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Altenburg Theaterschauspieler Sebastian Schlicht liebt es, Bühnenfiguren zu gestalten
Region Altenburg Theaterschauspieler Sebastian Schlicht liebt es, Bühnenfiguren zu gestalten
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09:02 08.09.2019
Sebastian Schlicht am Kleinen Teich. An der Skatstadt schätzt der Schauspieler nicht zuletzt die vielen grünen Fleckchen. Quelle: Foto: Mario Jahn
Altenburg

Es dauert nur kurz, bis Sebastian Schlicht das erste Mal grinsen muss. „Dass ich heute mein Geld mal als Schauspieler verdiene, war definitiv nicht geplant. Eigentlich wollte ich nämlich Mathematik auf Lehramt studieren“, lacht er. Es kam – wie so oft im Leben – anders. Statt an der Tafel Formeln zu erklären, erweckt der 29-Jährige nun die unterschiedlichsten Figuren auf der Bühne zum Leben – seit der Spielzeit 2018/19 auch in Altenburg.

Vom Filmfan zum Schauspieler

Die Schauspielerei spielte in Schlichts Leben lange Zeit keine prominentere Rolle. „Ich komme nicht aus einer Theaterfamilie, meine Eltern haben mit dem ganzen Thema keinerlei Berührungspunkte“, erklärt er. Angetan hatte es ihm allerdings im heimischen Breitscheid bei Koblenz schon in jungen Jahren das Geschehen auf der Leinwand. „Ich bin schon immer ein großer Filmfan, habe dann später lange intensiv in einer Theatergruppe gearbeitet. Und irgendwann hatte sich der Wunsch so weit manifestiert, dass ich das professionelle Schauspielern einfach ausprobieren wollte. Da man die Ausbildung am besten recht jung beginnen sollte, habe ich nach der Schule einfach mal einen Versuch gestartet“, beschreibt er die recht nüchtern getroffene Entscheidung für seinen weiteren Berufsweg.

Im Weihnachtsspaß „Der glattrasierte Weihnachtsmann“ konnte sich Sebastian Schlicht (r.) bereits austoben. Quelle: Ronny Ristok

Wichtige Jahre im Erzgebirge

Und das mit durchschlagendem Erfolg – auch wenn es zunächst gar nicht danach aussah. „Die Fristen für die staatlichen Schulen habe ich leider verpasst“, lacht Schlicht. Folglich stand nur der Weg über eine private Einrichtung offen. Schlicht wagte exakt eine Bewerbung und wurde prompt an der Mainzer Theaterwerkstatt angenommen. Und ab da zeigte die Karrierekurve konstant nach oben.

„Es ist jedoch alles super gelaufen, ich konnte direkt im Anschluss an die Ausbildung ein erstes Engagement am Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz starten“, freut er sich noch heute. Insgesamt vier Jahre war er dort engagiert. Eine Zeit, die er nicht missen möchte: „Ich konnte dort viel Praxis sammeln, viele verschiedene und große Rollen spielen und war in ein festes, funktionierendes Ensemble eingebunden.“

Entsprechend viel, betont Sebastian Schlicht, hat er in der Erzgebirgsstadt gelernt. „Allein die Erfahrung, beständig vor Publikum zu spielen, hat mich enorm weitergebracht. Zu schauen, wie die Zuschauer reagieren, sich darauf einzulassen, das ist ein ständiges Training. Und man wächst mit seinen Rollen“, führt Schlicht aus. Stück für Stück konnte er so seine ganz eigene Bühnenpersönlichkeit herausbilden.

Alles, nur kein Method Acting

„Das Wichtige ist, dass man sich nicht komplett an den Nagel hängt, sobald man die Bühne betritt. Man muss ein Stück weit man selbst bleiben, dabei aber immer seine Figur und ihre Ziele kennen – und verstehen, wie sie diese erreichen kann“, erläutert Sebastian Schlicht den Prozess. Genau diese Herausforderung sei es auch, die seinen Beruf für ihn spannend halte. „Man kann immer wieder in neue Rollen schlüpfen, kann auf der Bühne so viel erleben: andere Welten erkunden, Figuren gestalten. Du fühlst dich anders, redest anders, hast eine ganz andere Spannung im Körper.“ Allerdings, auch das weiß Sebastian Schlicht inzwischen, gelte es auch, Vorsicht walten zu lassen, sich nicht in seiner Rolle zu verlieren. Das viel gelobte Method Acting – bei dem Darsteller und Rolle auch abseits der Bühne miteinander verschmelzen – sei nichts für ihn. „Ich versuche, berufliches und privates immer strikt zu trennen. Man muss sich immer fragen, zu welchem Preis man eine Figur gestalten möchte. Wenn ich da keine Grenzen ziehen könnte, würde der Beruf für mich nicht funktionieren“, betont er.

In „Cabaret“ steht Schlicht gemeinsam mit Nolundi Tschudi auf der Bühne. Quelle: Ronny Ristok

Ein Herz für die Skatstadt

Seit knapp anderthalb Jahren ist Sebastian Schlicht nun festes Ensemblemitglied am Theater Altenburg Gera. Und auch bei diesem Engagement, schmunzelt er, hat der Zufall eine Rolle gespielt. „Ich wollte einfach in einem anderen Theater spielen, gerne neue Erfahrungen sammeln. Als dann das Angebot aus Altenburg kam, fiel die Entscheidung sehr einfach.“ In der Skatstadt fühlt Sebastian Schlicht sich sehr wohl, ist oft draußen unterwegs oder – wenn es Wetter und Zeitplan zulassen – im Schwimmbad zu finden. Ansonsten ist glücklicherweise der Weg nach Leipzig nicht weit, wo seine Freundin ihr Studium absolviert. „Entsprechend versuche ich natürlich, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen.“ All zu viel Zeit bleibt dafür derzeit allerdings nicht, schließlich steht die Premiere von „Cabaret“ unmittelbar bevor, sind entsprechend viele Proben angesetzt.

„Cabaret“: Heute aktuell wie lange nicht mehr

In dem Musical findet sich Sebastian Schlicht als Clifford Bradshaw in einer altbekannten Rolle wieder. „Den Part habe ich bereits in Annaberg-Buchholz gespielt. Während Cliff dort ein selbstbewusster, junger Mann war, ist er in der Altenburger Inszenierung deutlich naiver, auch schüchterner. Mir kommt das entgegen, schließlich wollte ich nicht einfach noch einmal das Gleiche spielen“, beschreibt er die veränderte Herangehensweise an die Figur.

Auch wenn die Rolle bekannt ist, das Stück selbst, findet Schlicht, ist relevanter denn je. „Gerade politisch ist ,Cabaret’ hochaktuell. Es hilft dabei, sich bewusst zu werden, wie damals, kurz vor Beginn des Dritten Reichs, die Stimmung und Atmosphäre war. Es scheut sich nicht, auch die tiefen Abgründe zu zeigen, die eine solche Umwälzung mit sich brachte, ist dabei faszinierend und spannend.“ Ein Anspruch, der sich auch in den verwendeten Songs widerspiegelt. „Viele Musicals haben zwar tolle, aufwendig komponierte Lieder, aber bringen in ihren Storys eher wenig Anspruch mit. Das ist hier definitiv anders. Jeder Song hat einen eigenen Charakter.“ Da verwundert es nicht, dass es Sebastian Schlicht kaum noch erwarten kann, die Lieder auch in Altenburg wieder zu singen.

„Cabaret“ feiert am Sonntag um 18 Uhr Premiere im Theaterzelt. Weitere Vorstellungen am 10. (18 Uhr), 13., 14. (je 19.30 Uhr) und 15. September (18 Uhr) sowie am 9. (19.30 Uhr) und 10. (18 Uhr) November. Karten an der Theaterkasse in der Tourismusinformation Altenburger Land (Markt 10), unter Tel. 03447 585160 und unter www.theater-altenburg-gera.de.

Von Bastian Fischer

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