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Altenburg Verein Futura kümmert sich um die Integration von Flüchtlingen
Region Altenburg Verein Futura kümmert sich um die Integration von Flüchtlingen
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08:18 02.07.2019
Die OVZ traf  Migrationsmanagerin Ivy Bieber auf einen Kaffee.
Die OVZ traf Migrationsmanagerin Ivy Bieber auf einen Kaffee. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Einfach mal Tacheles reden, darum geht es in der OVZ-Serie „Auf einen Kaffee mit ...“ Das Format schafft Platz für Kritik und klare Ansichten, lässt Menschen im Altenburger Land zu Wort kommen – und die OVZ bringt den Kaffee mit. Heute mit Ivy Bieber vom Integrativen Zentrum Futura.

Ohne einen schönen Kaffee, ungesüßt und ohne Milch, kann bei Ivy Bieber der Tag nicht beginnen. „Das ist ein festes Ritual, was ich nicht missen will“, sagt die 46-Jährige und nutzt dafür die noch ausnahmsweise ruhigen Minuten am frühen Morgen, ehe beispielsweise der Ansturm der Ratsuchenden in der Wallstraße beginnt, wo Futura seit vergangenem November in einem lange leer stehenden Ladengeschäft ein Informations- und Beratungszentrum eingerichtet hat. Futura macht sich in einem sehr sensiblen Bereich des menschlichen Miteinanders stark – das wissen auch Ivy Bieber und ihre beiden Mitstreiter.

Integration wird gearbeitet

Futura versucht das Miteinander von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Altenburg und dem gesamten Landkreis zu verbessern. Deshalb gibt es solche Sprechstunden auch in den beiden Neubaugebieten der Kreisstadt sowie in Schmölln. Futura versucht, Ressentiments gegeneinander abzubauen. „Meist hilft es doch, dass man miteinander auf Augenhöhe redet. Viele der oftmals angeblich akut brennenden Probleme im alltäglichen Miteinander erweisen sich beim näheren Hinschauen vergleichsweise einfach lösbar oder milderbar“, sagt die 46-Jährige.

Im November 2015 – auf dem Höhepunkt der nach Deutschland schwappenden Flüchtlingswelle – kam Ivy Bieber von der Ausländerbehörde des Landratsamtes Leipziger Land ins hiesige Landratsamt als Integrationsbeauftragte und später als Integrationsmanager. Sie weiß sehr wohl um die Spannungen, die es vor allem in Altenburgs Neubaugebieten zwischen den alteingesessenen und den neuen Mitbewohnern gibt. „Vermeintliche illegale Müllablagerungen und Ruhestörungen sind da die häufigsten Punkte, an denen sich Streit entzünden kann“, sagt Bieber. „Dabei kann vieles in einem offenen Gespräch miteinander ganz unproblematisch geklärt werden oder entpuppt sich ohnehin sehr schnell als nur weniger brennend, als erst geschildert. Wichtig ist einfach nur, dass man miteinander redet und dies auch will. Auch zu ungewöhnlichen Zeiten.“

Keine festen Arbeitszeiten

Dies sei übrigens auch ein entscheidender Punkt gewesen, weshalb Ivy Bieber die Behörde Landratsamt als Integrationsmanager verließ und sich jetzt seit 1. Juli 2018 bei Futura in gleicher Funktion engagiert. In Behörden gelten feste Arbeitszeiten. Bei Futura ist man da völlig frei und kann auch problemlos Vor-Ort-Termine zu vorgerückter Stunde oder an Wochenenden sowie Feiertagen machen. Das wäre in einer Behörde nur sehr schwer möglich.

Dass man sich bei Futura nur um die Probleme der neuen Mitbürger mit Migrationshintergrund kümmern würde – diesen Vorwurf haben Ivy Bieber und ihre Team schon mehrfach gehört. „Was aber keineswegs der Fall ist. Unsere Angebote richten sich immer an beide Seiten zugleich. Das ist doch auch der Sinn einer erfolgreichen Migrationsarbeit. Man muss dafür auch aufeinander zugehen und akzeptieren, dass die Welt sich verändert.“

Und oftmals reiche es auch, wenn man den anderen in einem ordentlichen Ton darauf hinweist, dass manche Sachen hierzulande eben so und nicht so gemacht werden. „Das sind doch oftmals ganz alltägliche Dinge, die in einem anderen Kulturkreis anders gehandhabt werden. Aber der andere muss wissen, wie es hierzulande läuft, damit er sich auch daran halten kann.“ All dies stellt Ivy Bieber unter einen Leitspruch, den sie von ihrer Mutter hat und bis heute beherzigt: „Verlange nie etwas von einem Menschen, was Du nicht selber machen würdest.“

Transparenz ist das A und das O

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sei dabei auch, dass man bei Futura gegenüber allen Seiten mit der größtmöglichen Transparenz arbeitet. „Alle Angebote von uns sind für jeden offen. Dies geht bis hin zu unserem Gebetsraum, wo regelmäßig für 60 bis 70 Moslems das Freitagsgebet abgehalten wird. Das kann auch jeder andere bei Interesse besuchen. Und die Predigt wird sowohl in arabisch als auch in deutsch gehalten, damit man alles versteht.“

Erste Ergebnisse von gelingender Integration gebe es auch im Altenburger Land und in Altenburg. „Wobei uns allen aber auch klar ist, dass wird hier noch am Anfang eines langen Weges stehen, weil dies sicher eine Generationsaufgabe sein wird“, sagt Ivy Bieber. Ohne Illusionen ist sie auch darüber, dass nicht jeder bereit ist, sich dem Thema Integration vorbehaltlos zu stellen. „Aber auch hier ist es wie überall im Leben: Das gilt sowohl bei manchem Alteingesessenen, als auch bei manchem Neuankömmling.“

Von Jörg Wolf