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Altenburg Unwetterschäden: Altenburger Land ist massiv betroffen
Region Altenburg Unwetterschäden: Altenburger Land ist massiv betroffen
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14:31 14.09.2018
Zwei Jahrhundert-Hochwasser in nur elf Jahren haben in den Städten und Dörfern entlang der Pleiße – wie hier in Windischleuba – ihre Spuren hinterlassen. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Schwere Elementarschäden im Altenburger Land haben den Gebäudeversicherern in Thüringen die Bilanz verhagelt. Der Landkreis war in den Jahren 2002 bis 2016 die Region im Freistaat, die die zweithöchste durchschnittliche Schadenssumme pro Gebäude verzeichnete. Das geht aus einer Langfristbilanz hervor, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) veröffentlichte.

Sturm Kyrill war verheerend

Für die 15-Jahre-Bilanz wurde die durch Wetterunbilden verursachte Gesamtschadenssumme im Landkreis auf die Gesamtzahl der Häuser heruntergebrochen. Daraus ergeben sich laut GDV 3592 Euro Schaden in 15 Jahren pro Gebäude. 1069 Euro davon wurden durch Sturm und Hagel verursacht, 2523 Euro durch Überschwemmungen und Starkregen, Erdgefahren und Schneedruck. Wobei der Sturm Kyrill im Januar 2007 zu den verheerendsten Wetterereignissen gehörte: Rund 14 Prozent aller Gebäude im Landkreis hatten damals Schaden genommen, bilanziert der GDV.

Im Altenburger Land sind thüringenweit die Unwetterschäden besonders hoch. Hier eine Übersicht über die Hochwasser-, Sturm- und Starkregenereignisse der vergangenen Jahre.

Ebenfalls folgenreich war das Hochwasser im Sommer 2002. Sieben Prozent aller Häuser waren damals in Mitleidenschaft gezogen, wobei der durchschnittliche Schaden pro betroffenem Gebäude deutlich höher war als nach Kyrill.

Noch heftiger von schadensreichen Wettereignissen betroffen ist in Thüringen lediglich die Stadt Gera. Sturm, Hagel sowie Überschwemmungen durch Starkregen oder Hochwasser richteten dort von 2002 bis 2016 Schäden an Gebäuden in Höhe von durchschnittlich rund 5600 Euro an.

Gothaer kommen glimpflich davon

Auf Platz drei der Negativbilanz liegt der Landkreis Greiz mit einem Durchschnittsschaden von rund 3200 Euro. Am glimpflichsten kamen in den 15 Jahren die Einwohner von Gotha davon. Dort betrage der Schaden im Schnitt rund 800 Euro pro Haus. Der Bundesschnitt liegt bei 1600 Euro.

Allerdings sagt die Verteilung der Gesamtschadenssumme auf alle Gebäude nichts über die oft dramatische Situation bei einzelnen Betroffenen aus. Mitunter richten sehr lokale Unwetter punktuell hohe Schäden an. Der GDV nennt als Beispiel ein Tief namens Frank im Jahr 2011, das ein heftiges Gewitter mit Hagel brachte und allein im Kreis Eichsfeld massiv Spuren hinterließ. Ebenfalls im Eichsfeld sorgte im August 2015 ein Starkregen für Schäden in Höhe von durchschnittlich 32.700 Euro pro betroffenem Gebäude.

Viele Thüringer haben keinen Versicherungsschutz

„Die Zahlen belegen, wie verheerend Naturgewalten sein können“, sagt GDV-Präsident Wolfgang Weiler. Und weist darauf hin, dass längst nicht alle Häuser gegen sämtliche Gefahren abgesichert sind. Während Hagel oder Sturm fast immer über die Police abgedeckt seien, fehle bei vielen Thüringern der Schutz vor Elementarrisiken wie Starkregen, Hochwasser, Erdrutsch oder Schneedruck. „Nur 46 Prozent der Häuser in Thüringen haben den dafür nötigen erweiterten Naturgefahrenschutz“, konstatiert Weiler.

„Immobilienbesitzer sind gut beraten, ihr Eigentum gegen alle Wetterrisiken abzusichern. Vor allem Überschwemmungen durch Starkregen können jeden treffen“, betont Weiler. Ohne Komplettschutz stehe im Extremfall die Existenz auf dem Spiel.

Versicherungspolice kann teuer werden

Die Verbraucherzentrale Thüringen rät allerdings zu Versicherungsabschlüssen mit Augenmaß. „Versicherungen gegen Elementarschäden sind nicht billig. Und wenn das zu versichernde Gebäude in einem Gebiet liegt, das zum Beispiel als hochwasser- oder erdrutschgefährdet eingestuft wird, kann die Police sehr teuer werden oder die Versicherung sogar den Schutz ablehnen“, schildert Ilona Thrän, Fachberaterin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Thüringen.

Fakt sei, dass Ereignisse wie Hagel oder Starkregen nirgendwo im Lande auszuschließen seien und eine Absicherung des Hauses in der Regel zum existenziellen Schutz gehöre. „Wichtig ist aber, sich bei der Suche nach der passenden Versicherung Zeit zu nehmen. Denn es gibt Fallstricke in den Klauseln und teils enorme Preisunterschiede.

Die Verbraucherzentrale bietet – unter anderem in ihrer Zweigstelle in Altenburg – Versicherungsvergleiche an.

Von Kay Würker

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