Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Zirkus Aeros darf mit Zebras nach Altenburg kommen
Region Altenburg Zirkus Aeros darf mit Zebras nach Altenburg kommen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 04.07.2017
Das Zebra-Duo kommt trotz Wildtierverbots nach Altenburg, darf beim Gastspiel des Zirkus Aeros auf dem Festplatz nächste Woche aber nicht auftreten.
Das Zebra-Duo kommt trotz Wildtierverbots nach Altenburg, darf beim Gastspiel des Zirkus Aeros auf dem Festplatz nächste Woche aber nicht auftreten. Quelle: Zirkus Aeros
Anzeige
Altenburg

Zirkus Aeros kommt nach Altenburg. Doch fast wäre aus dem Gastspiel der Artisten vom 5. bis 9. Juli auf dem großen Festplatz nichts geworden. Denn der Traditionsbetrieb zählt Zebras zu seinem Tierbestand und wirbt damit, weil sie Bestandteil der Show sind. Allerdings gehören diese laut Festplatzbenutzungssatzung zu den Wildtieren, die seit 1. Januar auf beiden Festplätzen weder auftreten, noch anwesend sein dürfen.

Das ist auch der Grund, warum die Stadt den Antrag des Zirkus’ zunächst abgelehnt hatte. Wie der Chef des Altenburger Ordnungsamts, Lutz Meyner, am Freitag bestätigte, gab es danach mehrere Gespräche mit Verantwortlichen, um das Problem zu lösen. „Im letzten Gespräch vor vier Wochen habe man versichert, dass keine Wildtiere dabei sein werden“, erklärte Meyner. Das bestätigte Zirkusdirektor Bernhard Schmidt. Daraufhin erhielt Aeros am 27. Juni die Erlaubnis für das Altenburg-Gastspiel Anfang Juli.

„Ich bin stutzig geworden, als ich die Plakate gesehen habe“, so Meyner. Daraufhin fragte er nach und erhielt die Antwort, dass diese älter seien und aus Kostengründen weiter benutzt werden. Am Freitag dann die Kehrtwende. Da erfuhren Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD), der sich eingeschaltet hatte, und Meyner, dass doch zwei Zebras mitkommen. „Der Zirkus hat für die Tiere keine Unterstellmöglichkeit und hat das selbstständig beim Amtstierarzt angemeldet“, so der Ordnungsamtschef und Wolf ergänzte: „Die Tiere dürfen weder in der Tierschau, noch in der Vorstellung auftreten, müssen aber versorgt werden.“

Allerdings heißt es in der Satzung, dass jegliche Nutzung der Festplätze untersagt ist, „welche das Mitführen oder den Auftritt von Wildtieren zum Gegenstand“ hat. Daher macht man laut Wolf eine Ausnahme, will die Sache aber gleich am Montag, wenn Aeros aus dem sächsischen Oschatz anreist, überprüfen und sich künftig auch „Werbemuster vorlegen lassen“, so Meyner.

Dennoch sieht der Altenburger CDU-Chef André Neumann das Vorgehen als äußerst problematisch an. „Es ist befremdlich. Egal wie man inhaltlich zum Wildtierverbot steht, ist die Ausnahme ein Verstoß gegen eine bestehende Satzung“, sagte Neumann, der sich mit der CDU-Fraktion seinerzeit für das Verbot stark gemacht hatte. „Uns ging es dabei nicht nur um die Auftritte, sondern vor allem um Transport und Lebensbedingungen der Tiere.“ Deswegen habe man das „Mitführen“ mit reingenommen. Er kündigte an, dass man nachhaken werde, wie das Verbot künftig gehandhabt werde. „Auch in der Rechtsabteilung.“

Aeros versichert aber, dass man „die Anforderungen der Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben“ übererfülle. „Alle Pferde bewohnen großzügige Pferdeboxen, die sogar größer sind als nach der DIN-Norm vorgeschrieben“, heißt es. „Alle Tiere leben innerhalb und außerhalb ihrer Stallungen in großzügigen Freilaufgehegen.“ Neben Zebras und Pferden gehören auch Watussi-Rinder, Kamele und Lamas zur „Aeros-Familie“.

Die Gefahr, dass das Altenburger Wildtierverbot kippt, wie viele andere nach einer Gerichtsentscheidung im Frühjahr auch, sieht Stadtrechtsdirektor Johannes Graffé nicht. Im Gegensatz zu anderen Städten habe man nur die entsprechende Satzung geändert und kein generelles Verbot erlassen. „Eine Aufhebung der Rechtsnorm ist nur durch Stadtratsbeschluss oder durch Urteil des Thüringer Oberverwaltungsgerichts möglich“, so der Jurist. „Oder ein Betroffener klagt gegen einen Ablehnungsbescheid und zieht durch alle Instanzen.“

Das Thema ist in Altenburg umstritten. Davon zeugt nicht zuletzt die kontroverse und emotional geführte Debatte im Stadtrat. Nachdem der CDU-Antrag im Herbst 2015 noch knapp durchgefallen war, ging er Ende Mai vergangenen Jahres durch.

Von Thomas Haegeler