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Altenburg Theaterdarsteller Danijel Gavrilovic kam eher zufällig zum Schauspiel
Region Altenburg Theaterdarsteller Danijel Gavrilovic kam eher zufällig zum Schauspiel
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09:18 27.01.2019
Danijel Gavrilovic auf dem Nikolaikirchhof, einem seiner Lieblingsplätze. Seine Rollen arbeitet er am liebsten an der frischen Luft aus. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Danijel Gavrilovic muss schon ein wenig lachen. „Um ehrlich zu sein habe ich am Anfang nicht mal gewusst, dass die Schauspielerei ein Beruf ist, der sogar bezahlt wird“, grinst er. Und trotzdem: Letztlich, das wird im Verlauf des Gesprächs klar, war der Weg auf die Bühne und vor die Kamera dann wohl doch vorgezeichnet – nur eben mit einigen Umwegen versehen.

„Ich war ein furchtbarer Zuschauer“

„Das Interesse jedenfalls war unterschwellig schon immer da“, blickt der 27-Jährige zurück und nimmt einen Schluck aus seiner Kaffeetasse. „Ich habe gerne und viel gelesen, und wenn ich nach Hause gekommen bin, immer gesungen, was ja auch eine Art Stimmtraining ist. Aber das bewusste Ziel, mal auf der Bühne zu stehen, das gab es damals nicht.“

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Zumal Gavrilovic als Kind, im Gegensatz zu so manchen Kollegen, nicht mit Theater aufgewachsen sei. „Und das, obwohl es ihn Wien dafür ja extrem viele Möglichkeiten gibt“, wie er mit sanfter Ironie anmerkt. Lediglich zwei Mal habe ihn ein Klassenausflug in den Zuschauerraum geführt. „Die erste Inszenierung war ,Anne Frank‘, die Zweite dann eine Performance zu Faust – und bei der musste ich lachen. Ich war ein furchtbarer Zuschauer“, gibt er zu.

Ein „Körpermensch“, der auf die Bühne gehört

Trotzdem: Irgendwie war Danijel Gavrilociv dann doch von der Schauspielerei gepackt. „Ich habe immer schon Filme gemocht. Und in meinem Matura-Abschlussjahr stand dann für mich fest: Ich werde Regisseur.“ Mit diesem Ziel wurde ein Bewerbungsfilm gedreht – allerdings nicht eingereicht. Stattdessen bot sich spontan die Möglichkeit, bei einem Musikvideodreh mitzuwirken. „Da habe ich zum ersten Mal gemerkt: Es macht Spaß und gefällt anderen, ich bekomme Bestätigung – das könnte tatsächlich klappen.“

Auf Anregung einer Freundin nahm Gavrilovic ein Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie der Betriebswirtschaft auf. „In dessen Verlauf habe ich dann zumindest gemerkt, dass ich hinter der Kamera ganz schlecht bin“, schmunzelt er. „Ich habe zwar Bilder im Kopf, die technische Umsetzung fiel mir allerdings schwer. Ich bin eben einfach ein Körpermensch.“

Während des Studiums ging es auch erneut ins Theater. Racins „Phèdre“ stand auf dem Programm – und Gavrilovic war begeistert. „Ich bin dann zu Workshops gegangen, daraus entstand meine erste Schauspielgruppe. In den drei Jahren Studium habe ich im Prinzip ständig gespielt, pro Jahr war ich bei mindestens zwei Stücken dabei.“

Vor allem sein komödiantisches Talent konnte Gavrilovic (r.) bisher in Altenburg beweisen, wie etwa in „Heidi, der Bär groovt!“. Quelle: Ronny Ristok

Der innere Drang zu spielen

In diese Zeit fiel auch eine Bewerbung um ein Engagement – die mit einer Absage beschieden wurde. „Nur ausgebildete Schauspieler wurden angenommen. Und so stand die Entscheidung fürs entsprechende Studium fest“, schmunzelt Gavrilovic. Die Aufnahmeprüfung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz wurde bestanden, der Weg ins professionelle Schauspiel war frei.

Eine Entscheidung, die Danijel Gavrilovic keine Sekunde bereut hat. „Ich habe einfach diesen inneren Drang, ich muss spielen. Wäre es nicht mein Beruf, würde ich wohl stattdessen ständig Leute imitieren.“ Ruhm und Anerkennung, das ist ihm wichtig zu betonen, spielen dabei keine Rolle. „Es ist eher der Antrieb, an Kritik zu wachsen, besser zu werden, stetig dazu zu lernen“, erklärt er.

Einzig eine Kategorisierung in Schubladen kann er nicht leiden. „Ich möchte Routine vermeiden. Sicher: Komödien liegen mir tendenziell mehr. Ich spiele aber auch gern Dramen. Nur für Bösewichte bin ich vermutlich nicht erste Wahl“, zeigt er sich selbstironisch.

Rollen werden an der frischen Luft ausgearbeitet

In der Skatstadt, die sein erstes festes Engagement ist, fühlt sich der Sohn serbischer Eltern wohl. Zwar lebt er hier zum ersten Mal im Ausland. „Die Mentalität ist nicht weit weg von der österreichischen: Die Menschen sind recht gemütlich, der Humor ist ähnlich trocken“, so seine Beobachtung.

Allerdings, wirklich lange hält es ihn in seiner Freizeit nicht an einem Ort. „Ich reise unglaublich gern, das brauche ich auch einfach, um den Kopf frei zu kriegen.“ Inspiration für seine Rollen holt er sich bei solchen Trips oder an der frischen Luft. „Da führe ich dann durchaus schon mal Selbstgespräche. Ich kann einfach nichts am Schreibtisch kreieren.“

Auf der Bühne steht Danijel Gavrilovic das nächste Mal am Sonntag. Dann feiert am Landestheater „Der Revisor“ Premiere. „Ich gebe einen zittrigen, leicht verstörten Schulinspektor, habe auf der Bühne aber recht wenig Text.“ Stattdessen kann er viel im Hintergrund unterwegs sein – und seinem Spieltrieb freien Lauf lassen. Man darf gespannt sein.

Der Revisor: Sonntag, 27. Januar, um 18 Uhr im Großen Haus. Tickets unter Tel. 03447 585160 und www.tpthueringen.de.

Von Bastian Fischer