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Altenburg Sucht, Schwänzen, Suizidgedanken – neun Schulen bekommen Hilfe
Region Altenburg Sucht, Schwänzen, Suizidgedanken – neun Schulen bekommen Hilfe
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18:03 24.01.2020
Neun weitere Schulen im Landkreis sollen Sozialarbeiter bekommen. Quelle: Archiv
Altenburg

Überforderte Eltern, Drohungen, Schlägereien, Schwänzen. Das sind nicht die einzigen Probleme, mit denen sich etliche Schulen im Landkreis herumplagen. Hinzu kommen illegale Drogen, Suizidgedanken von Schülern und die Isolation wegen mangelnder Deutschkenntnisse.

Hilfe bei solchen ernsten Sorgen können Schulsozialarbeiter geben. Bislang gibt es solche nur an acht Regel-, zwei Berufs- und einer Gemeinschaftsschule sowie einem Gymnasium.

In diesem Jahr können an weiteren neun Bildungsstätten Sozialarbeiter eingesetzt werden, weil das Land das entsprechende Geld, rund 500 000 Euro, zur Verfügung stellt. Der Jugendhilfeausschuss legte am Donnerstagabend fest, welche Schulen das sind (siehe Info-Kasten unten). Der Kreistag wird am 5. Februar die endgültige Entscheidung fällen, wobei als sicher gilt, dass sich die Kreisräte dem Fachausschuss anschließen.

An einem Großteil der befragten Schulen im Landkreis nehmen pädagogische Fachkräfte Anzeichen für soziale Probleme einzelner Schüler wahr. Besonders häufig genannt Quelle: Landratsamt

Die Auswahl der Schulen erfolgte anhand von Kriterien und Punkten, wobei die Höchstzahl den besonders dringenden Bedarf kenntlich machte. Danach liegt das Lerchenberggymnasium auf Platz eins, gefolgt vom Seckendorff-Gymnasium Meuselwitz und der Regelschule Dobitschen. Bei den Lerchenbergern sticht eine besonders hohe Punktzahl im Bereich des erhöhten Unterstützungsbedarfs zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen hervor. Dabei handelt es sich um Angst- und Essstörungen, selbstverletzendes, aggressives und sogar kriminelles Verhalten, von Eltern geduldetes Schulschwänzen und der illegale Drogenkonsum. Mit 39 Punkten verfehlt dieses Gymnasium die Höchstpunktzahl nur um einen Zähler. Auf hohe Werte kommen hier auch die Gymnasien in Schmölln und Meuselwitz.

Beim Bezug von Hartz IV gibt es regional im Altenburger Land deutliche Unterschiede. Während in Altenburg rund 32 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in finanziell prekären Familiensituationen aufwachsen, gibt es in einigen ländlichen Regionen kaum Betroffene. Quelle: Landratsamt

Zum ersten Mal sollen auch zwei Grundschulen Sozialarbeiter bekommen – und zwar die Platatenstraße und Wilhelm Busch in Altenburg. Beide Standorte bekamen hohe Punktzahlen beim Anteil junger Menschen, deren Familien Hartz IV beziehen. Hinzu kommen familiäre Probleme, wie Schulden und Sucht bei den Eltern, denen es überdies an Erziehungskompetenzen mangelt.

Allerdings liegen die Probleme der beiden Grundschulen auch auf dem Gebiet „Erhöhter Unterstützungsbedarf zur Förderung sozialer Integration“. Dieses beinhaltet einen hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund, gefolgt von Isolation wegen mangelnder Deutschkenntnisse. Hinzu kommen Mobbing und Diskriminierung.

Die Analyse von aggressivem Verhalten unter Schülern. Quelle: Landratsamt

Anhand der Punkteverteilung ergab sich eine Prioritätenliste für die Schulstandorte mit dem größtem Bedarf. Zur Ermittlung dieser Bedarfe wurden 159 pädagogische Fachkräfte an 42 Schulen sowie sozialpädagogische Fachkräfte der mobilen Jugend- sowie aufsuchenden Jugendsozialarbeit und Suchtprävention befragt. Weiterhin wurden statistische Daten der Schulstatistik pro Schulstandort ausgewertet sowie vorliegende Sozialdaten der Bundesagentur für Arbeit und des Jugendamtes.

Sollten die neun Stellen besetzt sein, gibt es im Landkreis nur noch 16 Grundschulen ohne Sozialarbeiter sowie die Förderzentren.

Neue und bisherige Schulen mit Sozialarbeit

Zusätzliche Schulstandorte für Angebote der Schulsozialarbeit ab 2020

Friedrichgymnasium Altenburg

Grundschule Platanenstraße Altenburg

Lerchenberggymnasium Altenburg

Regelschule Dobitschen

Regelschule Lucka

Regelschule Rositz

Roman-Herzog-Gymnasium Schmölln

Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium Meuselwitz

Wilhelm-Busch-Grundschule Altenburg

Schulstandorte mit Angeboten der Schulsozialarbeit seit 2013

Berufsschule „Johann-Friedrich-Pierer“ Altenburg

Berufsschule „Wirtschaft und Soziales“ Altenburg

Christliches Spalatin-Gymnasium Altenburg

Regelschule „Geschwister Scholl“ Meuselwitz

Regelschule Schmölln

Regelschule „Wieratal“ Langenleuba-Niederhain

RegelschuleDietrich BonhoefferAltenburg

Regelschule „Gebrüder ReichenbachAltenburg

Regelschule Gößnitz

Regelschule Nöbdenitz

Regelschule Treben

Gemeinschaftsschule „Erich MäderAltenburg

Von Jens Rosenkranz

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