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Altenburg Zirkus Afrika hat im Starkenberger Ortsteil Kostitz sein Winterquartier aufgeschlagen
Region Altenburg Zirkus Afrika hat im Starkenberger Ortsteil Kostitz sein Winterquartier aufgeschlagen
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17:23 11.03.2018
An ihren kleinen Ohren ist die 50-Jährige indische Elefantenkuh Gandi leicht zu erkennen. Mit ihr ist Hardy Weisheit aufgewachsen.
An ihren kleinen Ohren ist die 50-Jährige indische Elefantenkuh Gandi leicht zu erkennen. Mit ihr ist Hardy Weisheit aufgewachsen. Quelle: Jörg Reuter
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Starkenberg

Ganz gemütlich schieben sich Tonga, Gandi und Moya durch das Strauchwerk auf einem alten Betriebsgelände im Starkenberger Ortsteil Kostitz. Hier und da, wo die gewichtigen Damen vorbeigekommen sind, fehlen Äste, denn die drei Elefantenkühe, die seit Kurzem in Starkenberg für Gesprächsstoff sorgen, lieben frische Baumtriebe. „Am allerliebsten Birke“, sagt Hardy Weisheit, dem die Tiere gehören. Weisheit ist der Direktor des Zirkus Afrika, der in Kostitz bis März Winterpause macht.

„Und nächstes Jahr kommen wir wieder. Starkenberg hat nun einen eigenen Zirkus“, erklärt Hardy Weisheit. Dem Dompteur ist dabei die Freude anzumerken. Denn bald zehn Jahre habe er nach einem dauerhaften Winterquartier für das Team und die Tiere des Zirkus Afrika gesucht. Im Starkenberger Ortsteil Kostitz wurde das Familienunternehmen fündig. Und die fast 30 000 Quadratmeter, die Weisheit samt der darauf befindlichen Gebäude für die nächsten Jahre gepachtet hat, seien für die 28 Zirkus-Tiere perfekt. Die säulenlosen großen Hallen böten den Tieren reichlich Platz, um sich frei zu bewegen, schwärmt er. Dazu täten die Ruhe des Ortsrandes und die netten Nachbarn allen Zirkusreisenden nach den Monaten auf Achse gut. „Und für die Elefanten gibt es zig verwilderte Ecken, wo sie viel leckeres Gestrüpp finden.“

Leicht zu verstehen also, dass den Zirkusleuten am Herzen liegt, mit Anwohnern und Behörden im Reinen zu sein. Probleme, so erzählt Hardy Weisheit, gebe es ohnehin genug. Er denkt da an eine Vielzahl von Auseinandersetzungen mit Tierschützern, denen Wildtiere im Zirkus ein Dorn im Auge sind. Berufsbedingt empfindet Weisheit dafür wenig Begeisterung. „Fakt ist doch: Seitdem der Handel mit Elefanten verboten ist, haben Zirkusse keine Chance mehr auf neue Tiere. Das heißt, alle Zirkuselefanten, die es noch gibt, sind die letzten ihrer Art. Elefantenschützer müssen also nur noch abwarten, denn ihr Problem löst sich früher oder später von selbst“, seufzt Weisheit.

Ganz davon abgesehen, dass er sich nie von den Tieren trennen würde, wüsste er auch gar nicht wohin mit seinen Elefanten, plaudert er im gemütlichen Wohnwagen. In die Wildnis entlassen sei natürlich nicht möglich. „Und Zoos wollen auch keine alten Kühe, mit denen nicht mehr gezüchtet werden kann.“ Klar, bestätigt Weisheit, die Elefanten seien die größte Attraktion seines Zirkus’. Doch für ihn sind die drei Dickhäuter vor allem Familienmitglieder. „Gandi ist für mich wie eine Schwester. Mit ihr bin ich aufgewachsen. Als ich zur Welt kam, hat sie mein Vater als Jungtier erworben.“

Angst müsse in Starkenberg niemand haben, versichert Weisheit. „Unfälle, wie etwa in Zoos, gibt es in der Regel nur mit Bullen. Die sind in der Brunft tatsächlich nicht beherrschbar.“ Seine Kühe seien derweil unproblematisch und stünden sicher hinter Elektrozäunen. „Elefanten sind keine Raubtiere, die jagen“, nimmt Weisheit Bezug auf Behauptungen – wie etwa via Facebook – die Tiere würden ausbüxen. Das sei üble Nachrede oder basiere auf Missverständnissen, die zustande kommen, wenn er mit den Dickhäutern spazieren geht. Was er im Übrigen täglich tue. Natürlich sind rund fünf Tonnen schwere Elefanten auch keine Kuscheltiere, betont Weisheit. Fremde sollten respektvollen Abstand halten. „Aber selbst wenn die ausbrechen würden, was nicht passieren wird, was glauben Sie, was die Tiere dann tun? Elefanten rennen nicht einfach los. Das einzige, was sie tun würden, wäre sich am nächsten Baum den Hintern zu reiben und Äste zu fressen.“

Apropos fressen: Alle seine Tiere – nicht nur die Elefanten, auch die Kamele, Pferde und so weiter, haben gewaltigen Appetit. Eine der Hunderte Kilo schweren Heurollen vertilgen sie täglich, dazu Obst, Gemüse und Äste. „Wir sind ständig auf der Suche nach günstigem Futter. Wer etwas abzugeben hat, kann sich gern bei mir melden. Das Gleiche gilt bei Engagements. Über den Winter sind wir stets auf der Suche nach Auftrittsmöglichkeiten – in Kindergärten, Seniorenheimen oder bei Veranstaltungen.“

Kontakt Hardy Weisheit Tel: 01785537356

Von Jörg Reuter