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Altenburg „Untergang der Titanic“ beschließt Theaterspielzeit in Altenburg
Region Altenburg „Untergang der Titanic“ beschließt Theaterspielzeit in Altenburg
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17:08 08.07.2019
Verkehrte Welt: Die Zuschauer sitzen bei der Mitspiel-Oper „Untergang der Titanic“ auf der Bühne, die Akteure bespielen den Zuschauerraum. Quelle: Fotos (7): Mario Jahn
Altenburg

Das Landestheater ist happy. Der „Untergang der Titanic“ – eine Mitspiel-Oper, die das Publikum zu Akteuren macht – beschert dem Haus neun restlos ausverkaufte Vorstellungen. Das sind summa summarum rund 2160 zahlende und dem Vernehmen nach zugleich überaus beglückte, erstaunte und beeindruckte Zuschauer. Es hätten noch deutlich mehr sein können, denn die Kartennachfrage überstieg bei weitem das Kontingent. Zur vorletzten Aufführung bestieg die OVZ noch einmal den Luxusliner, fragte die Passagiere nach ihrer Meinung und warf einen Blick hinter die Kulissen dieser aufwendigen und bislang wohl beispiellosen Produktion.

35 Laiendarsteller – und ein Hund

Der erste Akt auf dem Theatervorplatz mit den Musikern auf dem Balkon und dem Chor in der Menschenmenge; der letzte, schon in der Dunkelheit, auf einer via Baugerüst installierten Bühne über dem Personaleingang; im Haus der Tausch von Bühne und Zuschauerraum – der logistische Aufwand für diese Oper könnte größer kaum sein. Und der personelle steht dem in nichts nach. Einmal mehr setzt das Altenburg-Geraer Theater auf die Unterstützung von Laiendarstellern. Insgesamt 35 an der Zahl: Frauen, Männer, Kinder – und eine Hündin. Denn Millionärsgattin Lady Madeleine Astor nimmt schließlich ihre Kitti mit an Bord. In Wirklichkeit heißt der Mischling, den Sopranistin Miriam Zubieta da an der Leine führt, Astrid und gehört dem Theaterfotografen Ronny Ristok, der beim „Untergang der Titanic“ zugleich als Leiter der Statisterie fungiert. „Die Sängerin und meine Astrid haben sich von Anfang gut verstanden“, erzählt der stolze Besitzer. Und das nicht zuletzt wegen des Leckerlis, das den ungarischen Straßenhund immer kurz vor der Schiffstaufe zum Männchen-Machen animieren soll. Was meistens auch geklappt hat.

Neun Mal ausverkauftes Haus: Mit der Großproduktion „Untergang der Titanic“ zeigte das Altenburger Theater vor der sanierungsbedingten Schließung noch einmal, wozu Ensemble und technische Leitung in der Lage sind. Die OVZ hat die Inszenierung ausführlich mit der Kamera begleitet.

Schneller Gang durchs Theaterlabyrinth

Dies ist zugleich das Zeichen, dass die Auswanderer losjubeln können. Hier verstärken Vertreter der Altenburger Mitspielerakademie und des Kinder- und Jugendchores Gera die Profis vom Opernchor. Auch die 14 Matrosen sind allesamt Laien, denen der Auftritt vor Publikum zwar nicht fremd ist, die Theaterbühne aber schon.

Akquiriert hat sie Ronny Ristok nämlich zu zwei Dritteln vom Männerballett des Faschingsvereins Motor Altenburg, der Rest sind Interessenten, die sich auf eine Anzeige meldeten. Aus Laientänzern hat Ristok in kurzer Zeit gestandene Matrosen geformt, die besonders bei der Evakuierung zu großer Form auflaufen. Dass sie die Passagiere der 2. Klasse, also das Publikum, mit lauter Stimme und Nachdruck zu möglichst schnellem Laufen durchs Theaterlabyrinth ins Freie dirigieren, hat nicht nur inszenatorischen Sinn. Denn das Theater orderte nur gut 100 der knallroten Rettungswesten für die 240 Zuschauer. Sie müssen also den „Geretteten“ schnell abgenommen werden, um sie den im Rangfoyer noch auf ihre Evakuierung Wartenden zukommen zu lassen.

Theaterfotograf wird zum Statisterie-Leiter

Und dann heißt es für die Matrosen, punktgenau am Rettungsboot zu stehen, um es von der sinkenden Titanic wegzurollen. „Bei einer Aufführung waren wir leider nur zu dritt und bekamen das Boot trotz größter Kraftanstrengung nicht von der Stelle. Das gab Szenenapplaus“, erzählt Ronny Ristok schmunzelnd. Für den 29-Jährigen ist die Doppelfunktion als Fotograf und Statisterie-Leiter eine echte Herausforderung. Während seine Matrosen sich beispielsweise die Wartezeit zwischen dem ersten und letzten Akt mit Kniffel-Spielen vertreiben, hat er dafür keine Nerven. So ist der Postersteiner dann doch froh, dass der Vorstellungsmarathon nun ein Ende hat.

Zuschauer sind begeistert

Die Meinungen, die die OVZ am Sonnabend nach stürmischem Schlussapplaus und etlichen Bravo-Rufen einfangen kann, dürften deshalb nicht nur ihn erfreuen. „Es gab immer etwas zu erleben und zu sehen, es wurde nie langweilig, eine tolle Vorstellung“, so das Fazit der Wahl-Erfurterin Steffi Wöllner, die es regelmäßig zu großen kulturellen Ereignissen in die alte Heimat zieht. „Die Schlussszene war besonders beeindruckend, vor allem vor dem Hintergrund, dass dies real ja so passiert ist. Und wir als Zuschauer immer mittendrin.“ Ähnlich beeindruckt zeigt sich Familie Stiwi, die sich als bekennende Fans des Altenburg-Geraer Theaters diese spektakuläre Inszenierung nicht entgehen lassen wollten. „Nur die Musik hat uns nicht so gefallen“, so Uwe Stiwi. Und: „Jetzt sind wir gespannt auf das Theaterzelt.“ Schon zum Tag der offenen Tür Anfang Mai hatte sich Ursula Löser die Tickets gesichert. „Es hat sich wirklich gelohnt“, so die Starkenbergerin, die das Theater vor der langen, baubedingten Schließung unbedingt noch einmal sehen wollte.

Alle Augen richten sich aufs Theaterzelt

Denn mit der letzten „Titanic“-Vorstellung am Sonntag verabschiedet sich die Theater-Crew nicht nur in die wohlverdienten Ferien. Im Landestheater selbst sind nun für sehr lange Zeit alle Schotten dicht. Wann die Bauarbeiten genau beginnen, kann Pressesprecher Toni Rack noch nicht sagen. „Jetzt kommen erstmal alle Requisiten für die Titanic nach Gera, wo die Oper zu Beginn der neuen Spielzeit zu sehen ist. Außerdem wird die bewegliche Altenburger Technik eingelagert oder ins Festzelt am Großen Teich gebracht.“

Dort öffnet sich der Vorhang erstmals zur Eröffnungsgala am 1. September. Das Altenburger Theaterschiff, um im Bild zu bleiben, wird erst am 16. April 2021 wieder zu Wasser gelassen. „Bis dahin“, so grüßt Intendant Kay Kuntze augenzwinkernd sein Publikum, „hüten Sie sich vor Eisbergen.“

Von Ellen Paul

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