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Altenburg Thüringer Kabarett Treffen strapaziert Lachmuskeln in Gößnitz
Region Altenburg Thüringer Kabarett Treffen strapaziert Lachmuskeln in Gößnitz
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18:42 20.05.2019
André Kudernatsch lässt das Publikum beim Thüringer Kabarett Treffen in Gößnitz schwören. Sonst gibt es keine Wurstgedichte mehr. Quelle: Klaus Peschel
Gößnitz

An drei Abenden dreißig Kabarettisten auf einer Bühne: Das kleine Gößnitz tat sich dies in der vergangenen Woche an – und hatte Spaß daran. Das Kabarett „Nörgelsäcke lud zum fünften Thüringer Kabarett-Treffen ein. Sieben Einzelkämpfer und sieben Ensembles folgten der Einladung.

Zentrales Thema: das Alter

Solche Treffen – seit 2011 finden sie in Gößnitz statt – zeigen, wie vielfältig das Kabarettangebot in Thüringen ist. Es gibt nicht nur die großen kleinen Häuser wie das „Fettnäppchen“ in Gera – das in diesem Jahr nicht mit dabei war – oder die „Arche“ in Erfurt. Auch in Menteroda wird Kabarett gespielt, in Arnstadt, Apolda und Lauscha auch. Es gibt Berufskabarettisten und Amateure. Musikalisches Kabarett ist ebenso dabei wie das politische und Comedy. Und es gibt kabarettistischen Nachwuchs.

Das war einmal das Duo „Bermuda Zweieck“ aus Erfurt, zum anderen war es Jonas Greiner aus Lauscha. Die zwei Ecken von „Bermuda“ sind Fabian Hagedorn und Daniel Gracz. Das Duo gründete sich im Juni 2018. Das, was sie machen, bezeichnen sie als Klavierkabarett auf Abwegen. Seit Februar 2019 ist das Duo mit seinem ersten Programm unterwegs. Ihr Lied „Leidenschaft mit 80“ brachte auf den Punkt, was das beliebteste Thema Thüringer Kabarettisten zu sein scheint: das Alter.

Der größte Kabarettist Thüringens

So sinnierte das Erfurter „Lachgeschoss“ ausschließlich über das Ableben. Da war von „Crash-Test-Omis“ die Rede, vom „Sterben auf offener Bühne“ und von einer schönen Aussicht vom Krankenbett auf das Krematorium. „Anakonda“ aus Apolda schickte Dr. Arisch zum Thema „Alte Männer braucht das Land“ ins Rennen, und ein Opa bettelte am Frühstückstisch um seine blauen Pillen.

Angesichts des Publikums in Gößnitz ist das Thema Alter und Altern durchaus von Relevanz. Sah man sich um, so richtig jung war da keiner mehr. Viele waren schon richtig alt. Umso erfreulicher, wenn ein junger Mann die Kabarettbühne betritt. „Ich war minus sieben, als die Wende kam“, stellte sich Jonas Greiner vor. Er wurde als der größte Kabarettist Thüringens angekündigt. Und das war nicht gelogen. „Jetzt wollen Sie wissen, wie groß: zwei Meter sieben.“, lächelte er in sich hinein.

Nicht dumm, sondern kreativ

In seinem Solo-Debüt beschäftigt er sich mit den alltäglichen Fragen des Lebens. Sein Programm nennt er sinnigerweise „In voller Länge“. Der „Münchner Merkur“ schrieb über Jonas Greiner: „Der sympathische 21-Jährige hat nicht nur körperlich das Potenzial, ein Großer in der Deutschen Kabarettszene zu werden.“ Wo der „Merkur“ recht hat, da hat er recht. Greiner kann die Welt von oben betrachten, ohne überheblich zu sein, er blickt auf seine Heimatstadt Lauscha genauso humorvoll wie auf die große Welt und das Bildungswesen.

Bildung war auch für Robby Mörre ein Thema. „Wenn ein Kind zweimal zwei gleich fünf schreibt, dann wird es noch gelobt, es sei ja nicht dumm, sondern kreativ.“ Der Solokabarettist aus Gera, dem Abiturientenalter längst entwachsen, zog es vor, in seinem Vortrag in die Rolle eines Oberlehrers zu schlüpfen. Robby Mörre ist eben von Haus aus Journalist.

Ohne erhobenen Zeigefinger geht es bei Robby Mörre nicht. In seinem Vortrag lässt er schon mal zweimal zwei gleich fünf sein. Quelle: Klaus Peschel

Sprachwitz ganz ohne Klamauk

Das ist auch André Kudernatsch. Auf der Bühne wurde der Mann aus Erfurt zu einem kleinen Schwejk, zu einem Gedichte vortragenden Schelm, zu einem Nachfahren von Heinz Ehrhardt. „Ich hab’s im Hermsdorfer Kreuz“, gestand Kudernatsch, bevor es eine Viertelstunde lang um Wurstgedichte ging. Eines lustiger als das andere. Alles losgelöst von Politik. Sprachwitz ohne Klamauk.

Wer auf Letzteres steht, kam in Gößnitz auch auf seine Kosten. Stellvertretend dafür sei „Kalter Kaffee“ aus Erfurt genannt. Björn Sauer am Klavier und Tilo Schäfer mit der Gitarre sorgten für Lagerfeuerstimmung im Kabarett. Ihr Bratwurstlied war so lang, dass es einem schon im Magen liegen konnte. Doch das Publikum sang mit: „Sag, wo kommt die Bratwurst her … Alles hat ein Ende, doch das Lied hat keins …“ Stimmte nicht, nach „99 Bratwurstsongs“ war Schluss.

Zwei „Thüringer“ aus Leipzig

Dass noch nicht Schluss sei, das wünschte man sich nach dem Auftritt des „Ensembles Weltkritik“ aus Leipzig. Bettina Prokert und Maxim Hofmann haben seit Langem für ihre Programme einen festen Platz auf der Bühne der Nörgelsäcke. Beide können deshalb als Thüringer gelten. Für ihre „Schummelsoftware“ und ihre Improvisation „Ich krieg ’ne Krise“ gab es stehende Ovationen. Es ist ihre Bühnenpräsenz, ihre Ausstrahlung, die beeindrucken.

Das Thüringer Kabarett Treffen ist kein Festival mit Preisträger. Man will sich treffen, etwas lernen, gemeinsam mit dem Publikum Spaß haben. Wenn es denn einen Preisträger gäbe, dann wäre das Markus Tanger. Der Chef der „Nörgelsäcke“ hat mit seinen Leuten etwas auf die Beine gestellt, das Gößnitz als Kabarettstätte in Thüringen bekannt macht.

Von Klaus Peschel

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