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Altenburg Waschbären als Überträger – Staupevirus breitet sich im Altenburger Land aus
Region Altenburg

Waschbären als Überträger – Staupevirus breitet sich im Altenburger Land aus

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15:24 02.07.2020
Possierliches Kerlchen, aber auch Überträger von Krankheiten wie der Staupe: Der Waschbär breitet sich auch im Altenburger Land immer weiter aus. Auf der Suche nach Nahrung scheuen die Tiere die Nähe von Menschen nicht und plündern auch schon mal Mülltonnen.
Possierliches Kerlchen, aber auch Überträger von Krankheiten wie der Staupe: Der Waschbär breitet sich auch im Altenburger Land immer weiter aus. Auf der Suche nach Nahrung scheuen die Tiere die Nähe von Menschen nicht und plündern auch schon mal Mülltonnen. Quelle: Archiv
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Das Veterinäramt des Altenburger Landes musste in den vergangenen Monaten mehrfach kranke Füchse und Waschbären einschläfern. Wie Untersuchungen ergaben, litten die Tiere an der Staupe, mit der sich auch Hunde infizieren können. Darüber informierte jetzt das Landratsamt.

Für den Menschen wie auch für Katzen ist die Viruskrankheit zwar anders als Tollwut ungefährlich, doch weil Symptome beider Erkrankungen ähnlich sind, ist Vorsicht geboten, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Bestand Kontakt mit verhaltensauffälligen oder toten Tieren oder wurden Menschen verletzt, ist eine diagnostische Abklärung der Erkrankung des betreffenden Tieres sinnvoll. Verendete oder getötete Waschbären, Füchse oder Marder können im Fachdienst Veterinärwesen zur diagnostischen Untersuchung abgegeben werden, informiert das Landratsamt.

Staupefälle bei Wildtieren

„Seit etwa Jahresbeginn haben Bürger immer wieder Sichtung verstörter, verhaltensauffälliger kranker Waschbären gemeldet“, informiert der Amtstierarzt des Altenburger Landes, Matthias Thurau, und bezieht auch Füchse mit ein. Die offensichtlich kranken Tiere haben ihre Scheu vor dem Menschen verloren, irren durch Gärten und Wohngebiete oder sitzen reglos an für sie ungewöhnlichen Orten, beschreibt der Veterinär die Symptome. „Höchstwahrscheinlich sind diese Tiere an Staupe erkrankt“, so Thurau weiter. Diese Tierkrankheit sei weder anzeige- noch meldepflichtig.

Bei Routineuntersuchungen von verendeten und erlegten Waschbären wurde das Staupevirus inzwischen nachgewiesen. Rund ein halbes Dutzend Tiere mussten bis jetzt allein durch Mitarbeiter des Landratsamtes getötet werden. „Das hat es vorher so noch nie gegeben. Wir mussten davor noch keine Waschbären einschläfern“, erklärt Grit Thurau, die wie ihr Mann im Veterinäramt des Altenburger Landes tätig ist und dort für Tierschutz und die Seuchenbekämpfung zuständig ist.

Die Staupe ist eine Virusinfektion, die durch das Canine Staupevirus ausgelöst wird und bei Hunden, Mardern, Bären, Kleinbären wie Waschbären und einigen anderen Tierarten auftreten kann. Für den Menschen ist das Virus aber ungefährlich. Auch Hauskatzen erkranken nicht an Staupe, so Thurau.

Krankheit meist tödlich

Typisch für die Staupe ist, dass sie bei den erkrankten Tieren völlig unterschiedlich verlaufen kann. Je nachdem, welche Organe besonders befallen sind, äußert sich die Erkrankung in Durchfällen, mit Erbrechen, Husten, mit Atemnotstand und Nasenausfluss. Sobald sich im Verlauf Symptome wie Sehstörungen, Bewegungsstörungen, Lähmungen, Muskelzittern, epileptiforme Anfälle und ähnliches dazu gesellen, verläuft die Krankheit meist tödlich.

Kaum Überlebenschancen haben in der Regel Waschbären, Nerze und Marder. „Eine tierärztliche Behandlung der erkrankten Tiere ist nur symptomatisch möglich“ so Thurau. Um einer Staupeerkrankung bei Hunden vorzubeugen, sei eine Impfung unbedingt zu empfehlen. Hierzu sind eine Grundimmunisierung und regelmäßige Nachimpfungen durch den Haustierarzt notwendig.

Waschbären nichts bieten

Streunt ein Waschbär durch den Garten, kann gegebenenfalls bei der unteren Naturschutzbehörde eine von zwei Lebendfallen geliehen werden. Längst haben Waschbären auch Städte und Dörfer im Landkreis für sich entdeckt. Doch so possierlich die Tiere auch erscheinen mögen, sie zählen zu den invasiven Arten. Als invasiv werden Arten bezeichnet, die ihr natürliches Vorkommen nicht in Deutschland haben. Das Einbürgern solcher Tiere oder Pflanzen wird als eine der größten Gefährdungen für die einheimische Flora und Fauna angesehen.

Deshalb sollte den Waschbären eine Ansiedlung möglichst ungemütlich gestaltet werden. Hilfreich dabei ist es laut Landratsamt, Essensreste in fest verschlossenen Mülltonnen – am besten mit Spanngurten gesichert – zu entsorgen und Gelbe Säcke erst kurz vor Abholung herauszustellen. Außerdem sollten Katzenfutter und andere Tiernahrung nicht auf der Terrasse stehen. Sinnvoll ist es zudem, Katzen- beziehungsweise Hundeklappen zu verschließen. Auf Fassadenbegrünung und Rankpflanzen an Häuserwänden sollte verzichtet werden und Regenrinnen oder Fallrohre mit Blechmanschetten ausgestattet sein, damit die Tiere nicht in die Wohnhäuser einsteigen können. Auf dem Grundstück sollten sie auch keine Verstecke finden.

Von ovz