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Altenburg Vom Hörsaal an die Werkbank
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05:12 07.05.2019
Oliver Grimm von der Tischlerei Möbila an einer Formatkreissäge: Der 22-jährige Azubi wird im Sommer seine Ausbildung beenden. Quelle: Maximilian König
Altenburg

Behutsam schiebt Oliver Grimm das dunkle Stück Holz den kreischenden Zähnen entgegen – innerhalb von Sekunden frisst sich die Kreissäge durch das Brett. „Anfangs hatte ich schon Respekt vor den Maschinen“, sagt Grimm noch, bevor er die Ohrenschützer aufsetzt. „Da spielte die Fantasie eine große Rolle, was für Unfälle passieren können.“

Passiert ist zum Glück noch nichts, seitdem er vor zwei Jahren seine Ausbildung zum Tischler bei der Altenburger Firma Möbila begann. Zur Lehre fand der 22-Jährige „über einen Umweg“, wie er sagt: Der Altenburger hatte nach dem Abitur ein Studium der Holztechnik im bayerischen Rosenheim angefangen, brach nach dem dritten Semester jedoch ab. „Es war ein sehr schweres Studium.“ Weil er nach der akademischen Erfahrung lieber etwas „Handfestes“ lernen wollte, erinnerte er sich an die Tischlerei, die nur wenige Hundert Meter von seinem Elternhaus entfernt liegt. Hier hatte er bereits ein Praktikum vor dem Studium absolviert.

Traditionsreiche Tischlerei

Der Firmenname setzt sich aus den Tätigkeitsfeldern „Möbel“, „Innenausbau“ und „Ladenbau“ zusammen. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Raumgestaltung, zu der sich 1961 mehrere Betriebe zusammengeschlossen hatten. 1991 wurde die PGH in die Genossenschaft Möbila umgewandelt – alle Mitarbeiter sind gleichzeitig auch Genossenschaftsmitglieder.

Ihre Produkte liefert die Tischlerei in ganz Mitteldeutschland aus – ob ein Empfangstresen für die Jenoptik in Jena, Betten fürs DRK-Pflegeheim in Altenburg-Nord oder Rednerpulte für das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Chef ist seit 1996 Thomas Moewes, vor 35 Jahren begann er im Betrieb als Lehrling. Seit er 1991 die Meisterprüfung ablegte, bildet er selbst Lehrlinge aus. 20 Lehrverträge wurden seitdem geschlossen, niemand brach vorzeitig ab, alle bestanden die Prüfung.

Möbila als Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet

Aufgrund dieser beeindruckenden Quote wurde Möbila Ende April als „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb im Handwerk“ von der ostthüringischen Handwerkskammer ausgezeichnet. Eine Anerkennung, die nur zwei bis drei Betrieben im Jahr zuteil wird. Bei der Verleihung der Ehrenurkunde machte Moewes deutlich, dass er sich Sorgen um seinen Berufsstand macht: „Manchmal hatten wir den einzigen Lehrling im ganzen Landkreis – die Jahre der dicken Posteingänge sind lange vorbei.“ Obwohl es immer weniger Bewerber gibt, hat seine Tischlerei bislang jedes Jahr Nachwuchs finden können. Neben der Reputation trägt auch die angestrebte Übernahme zur Attraktivität bei: Etwa ein Viertel aller Azubis blieben dem Betrieb nach der Lehre erhalten, aktuell sind zwei der sechs Mitarbeiter ehemalige Lehrlinge.

Thomas Moewes (2. von links) nimmt eine Ehrenurkunde von Frank Hohle (ganz links, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostthüringen), Mandy Knorr (Geschäftsführerin Kreishandwerkerschaft Altenburger Land) und Peter Friedrich (Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer Ostthüringen) entgegen. Quelle: Maximilian König

Im Vorstellungsgespräch fragt Moewes die Ausbildungsbewerber nach ihrem Hintergrund, „wo sie herkommen, wie sie aufgewachsen sind“. Beispielsweise könne es von Vorteil sein, wenn in der Kindheit im Elternhaus schon mal handwerklich mit angepackt wurde. In diesen Fällen sehe er auch mal über schlechtere Zeugnisnoten hinweg. Wichtig seien außerdem räumliches Vorstellungsvermögen und „’ne gehörige Portion Kreativität“.

Der erste Lehrling mit Abitur

Neben Klassikern wie Tischen, Stühlen und Schränken gehören zum Firmenportfolio auch der Treppen- und Fensterbau, Fußböden und Badverkleidungen. Längst arbeitet ein Tischler nicht mehr nur mit Holz – Glas, Metall, Mineralwerk- und Kunststoffe müssen ebenso verarbeitet werden können. In der Möbila-Zentrale in der Zeitzer Straße dienen die Küche und das Badezimmer als „Showrooms“, in denen jegliche Möbelstücke aus Moewes Meisterwerkstatt stammen.

Die meisten seiner Lehrlinge sind mit 15 oder 16 Jahren nach der zehnten Klasse abgegangen – einen Abiturienten wie Oliver Grimm hatte der zweifache Vater noch nie. „Man merkt schon, dass er sich in der Berufsschule leicht tut“, sagt der 53-jährige Firmenchef über seinen Schützling.

Mehrere Zukunftsoptionen

Grimm nickt. Ihm gefällt an seiner Arbeit vor allem, dass er jeden Schritt selbst ausführen kann – von der Zeichnung bis zur Montage: „Beim Kunden sieht man dann, ob man richtig gemessen hat.“ Während einer Führung durch die Werkstatt erklärt er die einzelnen Maschinen: Tischfräse, Dickenhobel, Dübelbohrer – überall röhrt es, Späne fliegen auf den Boden, die Luft ist diesig vom Feinstaub. „Bisschen staubt’s immer“, sagt er.

Im Moment arbeitet Grimm an seinem Gesellenstück: eine Garderobe mit Schuhschrank. Die kann er sich nach der Prüfung in seine erste eigene Wohnung stellen. Im Sommer ist er fertig, aufgrund des Abiturs kann er die dreijährige Ausbildung um ein Jahr verkürzen. Danach könnte er sich vorstellen, bei Möbila zu bleiben, vielleicht in zwei, drei Jahren seinen Meister zu machen. Auch über ein erneutes Studium denkt er nach.

Und noch eine Option schwirrt in seinem Kopf herum: die Walz. Mit Stock und Hut auf Wanderschaft gehen, drei Jahre und einen Tag. Zwei Klassenkameraden aus der Berufsschule denken ernsthaft über den traditionellen Brauch nach. Und Grimm, der auch bei den Pfadfindern aktiv ist? Schmunzelt und sagt: „Die Faszination ist da.“

Stichwort: Tischler

Tischler stellen Möbel, Türen und Fenster aus Holz und Holzwerkstoffen her oder führen Innenausbauten durch – meist handelt es sich um Einzelanfertigungen. Dazu erstellen sie Entwürfe, Grundrisspläne, Raumskizzen und fertigen technische Zeichnungen an.

Voraussetzung sind Sorgfalt, Kreativität und Lust auf praktische Arbeit mit Kreissäge, Hobel, Fräse oder Winkelschleifer. Neben handwerklichem Geschick sollten auch räumliches Vorstellungsvermögen, zeichnerische und mathematische Fähigkeiten sowie Interesse für computergesteuerte Maschinen vorhanden sein. Wichtig ist zudem eine gewisse körperliche Fitness, da überwiegend im Stehen gearbeitet wird und gelegentliche Lasten gehoben werden. Gefragt ist zudem ein freundlicher Um- gang mit Kunden, etwa bei der Planung und dem Einbau von Möbeln.

Die Ausbildung dauert drei Jahre und startet meist zum 1. August oder 1. September. Ein Hauptschulabschluss sollte bei potenziellen Bewerbern mindestens vorliegen. Tischlereien stellen überwiegend Ausbildungsanfänger mit mittlerem Bildungsabschluss ein. Lernt man den Beruf im Altenburger Land, besucht man das Staatliche Berufsschulzentrum in Hermsdorf sowie Lehrgänge der Handwerkskammer in Zeulenroda.

Die Mindestvergütung für Azubis – vom Thüringer Arbeitsministerium vorgegeben – beträgt im ersten Lehrjahr 544 Euro, im zweiten 647 Euro sowie im dritten Lehrjahr 827 Euro.

Das Bruttomonatsentgelt von ausgebildeten Tischlern betrug 2017 in Thüringen im Mittel 2027 Euro (bundesweit: 2628 Euro).

Bewerbungen für einen Ausbildungsstart im Sommer nehmen aktuell laut Arbeitsagentur folgende Firmen im Altenburger Land und der näheren Umgebung entgegen: Möbila in Altenburg. Graichen Bau- und Möbelwerkstätten in Frohburg. Tischlerei und Innenausbau Nitsche in Meerane.

Von Maximilian König

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