Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Staatsanwaltschaft klagt Windischleubaer Architekten an
Region Altenburg Staatsanwaltschaft klagt Windischleubaer Architekten an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:19 19.04.2019
Architekt Jan Godts (r.) wurde angeklagt. Anlass ist dessen Zeugenaussage im Prozess um die Kündigung von Ex-Flugplatzchef Jürgen Grahmann (l., Archivaufnahme). Quelle: Mario Jahn
Altenburg/Gera

Die Staatsanwaltschaft Gera will dem Windischleubaer Architekten Jan Godts wegen uneidlicher Falschaussage den Prozess machen. Wie die Behörde auf OVZ-Nachfrage mitteilte, erhob man deswegen jüngst Anklage am Amtsgericht Altenburg. Nach über anderthalb Jahren dauernden Ermittlungen habe sich „ein hinreichender Tatverdacht“ gegen Godts ergeben, hieß es aus der Staatsanwaltschaft. Diesen konnte auch eine mehrseitige Stellungnahme seines Verteidigers Helge Klein nicht entkräften, die Anfang des Jahres noch geprüft worden war.

Klage gegen Kündigung

Laut Anklage wird dem Architekten vorgeworfen, als Zeuge im Verfahren um die Kündigung des früheren Flugplatzchefs Jürgen Grahmann nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Der Denkmalpreisträger des Altenburger Landes galt in jenem Prozess als Kronzeuge des Airports. Grahmann war, zunächst vom heutigen Flugplatzchef Frank Hartmann und danach von den Airport-Gesellschaftern, gekündigt worden, wogegen dieser wiederum geklagt hatte.

In einer Verhandlung im Rahmen dieses Prozesses im Mai 2017 sollte Godts die einstigen Begründungen für die Kündigungen liefern: Vermischung von Privatinteressen und Dienstlichem und versuchte Nötigung. Doch der Architekt aus Windischleuba bestätigte weder, dass Grahmann ihn gedrängt habe, kostenlose Leistungen an seinem Privathaus zu erbringen, noch dass ihm Grahmann gedroht habe, Aufträge für den Flugplatz zu entziehen, falls er sich weigere.

Staatsanwalt hat mehrere Indizien

Doch darum geht es in dem seit Juli 2017 durch eine Anzeige von Grahmanns Nachfolger Frank Hartmann ins Rollen gekommene Verfahren nur randständig. Denn nach OVZ-Informationen dreht sich der Vorwurf der Falschaussage im Kern darum, dass Godts bei seiner Zeugenaussage wenige Wochen zuvor bestritten haben soll, jemals überhaupt für den geschassten Airportchef privat tätig gewesen zu sein. Das will die Staatsanwaltschaft mithilfe mehrerer Indizien beweisen: Zum einen gibt es mindestens zwei mutmaßliche Rechnungen über Leistungen, die Godts auf Grahmanns privatem Grund und Boden erbracht haben soll.

Zeugen bestätigen Geschäftsbeziehung

Zum anderen können offenbar mehrere Zeugen eine entsprechende Geschäftsbeziehung zwischen den beiden bestätigen. Diese sind neben dem Anzeigeerstatter und aktuellen Flugplatzchef Hartmann mindestens noch der Rechtsanwalt und jetzige Altenburger Stadtratsvorsitzende Alexander Büring (CDU) und der frühere Altenburger Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD). Büring und Wolf sollen ihr Wissen direkt von Godts haben, Hartmann verfügt über angeblich belastende Unterlagen, die er von Godts bekommen haben soll.

Anlass war vertrauliches Gespräch

Entscheidender Anlass für die Rolle von Godts als Zeuge gegen Grahmann ist ein vertrauliches Gespräch von ihm mit Büring, über das der Anwalt eine mehrseitige Aktennotiz anfertigte und diese von Godts unterschreiben lassen wollte. Das tat der Architekt aber nicht, weil der Inhalt keinesfalls mit seinen Aussagen übereinstimmte, wie Godts der OVZ versicherte. Flugplatzchef Hartmann bezeichnet Büring dennoch als einen Hauptzeugen im Verfahren gegen Godts wegen uneidlicher Falschaussage.

Aktennotiz wurde nicht unterschrieben

Der Inhalt der nicht unterschriebenen Aktennotiz gelangte trotz Vertraulichkeit zu Michael Wolf, der Kontakt zum Architekten aufnahm. „Ich habe meine Informationen direkt von Jan Godts in Gesprächen mit ihm erhalten“, antwortete Wolf auf die OVZ-Anfrage, ob er von Godts selbst etwas Belastendes bezüglich der Vorwürfe gegen ihn erfahren habe oder alles nur vom Hörensagen kannte.

Godts bestreitet Vorwürfe

Godts bestreitet die Vorwürfe, insbesondere die Drohung durch Grahmann und die Vermischung beruflicher und privater Tätigkeiten. Eine angeblich von ihm erstellte Rechnung an Grahmann für Arbeiten an dessen Privathaus bezeichnete er als irrelevant und missverständlich, da der entsprechende Auftrag, ein Bauantrag, sich im Nachhinein als unnötig erwiesen habe. Die Anzeige gegen ihn sei konstruiert und diene nur dazu, ihm zu schaden, sagte Godts, da er sich nicht als Zeuge gegen Grahmann missbrauchen lassen wollte, um ihn loszuwerden.

Godts war wegen seines privaten Engagements bei der Sanierung von Mühlen in Schelchwitz und Windischleuba im September 2018 mit dem Denkmalschutzpreis des Landkreises geehrt worden.

Von Thomas Haegeler und Jens Rosenkranz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sie hatten es bis in die letzte Auswahlrunde geschafft, doch im Endspurt scheiterte die Wirtschaftsvereinigung Altenburger Land mit ihrem Konzept, das die Lebensqualität im Landkreis verbessern sollte. Aber die Initiatoren wollen nicht ganz aufgeben.

19.04.2019

Im Fall der offensichtlich vernachlässigten Schafherde in Monstab hat das Veterinäramt jetzt durchgegriffen und die Tiere abgeholt. Nachkontrollen hatten ergeben, dass durch den ursprünglichen Besitzer der Schafe Auflagen des Amtes nicht eingehalten wurden. Dem Besitzer bleiben nun zwei Optionen.

19.04.2019

Es ist fast vollbracht: Die Promi-Galerie am Bauzaun des Altenburger Rathauses ist fast vollendet. Bei einem Osterspaziergang über den Markt können die kleinen Kunstwerke bewundert werden.

18.04.2019