Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Stress, Angst, Schlafmangel: Machen Windräder krank?
Region Altenburg Stress, Angst, Schlafmangel: Machen Windräder krank?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:51 24.09.2019
Auch unmittelbar am Rositzer Ortsteil Gorma drehen sich Windräder. Quelle: Mario Jahn
Altenburg/Schmölln

In den zunehmenden Ausbau von Windenergie-Anlagen und seinen Auswirkungen auf die Lebensqualität hat sich nun auch der ostthüringische Bundestagsabgeordnete Volkmar Vogel (CDU) eingeschaltet – speziell in die Thematik der gesundheitlichen Einflüsse von Infraschall. Der Mensch hört Schall nur, wenn dessen Frequenz zwischen 16 und 20 000 Herz beträgt und die Lautstärke des Schalls hörbar ist und schmerzfrei wahrgenommen wird. Wenn der Schall eine kleinere Frequenz als 16 Herz hat, spricht man vom Infraschall.

Untersuchung des Wissenschaftlichen Dienstes

Wissenschaftler warnen vor Risiken, die mit diesem verbunden sein könnten. Vogel beauftragte deshalb den Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages, den aktuellen Forschungsstand zusammenzutragen. „Die Dokumentation zeigt, dass weder die Unschädlichkeit noch die Schädlichkeit des von Windkraftanlagen ausgehenden Infraschalls zweifelsfrei erwiesen ist“, sagte der Bundestagsabgeordnete in einer Presseerklärung. „Dazu müssen belastbare Langzeitstudien vorliegen.“

Die Gesundheit des Menschen habe im Zweifelsfall Vorrang. „Bis wir mehr über Infraschall wissen, hilft nur größtmöglicher Abstand zu Wohnbebauung“, betonte der CDU-Politiker. Die Entstehung von Infraschall durch Windkraftanlagen sei laut Wissenschaftlichem Dienst unbestritten. Gerade langwelliger Infraschall könne kaum gedämpft, geschweige denn geblockt werden. Lediglich über die Entfernung werde er abgeschwächt.

Vogel fordert Abschaffung der Privilegien

Deshalb setzt sich Vogel unabhängig von den 1000 Metern Mindestabstand zur Wohnbebauung, die auch in Thüringen gelten, für die Abschaffung der Privilegierung von Windkraftanlagen im Außenbereich, zumindest aber deren Einschränkung ein. Eine grundsätzliche Privilegierung bedeutet, dass Windenergieanlagen im gesamten Außenbereich eines Gemeindegebietes gebaut werden dürfen, auch wenn dort andere Nutzungsarten ausgewiesen sind. „Ein gangbarer Kompromiss wäre es, neben den 1000 Metern Mindestabstand, die man bundeseinheitlich regeln könnte, einen zweiten größeren Bereich festzulegen, in dem die Privilegierung nicht gilt“, sagt Vogel.

Volkmar Vogel hat sich in die Windrad-Debatte eingeschaltet. Quelle: Mario Jahn

Das Umweltbundesamt kam Vogels Informationen zufolge im Mai dieses Jahres in einem Hintergrundpapier zur Windenergie zu dem Schluss, dass Langzeitstudien über chronische Effekte nach langjähriger niederschwelliger Infraschallbelastung Aufschluss geben könnten.

In wissenschaftlichen Studien gilt die gesundheitliche Gefährdung von Infraschall allerdings als nahezu erwiesen. Davor warnt beispielsweise Professor Dr. Werner Ross, der von 1999 bis 2011 als Direktor den Bereich Pharmazeutische Zellphysiologie und Biotechnologie an der Universität Halle leitete und seither auf diesem Gebiet forscht. „Mit dem drastischen Ausbau von Windstrom sind Infraschall-Impulse aus diesen Anlagen zu einem in vielen Regionen Deutschlands verbreiteten Gesundheitsproblem geworden“, schreibt Ross in einem Beitrag, der in diesem Jahr im Heft sieben der Naturwissenschaftlichen Rundschau erschienen ist.

Angstzustände und erhöhtes Infarktrisiko

Die aus dem Empfang von Infraschall resultierenden Signale gelangten unbewusst in „Gehirnregionen und aktivieren dort Zentren der autonomen und emotionalen Kontrolle“. Damit seien die seit Jahren bekannten Symptome von Anwohnern von Windenergie-Anlagen weitgehend erklärbar: „Ausgehend von hochgradigem Schlafmangel entsteht ein Stress-Syndrom, welches Angstzustände, Tinnitus, Hypertonie und erhöhte Infarktneigung einschließt.“ Auch Herzmuskelzellen seien gefährdet. Ein Schutz vor Schädigungen durch den von Windenergie-Anlagen ausgelösten Infraschall sei nur durch einen ausreichenden Abstand möglich, betont Ross. „Der ärztlich geforderte Mindestabstand in zehnfacher Anlagenhöhe lässt eine deutliche Absenkung der Stress-Symptomatik erwarten.“

Landratsamt hat keine Bedenken gegen Infraschall

Das Landratsamt sieht dagegen keinen Anlass, den Infraschall in die Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen einzubeziehen. Das geht aus einer Antwort der Behörde auf eine OVZ-Anfrage hervor. Wenn die Anhaltswerte für tieffrequente Geräusche unterschritten werden, seien „schädliche Umwelteinwirkungen und sonstige Gefahren, erhebliche Nachteile und erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit und die Nachbarschaft durch Geräusche nicht zu erwarten“, heißt es. „Es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass Infraschall unterhalb der Wahrnehmungsschwelle gesundheitsschädlich ist.“

Bei der letztgenannten Aussage beruft sich die Kreisbehörde auf die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, die sich dazu unter der Überschrift „Fragen und Antworten zu Windenergie und Schall, Behauptungen und Fakten“ im November 2015 geäußert hat.

Von Jens Rosenkranz

Im Sommer haben sich spontan Feuerwehrleute aus dem Landkreis an einer Typisierungsaktion für die an Blutkrebs erkrankte Elaine beteiligt. Jetzt die erfreuliche Nachricht: Ein passender Spender für die Fünfjährige ist gefunden.

23.09.2019

Jetzt wird es ernst: Am Montagnachmittag ist die Vollsperrung am Knoten Münsa in Kraft getreten. Drei Bauabschnitte erwarten die Autofahrer, die aktuell einen Umweg fahren müssen, wenn sie von Altenburg nach Nobitz wollen.

23.09.2019

Ein Parteibüro in der Altenburger Johannisstraße wurde am Weltkindertag Ziel von Vandalismus. Die Polizei sucht Zeugen.

23.09.2019