oberhalb des Durchschnittes des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen. Wir haben auch einen Rekord beim Kreditneugeschäft: 58,8 Millionen Euro stehen hier zu Buche. Wobei Prolongationen, also neue Zinsvereinbarungen für laufende Kredite nach Ablauf der Zinsbindung, nicht mitgerechnet sind. Von daher sind wir mit diesen 58,8 Millionen sehr zufrieden.

Wie erklären Sie sich die Steigerungen?

Wir konnten diese Steigerung durch die gute Leistung unserer Mitarbeiter sowie durch optimierte Prozesse erreichen. Eine Hauptursache liegt aber auch in der hohen Nachfrage nach Immobilien beziehungsweise im Wohnungsbaugeschäft, wozu nicht zuletzt die Negativzinsphase beiträgt. Das ist auch der Grund, warum die Immobilienpreise im Altenburger Land weiterhin steigen. Wir verzeichnen einen deutlichen Anstieg in den letzten ein, zwei Jahren.

Zugleich berichten Sie von steigenden Einzahlungen auf Konten. Der Sparstrumpf ist also noch nicht Geschichte?

Die Kundeneinlagen der Sparkasse Altenburger Land belaufen sich im Moment auf 911,4 Millionen Euro. Wir haben aber auch ein gutes Wachstum im außerbilanziellen Wertpapiergeschäft. Denn diese Kapitalanlage ist – anders als das Sparbuch – eine Möglichkeit für den Anleger, kleine Inflationsausgleiche zu erreichen. Im Ergebnis des gesamten Geschäftes konnten wir in der Gewinn- und Verlustrechnung einen deutlich höheren Provisionsüberschuss erzielen.

Umso mehr stellt sich die Frage, warum die Sparkasse 2017 und 2018 verschiedene Einsparmaßnahmen ergriffen hat?

Der Zinsüberschuss ist für uns die wichtigste Ertragsquelle. Das ist die Zinsdifferenz aus den Kundeneinlagen, die wir einnehmen, und dem Geld, das wir ausgeben in Form von Krediten oder Anlagen an den Börsen. Und dieser Überschuss ist nach wie vor unter Druck. Wir haben zwar in unserem Verwaltungsaufwand leichte Einsparungen vornehmen können und kommen so auf ein Jahresergebnis von 838 000 Euro, das unseren Planungen entspricht. Aber die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank macht allen Kreditinstituten zu schaffen. Die wirkt wie eine große Kapitalertragssteuererhöhung: Der Sparer verliert an Einkünften, was der Staat einspart. Wir müssen davon ausgehen, dass die Negativzinsphase anhalten wird. Ein Ende der ultralockeren Geldpolitik der EZB ist aus unserer Sicht vor Mitte/Ende 2020 nicht zu erwarten. Mit allen Konsequenzen.

Eine nennenswerte Veränderung für Ihre Kunden ist
die Schließung der Filiale in Altenburg-Südost zum 30. Juni
und des SB-Punktes in der Schmöllner Helmholtzstraße zum nächsten Jahreswechsel. Auch die Filialen in Lucka und Gößnitz wurden zwischenzeitlich diskutiert. Ist angesichts der anhaltenden Negativzinsen damit zu rechnen, dass diese beiden Standorte noch mal in den Fokus rücken?

Der Rückgang des Zinsüberschusses wird eine Herausforderung bleiben. Das bedeutet, auf der Kostenseite Einsparungen vorzunehmen. Das muss ausgewogen passieren. Weitere Schließungen sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgesehen. Aber natürlich – das will ich nicht verhehlen – werden wir uns alle drei Jahre unsere Standorte von Neuem anschauen, das nächste Mal 2021. Man muss sehen, wie dann die Entwicklung sein wird. Betonen möchte ich, dass eine Standortentscheidung nicht allein über die Kosten entschieden wird, sondern in erster Linie über die Nutzung unserer Kunden. Hier gibt es einen unverkennbaren Trend hin zu digitalen Angeboten.

Sind die Standorte Gößnitz und Lucka als besonders gefährdet einzustufen?

Wir haben entschieden, dass sie erst mal Bestand haben. Ich würde sie nicht als gefährdet darstellen.

Verlieren Sie mit Filialschließungen nicht auch Nähe zu den Kunden?

Wir verfolgen bei dieser Veränderung einen wichtigen Grundsatz, und der heißt „menschliche Nähe im digitalen Raum“. Gerade über unsere künftige Direktfiliale werden wir auch zu technischen Fragen persönlich für unsere Kunden da sein.

Es fand bei der Sparkasse ab 2017 ein Personalabbau statt. Gibt es in dieser Hinsicht weitere Überlegungen?

Das war 2017 eine Maßnahme, die wir unseren Mitarbeitern auf Freiwilligkeitsbasis angeboten haben – ohne Kündigung, das sage ich ausdrücklich. Diese Maßnahme zieht sich bis ins Jahr 2019. Wir werden nach Abschluss insgesamt 15 Stellen abgebaut haben. Neue Maßnahmen dieser Art sind aktuell nicht geplant. Wir beschäftigen derzeit mit 180 Mitarbeitern mit Abstand die meisten Mitarbeiter in der Branche im Landkreis. Allein in Altenburg sind 42 Mitarbeiter im Vertrieb für unsere Kunden tätig.

Aber in Zukunft ist weiterer Abbau nicht auszuschließen?

Wir können es nicht ausschließen, aber man muss zwei Aspekte betrachten: Die hohen Personalkosten einerseits und die Digitalisierungswelle andererseits. Die ganze Branche ist dabei, verschiedene Prozesse zu automatisieren. Dadurch können Stellen wegfallen.

Sebastian Kühn: Nichtsdestotrotz sind wir ja beispielsweise im Kreditneugeschäft gut aufgestellt. Weil wir unseren Kunden unter anderem über unsere Internetfiliale anbieten, Konsumentenkredite online abzuschließen. Wenn der Kunde es will und die Anforderungen erfüllt, sind wir in der Lage, eine Baufinanzierung mit allem Drum und Dran innerhalb von 24 Stunden abzuwickeln. Dafür ist nicht mehr diese Personalintensität nötig, wie es früher mal der Fall war.

Lässt sich Schnelligkeit mit weniger Personal aufrechterhalten?

Bernd Wannenwetsch: Ich glaube, dass unser Erfolg nicht von ungefähr kommt, sondern weil wir in die Schnelligkeit der Prozesse sehr viel investiert haben. Wir beschränken uns ja nicht auf die Schließung der Filiale Südost, sondern wir eröffnen zum 1. Juli zugleich die Digitalfiliale. Das ist ein ganz neuer Kundenkanal. Dort haben Sie die Möglichkeit, via Telefon, Textchat und Videochat mit uns zu kommunizieren und Transaktionen und Verträge abzuschließen. Dafür haben wir 2019 und darüber hinaus die volle Personalstärke vorgesehen. Auf der anderen Seite entwickeln wir uns auch in den nachgelagerten Abteilungen weiter, wo all die Kreditprozesse abgewickelt werden: Organisation, Rechnungswesen, Marktfolge. Auch da haben wir eine immer größere IT-Unterstützung beziehungsweise Automatisierung.

Lässt sich beziffern, wie viel Geld Sie für die Digitalfiliale in die Hand nehmen?

Das kann man nicht sagen. Aber ich kann anhand einer anderen Zahl den Investitionsaufwand verdeutlichen: Wir tauschen in diesem Jahr 36 Selbstbedienungsgeräte aus, vor allem Geldautomaten. Ein einzelnes Gerät kostet je nach Ausstattung und Größe zwischen 20 000 und 40 000 Euro. Wir investieren in moderne Technik, in schlanke Prozesse und eben auch in die Direktfiliale, die dem Kunden zusätzliche Optionen bietet. Wir wollen damit auch Effizienz gewinnen.

Wie sieht es mit neuen Einnahmequellen aus? Gibt es Gebührenerhöhungen?

Haupteinnahmequelle bleibt der Zinsüberschuss. Auf der anderen Seite haben wir das große Feld des Provisionsüberschusses, etwa über das Angebot der Girokonten. Dort haben wir 2019 keine Preissteigerungen geplant.

Sind neue Geschäftsfelder im Gespräch?

Neue Produktformen können wir uns aktuell nicht vorstellen. Wir investieren weder in alternative Energien noch setzen wir ein regionales Immobilienportfolio auf, sondern wir bleiben im klassischen Bankgeschäft.

Mal ganz ketzerisch gefragt: Wie lange gibt es die Sparkasse Altenburger Land noch als selbstständiges Institut?

Genau das ist unser Ziel: Dass es diese Sparkasse auch in zehn Jahren noch gibt. Vor fünf Jahren war diese Frage unsicherer zu beantworten als heute. Denn heute hilft uns die Digitalisierung. Vor fünf Jahren waren wir noch komplett im analogen Bereich unterwegs. Wenn die Prozesse auf digital umgestellt sind und weitgehend automatisiert ablaufen, sind wir von bestimmten Parametern unabhängiger. Dank Digitalisierung können Unternehmen selbstständig bleiben, auch wenn sie klein sind. Das gilt nicht nur für Banken und Sparkassen, sondern für die gesamte mittelständische Wirtschaft und auch für Kommunen.

Sebastian Kühn: In der Finanzmarktkrise waren es ja gerade die kleinen regionalen Banken und Sparkassen, die den Anker gebildet haben. Wir sind der Auffassung, dass insbesondere in Krisenzeiten Regionalität und Verankerung extrem entscheidend sind.

Nun lässt sich aber gerade mit Digitalisierung auch eine Zentralisierung begründen – weil sich ohne größeren Aufwand von weit weg Prozesse ohne Mehraufwand steuern lassen. Deshalb noch einmal: Gibt es Pläne, dass die Sparkasse Altenburger Land mit der Sparkasse Gera-Greiz zu einer Sparkasse Ostthüringen fusioniert?

Bernd Wannenwetsch: Nein! Wir rechnen eher mit einem anderen Effekt: Dass sich im Bereich der Landesbanken Bewegungen ergeben. Eine Zentralisierung dort ist ja gerade in der Diskussion. Wir begrüßen das außerordentlich. Durch eine große neue Landesbank, an der die Sparkassen beteiligt sind, könnten sich für uns Synergieeffekte ergeben, etwa wenn die Landesbank bestimmte Abwicklungsprozesse für uns übernimmt. Das ermöglicht weitere Kosteneinsparungen.

Ergäben sich solche Synergieeffekte nicht auch beim Zusammenschluss von Sparkassen?

Wir wollen in der Region weiter für die Menschen da sein.

Wären Sie das nicht auch als Sparkasse Ostthüringen?

Wir glauben, nicht in der Stärke und in der Fläche.

Bilanzsumme knackt erstmals Milliarden-Marke

Die Sparkasse Altenburger Land hat 2018 erneut deutlich mehr Geld bewegt als in der Vergangenheit. Wie das kreiseigene Kreditinstitut auf OVZ-Nachfrage mitteilte, stieg die Bilanzsumme im Vorjahresvergleich um knapp 50 Millionen Euro oder rund fünf Prozent auf 1 049 413 000 Euro und knackte damit erstmals eine Milliarde Euro. Anno 2017 war der Umsatz noch knapp unter dieser Rekordmarke geblieben. Zugleich sank aber der Gewinn der Sparkasse nach Steuern im Vergleich zu 2017 leicht um 5000 Euro auf nunmehr 838 000 Euro.

Der Anstieg der Bilanzsumme resultierte vor allem daraus, dass die Sparkasse mehr Kredite vergab und dass Kunden mehr Geld bei ihr anlegten. So bestanden zum Jahresende 2018 allein Forderungen an Kunden in Höhe von gut 400 Millionen Euro. Nach dem Zuwachs von 13 Prozent in 2017 nochmals ein Plus von etwas mehr als drei Prozent. Davon entfielen gut 267 Millionen Euro auf das eigentliche Kundenkreditgeschäft, das man im Vorjahresvergleich um 5,6 Prozent steigern konnte. Zugleich stiegen die Kundeneinlagen im Vorjahr um 5,9 Prozent auf leicht über 911 Millionen Euro. Auch das außerbilanzielle Wertpapiergeschäft legte um 2,25 Prozent auf etwas mehr als 135 Millionen Euro zu.

Dass davon unterm Strich etwas weniger übrig blieb als 2017, hat zuvorderst mit den niedrigen Zinsen zu tun. So sanken die Einnahmen der Sparkasse aus Zinsüberschüssen 2018 um rund 2,72 Millionen Euro auf knapp 13,22 Millionen Euro – ein Minus von gut 17 Prozent. Einen Rückgang, den man auch durch das Plus von 12,5 Prozent auf fast acht Millionen Euro beim Provisionsüberschuss nicht wettmachen konnte. In diesem werden unter anderem Abschluss- und Verwaltungsgebühren für Finanzprodukte erfasst.

Personal-Rochade im Sparkassen-Vorstand

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Lösungen. Das gilt auch für die Entscheidung des Verwaltungsrates der Sparkasse Altenburger Land, Andreas Hohlfeld zum Nachfolger des zum 1. März ausgeschiedenen Vorstandsmitglieds Daniel Höhn zu machen. Denn der 44-jährige Wunschkandidat des Beratungs- und Überwachungsgremiums erfüllt aktuell noch nicht die von der Bankenaufsicht Bafin geforderten Kriterien, um ein Kreditinstitut zu leiten. Folglich sammelt er diese nun bis 1. Oktober und rückt dann auf.

Zwar verfüge der verheiratete Familienvater über ausreichend Erfahrung im Bereich Gesamtbankensteuerung, im Kreditgeschäft fehle ihm diese aber noch, erklärte Vorstandschef Bernd Wannenwetsch. Zumal die Bafin-Vorschriften schwer erfüllbar seien, weil die Bereiche Handel und Überwachung per Gesetz getrennt seien. Um seinen Erfahrungsschatz zu erweitern, übernahm Hohlfeld zusätzlich zur Leitung der betriebswirtschaftlichen Abteilung, zu der Unternehmenssteuerung, Risikomanagement sowie Rechnungs- und Meldewesen gehören, auch die Abteilung Marktfolge, der unter anderem das Kreditgeschäft zugeordnet ist. Gibt die Bafin ihr Okay, wird der gebürtige Altenburger im Herbst Nachfolger von Höhn, der sich aus privaten Gründen in seine Heimat Riesa verabschiedet hatte.

Dann geht Sebastian Kühn, der bis 30. September als Interimsvorstand fungiert, wieder auf seine Position als Abteilungsleiter Marktfolge zurück. Warum der 35-Jährige den Vorstandsposten nicht auf Dauer übernimmt, liegt wiederum am Willen des Verwaltungsrats. Als Lückenbüßer fühlt sich Kühn aber nicht. „Man muss auch außergewöhnliche Lösungen mitmachen, um das Wohl der Sparkasse im Blick zu behalten“, erklärte er. Schließlich sei man mit 180 Angestellten einer der größten Arbeitgeber der Region. Wie schon unter Höhn bleibt Kühn aber auch bei Hohlfeld Vorstandsvertreter im Verhinderungsfall.

Von Kay Würker und Thomas Haegeler

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