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Altenburg Wackelt Altenburger Wohnpark Lindenau?
Region Altenburg Wackelt Altenburger Wohnpark Lindenau?
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19:12 16.10.2018
In dem roten umrandeten Gebiet zwischen Kaufland, der Südstraße und Günthers Gärten in Altenburg-Südost will die Städtische Wohnungsgesellschaft vier Wohnhöfe mit etwa 90 Wohnungen errichten. Das Projekt wird seit Jahren kritisiert und wurde immer wieder umgeplant. Quelle: Mario Jahn/Google
Altenburg

Das hätte sich ein Drehbuchautor kaum besser ausdenken können. Kurz nachdem die Teilnehmer der nicht öffentlichen Informationsveranstaltung zum Stand des Wohnparks Lindenau in Altenburg aus dem Rathaus zurückkehrten, begann am Montagabend in der ARD die Dokumentation über den Baulöwen Jürgen Schneider. Zwar handelt es sich im Vergleich mit dem Imperium des Frankfurter Pleitiers bei dem Projekt der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG) mit einem Volumen von weniger als 20 Millionen Euro geradezu um Peanuts. Das größte in der Firmengeschichte ist es aber schon. Und: Einige Stadträte befürchten, dass sich die städtische Tochter damit übernehmen könnte.

Pläne für Wohnpark leicht abgespeckt und in Details geändert

Den Schneider-Vergleich hatte ein Volksvertreter bereits bei einer früheren Diskussion gezogen. Wegen anhaltender Gerüchte um eine wackelige Finanzierung und weil im Zusammenhang mit dem im nächsten Stadtrat am 25. Oktober anstehenden Beschluss des Bebauungsplans weitere kritische Fragen auftauchten, wurde die Runde anberaumt. In dieser stellte eine Architektin des Weimarer Büros Schettler, das Generalplaner des Wohnparks ist, den aktuellen Projektstand vor.

Wie mehrere Teilnehmer der von etwa zwei Dritteln der Stadträte besuchten Veranstaltung übereinstimmend berichteten, traten dabei neue Fakten zu Tage. So soll auf dem 1,6-Hektar-Grundstück zwischen Kaufland, Südstraße und Günthers Gärten mit neun Häusern eines weniger entstehen als bisher geplant. Auch werden diese nur noch drei statt vier Geschosse haben. Zudem wird sich die Lage der vier Höfe, die mit 8000 Quadratmetern die Hälfte der Fläche versiegeln, ändern. Demnach sollen zwei Häuserblocks den Wohnpark von Kaufland schalltechnisch abschirmen, was zur Folge hat, dass diese beide Häuser auf der Rückseite keine Fenster haben. Dort sollen vorrangig Bäder und andere Räume Platz finden, die nicht zwingend Tageslicht brauchen.

Mietpreis steigt auf neun Euro kalt, Teilverkauf dient Finanzierung

Darüber hinaus ist nach OVZ-Informationen der vom inzwischen in Ruhestand befindlichen Ex-SWG-Geschäftsführer Michael Rüger einst als Kampfziel ausgegebene Quadratmeter-Mietpreis von acht auf neun Euro gestiegen. Neben Umplanungen durch diverse gesetzliche Vorgaben wurde das vor allem mit gestiegenen Baupreisen begründet. Auch hatte die SWG bereits vor einiger Zeit bekannt gegeben, dass die Anzahl der Wohnungen von anfangs etwa 130 auf gut 90 reduziert wird. Laut aktuellem Plan sollen auf dem Areal 96 moderne Neubau-Wohnungen entstehen, von denen die SWG 40 selbst behalten will. Die übrigen sollen entweder einzeln oder in Paketen bis hin zu ganzen Häusern verkauft werden.

Durch den Verkauf und indem man die Höfe von Ende 2019 nach und nach bis 2021/22 baut, will man zudem das finanzielle Risiko entschärfen und die Rentabilität erhöhen. Die nach Informationen aus dem Stadtrat einst angestrebte Rendite von drei bis fünf Prozent verfehlt die SWG aber und kommt nach OVZ-Informationen nun auf 2,7 Prozent. Auch soll es bereits positive Signale von Banken zur Finanzierung geben. Damit gelang es der SWG, die von Geschäftsführer Lutz Schneevoigt vertreten wurde, die Kritik wegen des finanziellen Risikos zu entschärfen.

Städtebauliche Bedenken und die Antwort darauf

Bliebe noch das städtebauliche Kontra, dass die SWG durch dieses Projekt und die Puschkinstraße für Jahre als Motor in der Innenstadt ausfiele, was dem Entwicklungskonzept zuwider laufe, und dass es nicht Aufgabe der SWG sei, als Bauherr für Kapitalanleger aufzutreten. Hier soll Schneevoigt klar gemacht haben, dass die Möglichkeiten im Stadtkern aufgrund fehlenden Eigentums begrenzt sind und Rendite kein vorrangiges Ziel ist, aber knapp drei Prozent Rendite gegenüber aktuell Nullzinsen okay sind. Weder dazu noch zu anderen Details wollte sich der SWG-Chef am Dienstag äußern und begründete dies mit dem nicht öffentlichen Charakter der Veranstaltung und dem frühen Planungsstand.

Von Thomas Haegeler

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