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Altenburg Windpark nervt Anwohner und verschandelt Landschaftskunstwerk des Kreises
Region Altenburg Windpark nervt Anwohner und verschandelt Landschaftskunstwerk des Kreises
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05:48 29.08.2019
Jacqueline Schneider und André Helbig setzen sich gemeinsam mit den meisten Einwohner von Beerwalde gegen den Bau von vier weiteren geplanten Windrädern ein. Quelle: Jens Rosenkranz
Beerwalde

Wenn Wanderer und Radfahrer nach Beerwalde kommen, spüren sie die Idylle, die die liebliche Landschaft verbreitet. Nur eines stört. Schnell merkt der Naturfreund, dass es kaum ein Grundstück gibt, an dem kein Protestplakat angebracht ist, das sich gegen den Bau von Windrädern in der Gegend richtet. „Schluss mit der Geldverschwendung durch den Windradwahn“, heißt es da. Oder auch „40 Jahre Wismut waren genug“.

Windenergie-Riesen stehen genau an der Kreisgrenze

Und richtig. Schnell türmen sich vor dem Betrachter zwei Strom-Riesen auf. Nur stehen die beiden Anlagen bei Beerwalde nicht auf der eigenen Gemarkung, sondern auf der des benachbarten Großenstein, unmittelbar an der Grenze zu Beerwalde, die in diesem Fall auch die Kreisgrenze zu Greiz bildet. Zu den beiden bestehenden Anlagen sollen vier weitere hinzukommen, zwei davon mit einer Nabenhöhe von über 200 Metern. Von Großenstein stehen sie so weit wie möglich weg – dafür ganz nah an Beerwalde.

„Die Leute sind stinksauer“

Seit sich die ersten beiden Räder drehen, gibt es im Dorf eine Bürgerinitiative. Zur ihr gehören Jacqueline Schneider und André Helbig, die sich sicher sind, dass es in Beerwalde nicht einen Einwohner gibt, der irgendetwas für die Anlagen übrig hat. „Sie sind laut, sie pfeifen, ich hätte nie gedacht, dass unsere Lebensqualität einmal so leidet“, redet Jacqueline Schneider Klartext. „Die Leute sind stinkesauer“, legt André Helbig nach. Was alle ebenso aufregt ist, dass die Bürger nichts gegen die Anlagen tun konnten und auch erst viel zu spät davon erfuhren – eben weil sie in einem anderen Landkreis stehen.

Offener Brief an das Landratsamt Greiz

Auch deswegen haben sich die Einwohner im Mai in einem offenen Brief an das Landratsamt Greiz gewandt. Dort ist von ihrem Entsetzen die Rede, angesichts vier weiterer geplanter Anlagen unmittelbar an der Ortsgrenze. Sie stellen die Frage, „wie viel wir als Menschen in dieser ehemals vom Uranabbau gebeutelten Region wert sind und noch aushalten müssen.“ Viele Einwohner klagen über die Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität durch Geräusche und Blinklichter.

Und viele machen sich Gedanken über den Wertverlust ihrer Grundstücke, heißt es im Schreiben. In letzter Zeit hätten sich gerade junge Leute bewusst für Beerwalde entschieden und Grundstücke gekauft. Dieser erfreuliche Trend gegen die Überalterung würde nun gestoppt. Die Bereicherung einzelner und die Profitgier zähle offenbar mehr als das Wohl und die Gesundheit der Mehrheit der Bevölkerung. Eine Antwort vom Landratsamt Greiz haben die Beerwalder noch nicht.

Räder stehen unmittelbar am Landschaftskunstwerk

Im Fall der Großensteiner Windräder gibt es noch einen anderen Aspekt. Sie stehen nur rund 200 Meter vom größten Landschaftskunstwerk des Altenburger Landes entfernt – der begrünten Wismut-Halde Beerwalde, die seit 2006 den Namen „Resurrektion Aurora“ trägt und offizielles Begleitprojekt der Bundesgartenschau 2007 war. Auf der rund 400 Meter langen, 260 Meter breiten und 45 Meter hohen Abraumhalde waren 8800 Sträucher und kleine Bäumchen gepflanzt worden. Entstanden seien ein gepflanzter Regenbogen und elf gusseisernen Kegel auf der Halde, „deren philosophische Inschriften die Achtung der Natur als Botschaft haben“, wirbt das Landratsamt seither auf seiner Internetseite für das beliebte Ausflugsziel. Auf dem Plateau des Hügels „wird Natur ohne menschliche Eingriffe ganz sich selbst überlassen – als ,respektiertes Areal‘“, heißt es.

Steuerzahler legte rund 300 000 Euro hin

Der Steuerzahler hatte für die Halde Beerwalde rund 300 000 Euro hingeblättert.

Das Landschaftsbauwerk sei für die gebeutelte Wismut-Region sogar als Naherholungsgebiet weit über die Landesgrenzen hinaus beworben worden. Diesen Effekt sehen nun nicht nur allein die Beerwalder gefährdet, sondern auch Löbichaus Bürgermeister Rolf Hermann (FDP). Der Windradbau führe alle Anstrengungen des Landkreises und der Gemeinde ad absurdum, das einstige Wismutgebiet zu einem echten Naherholungsgebiet zu entwickeln, das auch für Touristen interessant sei, erklärte er.

Auch wegen Resurrektion Aurora gelang es dem Landratsamt, dass die Gemarkung Beerwalde als Vorranggebiet für Windenergie-Anlagen im Regionalplan verhindert werden und damit Anträge abgelehnt werden konnten. Das benachbarte Großenstein gleich hinter der Kreisgrenze störte sich daran nicht, und auch nicht der Landkreis Greiz.

Von Jens Rosenkranz

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