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Altenburg Waschbären-Plage im Altenburger Land: Behörden ziemlich machtlos
Region Altenburg Waschbären-Plage im Altenburger Land: Behörden ziemlich machtlos
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07:29 28.02.2019
Diese Waschbär-Dame wurde 2006 im Kammerforst bei Plottendorf erlegt. Die eingeschleppten Tiere werden auch im Altenburger Land zunehmend zur Plage. Quelle: Thomas Haegeler
Altenburg

Er ist klein, possierlich und weckt den Beschützerinstinkt. Doch hinter der drolligen Fassade steckt ein handfester Schädling. Denn der Waschbär gehört nicht zur heimischen Fauna, greift aber massiv in diese ein. „Er ist vor 100 bis 150 Jahren aus Nordamerika von Menschen eingeschleppt worden“, erklärte die Chefin des Fachdienstes Natur- und Umweltschutz im Landratsamt, Birgit Seiler, am Mittwoch vor der Presse. Vor allem in Pelzfarmen und Zirkussen sei der anpassungsfähige Allesfresser beliebt gewesen. „Er kann alles außer fliegen, ist brachial in unsere Natur eingebrochen.“ Die habe sich bis heute nicht auf ihn eingestellt. „Für die Singvogelpopulation ist er ein ganz großes Problem.“

Zahl der toten Waschbären mehr als verdoppelt

Zwar fehlen für das Altenburger Land konkrete Zahlen, wie viele Waschbären hier leben. Allerdings legt das stetige Plus bei erlegten Tieren nahe, dass sich der Nesträuber auch im Kreis rasant vermehrt hat. Verzeichnete die Jagdbehörde von Juni 2014 bis Juni 2015 noch 514 tote Waschbären, stieg die Zahl während der Jagdsaison 2017/18 bereits auf 1242. Davon wurden 1180 Tiere von Jägern erlegt, 56 durch Verkehrsunfälle getötet und weitere sechs leblos aufgefunden.

Dass sich die Zahl der toten Tiere binnen vier Jahren mehr als verdoppelte, hat auch etwas mit der Bekämpfung des Waschbärs zu tun. Grundlage dafür sei die 2015 in Kraft getretene EU-Verordnung zu invasiven gebietsfremden Arten, erklärte Marco Kertscher, der im Fachdienst für Artenschutz zuständig ist. Darin und in den folgenden Artenlisten und Durchführungsbestimmungen werden die Schäden durch den Waschbär als so gravierend eingeschätzt, „dass ein konzertiertes EU-weites Vorgehen nötig“ wird. „Das heißt, es gibt ein Vermarktungs- und Besitzverbot“, so Kertscher.

Fachdienst verleiht Fallen an geplagte Bürger

Deshalb schaffte der Fachdienst zwei Waschbär-Fallen an, die sich Einwohner kostenlos bei der Behörde ausleihen können, um die Tiere zu fangen. Zehnmal sei man damit Anfang des Vorjahres schon erfolgreich gewesen, so Kertscher. Allerdings beginnen hier die Probleme. Denn die Fallen dürfen nur aufgestellt werden, wenn es einen Jäger gibt, der den gefangenen Waschbär auch tötet. Eine Pflicht dafür gibt es nicht. Denn nur fangen würde zu einem Konflikt mit dem Tierschutzgesetz führen, weil längere Gefangenschaft die Tiere stresst. Ausnahmen davon sind laut Kertscher unter strengen Auflagen in seltenen Fällen möglich. Seiler rät auch davon ab, die Tiere selbst zu töten: „Das ist eine Straftat.“

Doch es gibt noch mehr Schwierigkeiten. So lehnen es die Tiermediziner Thüringens laut Seiler ab, gesunde Waschbären zu töten. Auch stieß Kertscher mit dem Vorschlag von Aufwandsentschädigungen für Jäger im Landesverwaltungsamt bisher auf taube Ohren. Zudem gibt es unter Biologen Streit, ob das Töten überhaupt Sinn macht. Während ein Teil davon ausgeht, dass sich der Waschbär umso stärker vermehrt, je mehr Tiere getötet werden, wollen andere den Jagddruck hochhalten, um die Population einzudämmen.

Behördenleiterin sieht „Kampf gegen Windmühlen“

Also bleibt der Behörde nur, die Bewohner des Altenburger Landes zu sensibilisieren und Handlungsempfehlungen zu geben. Die reichen von nicht füttern und auch kein Katzenfutter draußen aufstellen bis hin zu keine Bio-Abfälle kompostieren und Mülltonnen verschließen. Aber selbst das ist keine Garantie. „Der Waschbär hat bei uns keine natürlichen Feinde und keine Konkurrenz“, so Seiler. „Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.“

Von Thomas Haegeler

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