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Altenburg Vom Kompostklo aufs Beet: Festivalbesucher düngen edlen Safran – mit menschlichen Fäkalien
Region Altenburg Vom Kompostklo aufs Beet: Festivalbesucher düngen edlen Safran – mit menschlichen Fäkalien
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10:20 29.08.2019
Auf den Altenburger Versuchsbeeten wird getestet, wie Safran mit Kompost aus menschlichen Fäkalien klarkommt. Quelle: Jörg Reuter
Altenburg

Sommerzeit ist Festivalzeit und wenn Open-Air-Saison ist, dann haben auch die Anbieter von Miettoiletten Hochkonjunktur. Klassischerweise sind das in der Regel Plastikhäuschen mit chemischer Auffanglösung für die Fäkalien. Neuerdings gibt es aber auch die sogenannten Kompostklos.

Ökotoilette mit Tücken

Von diesen wird gern behauptet, sie wären eine ökonomische und ökologische Alternative zur Chemietoilette. Dass das noch seine Tücken hat, zeigt ein gerade gestarteter Versuch auf den Safrananbauflächen in Altenburg.

Seit 2016 sammeln Andrea Wagner und Frank Spieth in Trägerschaft ihrer Unternehmergesellschaft „W³ – Wandel-Werte-Wege“ Daten rund um den Safrananbau. Ziel der Forschungsarbeit ist es herauszubekommen, ob Safran beispielsweise in Altenburg gedeiht und unter welchen Bedingungen.

Damit soll die Basis geschaffen werden für den gewerbsmäßigen Anbau der Gewürzpflanze, die vor Generationen hier schon einmal gediehen sein soll.

Altenburger sammeln Safran-Erfahrung

„Inzwischen wissen wir, dass die Empfehlung der Fachliteratur, die Knollen trocken zu lassen, falsch ist. Auch Safran wächst besser, wenn er gegossen wird, außerdem mag er besonders die Blattdüngung und er verträgt sich nicht besonders gut mit vielen anderen Pflanzen“, nennt Spieth erste Ergebnisse seiner Arbeit.

Seit mehr als sieben Jahren wird in Altenburg mit Safran experimentiert Quelle: Jörg Reuter

Was sich nach wenig anhören mag, ist wichtige Grundlagenforschung. „Aber die braucht ihre Zeit. Wenn wir zum Beispiel in Erfahrung bringen wollen, wie Safran mit anderen Pflanzen im Beet interagiert und sich entwickelt, reicht es nicht aus, ihn nur eine Saison zu beobachten“, schildert Spieth.

Drei Versuche mit Safran

Aktuell laufen drei Versuche auf 120 Acht-Quadratmeter-Parzellen. Auf einer Anbaufläche werden Herbizide getestet, um ein Unkrautvernichtungsmittel zu finden, das Safran nicht schädigt. Auf einer weiteren Fläche werden Interaktionen mit anderen Gewächsen untersucht, um bestenfalls eine Nutzpflanze zu finden, die in der Vegetationspause des Safrans auf demselben Standort gedeiht.

Das dritte Feld dient zur Beobachtung, wie sich die Krokus-Art unter den hiesigen Boden- und Witterungsverhältnissen vermehrt. „Sehr gut, kann ich schon sagen. Unsere größten Knollen haben einen Durchmesser von 14 Zentimetern, was es eigentlich nur in Italien geben soll“, sagt Spieth.

Leipziger Wissenschaftler starten Fäkalien-Versuch

Zu diesen laufenden Versuchen kommt nun ein weiterer in Kooperation mit den Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig. „Wir möchten testen, ob sich Substrate aus menschlichen Fäkalien für den Safrananbau eignen“, erklärt Mitarbeiter Tobias Hübner. Der Rohstoff des Substrates stamme aus Komposttoiletten, wie sie neuerdings auf Festivals wie etwa dem Highfieldangeboten werden. Diese vermeintlich umweltfreundlichen stillen Örtchen werden ihrem Ruf noch nicht gerecht. Denn die Hinterlassenschaften der Konzertbesucher haben es in sich.

Der Altenburger Frank Spieth bringt zahlreiche Safranknollen in die Erde. Quelle: Jörg Reuter

Das Hauptproblem: „Düngemittel aus menschlichen Fäkalien sind in Deutschland nicht zu gelassen. Es können sich darin infektiöse Krankheitskeime befinden. Ein Risiko, das bei tierischen Fäkalien geringer ist, weil es nur wenige Krankheiten gibt, mit denen sich Mensch und Tier gleichermaßen anstecken können“, erläutert Hübner. Komposttoiletten könnten zudem nicht in Klärwerken entleert werden.

Denn die Öko-Aborte nutzen zum Binden der Fäkalien reichlich Sägespäne, die die Abwasserreinigung beschädigen würden. „Deswegen werden die Fäkalien aus Komposttoiletten verbrannt“, sagt der Leipziger Forscher, der genau das ändern will. Doch um eine Zulassung als Düngemittel zu erreichen, müssen Daten gesammelt werden, die belegen, dass Substrate aus menschlichen Fäkalien sicher sind.

Teurer Dünger in kleinen Mengen

Dafür werden diese zu erst relativ aufwendig behandelt und gereinigt. Das geschieht vor allem mit Hitze, was recht kostenintensiv ist. Deshalb wiederum werden Kunden gesucht, die solch teuren Dünger abnehmen, der zudem in vergleichsweise kleinen Mengen anfällt. Genau hier kommen die Altenburger Versuchsbeete ins Spiel. Bei Safran, der laut Frank Spieth im Jahr pro Quadratmeter um die 60 Euro einbringt, könnte sich der Einsatz der gesammelten Notdurft lohnen.

Auf zwei Versuchsflächen wird das nun erforscht. Auf der einen werden die Safran-Knollen in das Substrat gepflanzt, das zu 50 Prozent aus den gereinigten Kompostklo-Rückständen und 50 Prozent aus Sand mit Ziegelsteinbuch besteht. Daneben ist ein Referenzfeld mit der im Altenburger Land üblichen Lößerde.

„Wir werden die Blüten auf den Beeten zählen, die Ernten wiegen und zudem vergleichen, wie sich die Knollen entwickelt haben“, erläutert Spieth den Fortgang des Versuchs. Außerdem werden die Inhaltsstoffe des Safrans in einem Labor genauer untersucht. Geht die Sache nicht in die Hose, schreibt das ostthüringische Altenburg womöglich bundesweit Festivalgeschichte.

Von Jörg Reuter

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