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Altenburg Zollvergehen und Steuernachzahlung: Ex-Besitzer kündigt Erklärung an
Region Altenburg Zollvergehen und Steuernachzahlung: Ex-Besitzer kündigt Erklärung an
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19:06 03.05.2019
Alles Klarer? Nach dem Insolvenzantrag der Destillerie- & Liqueurfabrik will sich Ex-Eigentümer Dietrich Hueck (2.v.r.) gegen Vorwürfe seines Nachfolgers Michael Schenk (r.) wehren. Bei der Geschäftsübergabe war Hueck von Ministerpräsident Bodo Ramelow und Ex- Landrätin Michaele Sojka in den höchsten Tönen gelobt worden. Quelle: Mario Jahn (Montage)
Altenburg

Bei der in Turbulenzen geratenen Altenburger Destillerie- & Liqueurfabrik tauchen nun nach und nach die Gründe für die entstandenen finanziellen Probleme auf. Nach einem Antrag des Unternehmens hatte das Amtsgericht Gera am 15. April einen vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt (OVZ berichtete).

Anlass dafür waren anhaltende Schwierigkeiten, die unter anderem aus dem Kauf vom Vorbesitzer im Frühjahr 2016 herrühren, sagte der jetzige Eigentümer, Michael Schenk, der OVZ. Andere Medien hatten sogar von erheblichen Fehlern seines Vorgängers berichtet und sich dabei auf Äußerungen von Schenk berufen, ohne ihn jedoch zu zitieren.

Steuerrückzahlungen nötig

Diese Berichte wollte der Geschäftsführer nicht kommentieren. Der OVZ sagte er, dass ein wesentlicher Grund der finanziellen Probleme von Steuerrückzahlungen aus den Jahren zwischen 2011 bis 2014 herrühren, also aus Zeiten des damaligen Besitzers Dietrich Hueck. „Diese Nachforderungen haben sich bei Steuerprüfungen in den Jahren 2016/17 ergeben.“ Genaue Zahlen wollte Schenk nicht nennen, er sprach lediglich von „mehreren 100 000 Euro. Diese Forderungen seien mittlerweile beglichen, hätten das Unternehmen allerdings massiv belastet.

Probleme mit Zolllager

Erschwerend hinzu kam, dass der ehemalige Zollbeauftragte des Unternehmens vergessen habe, zwei externe Zolllager zu verlängern, sagte Schenk. Auch deshalb mussten Steuern in erheblichem Maße nachgezahlt werden. In einem Zolllager befindet sich im Falle der Likörfabrik Alkohol, dessen gleichnamige Steuer erst dann entrichtet wird, wenn die entsprechenden Produkte verarbeitet und verkauft wurden. Der Lagerhalter muss Aufzeichnungen führen, in denen alle Warenbewegungen exakt dokumentiert werden.

Das dritte ernste Problem ergab sich aus einem zweieinhalbwöchigen Produktionsausfall Ende 2018 wegen technischer Schwierigkeiten. Zwar konnte die Herstellung im Januar und Februar 2019 nachgeholt werden, dennoch waren erhebliche finanzielle Nachteile zu beklagen, sagte Schenk.

2018 war sehr erfolgreiches Jahr

Aufgefangen werden konnten die Probleme durch ein äußerst erfolgreiches Jahr 2018, mit guten Gewinnen. Auch im Moment laufe das Unternehmen prächtig, pro Tag verließen 15 bis 17 Laster den Betrieb. Dennoch musste der Insolvenzantrag gestellt werden, in dessen Folge Insolvenzverwalter Kai Dellit unter anderem die Zollprobleme bereinigt habe.

Schenk informierte auf Nachfrage außerdem darüber, dass die Zweigniederlassung des Unternehmens in Polen abgestoßen werden solle. Firmenangaben zufolge verfügt der Produktionsstandort über eine Fläche von über 85 000 Quadratmeter. Der Verkauf sei ohnehin vorgesehen gewesen und habe nichts mit dem Insolvenzverfahren zu tun, betonte der Geschäftsführer. Die Altenburger Kapazitäten reichten völlig aus.

Firma muss saniert werden

Über das Insolvenzverfahren hatte die dazu beauftragte Kanzlei Hermann Wienberg Wilhelm am 16. April eine Pressemeldung herausgegeben, in der zu lesen war, dass die Restrukturierung des Unternehmens unter dem Schutz eines Insolvenzverwalter abgeschlossen und saniert werden soll. Was darunter konkret zu verstehen ist, bleibt allerdings ziemlich unklar. Ebenso, warum ein Betrieb saniert und restrukturiert werden muss, der 2018 äußerst erfolgreich agierte.

Kai Dellit und sein Team arbeiten sich derzeit in die Materie ein, um sodann passgenau eine Sanierungslösung zu erarbeiten. Die Analyse ist noch nicht abgeschlossen“, teilte eine Sprecherin von Dellits Kanzlei auf eine entsprechende OVZ-Anfrage mit. „Das vom Unternehmen ausgewiesene Ergebnis aus dem Jahr 2018 konnte Kai Dellit noch nicht überprüfen“, hieß es. Die vorläufige Insolvenzverwaltung solle voraussichtlich zum 1. Juli in ein ordentliches Verfahren übergehen.

Hueck: „Vorwürfe gegen meine Person“

Unterdessen will sich nun der ehemaliger Besitzer der Destillerie- & Liqueurfabrik zu Wort melden. Das kündigte Dietrich Hueck in einem Telefonat mit der OVZ an. Hueck hatte sein Unternehmen 2016 an Schenk verkauft, nachdem er es 20 Jahre zuvor erworben und selbst vor der Insolvenz gerettet hatte. Sein Anwalt bereite derzeit eine Stellungnahme vor, sagte Hueck, ohne jedoch auf Inhalte einzugehen. Anlass dafür seien die Vorwürfe, „die Schenk gegen meine Person gerichtet hat“, sagte er. Was damit konkret gemeint ist, sagte der Ex-Eigentümer nicht.

Ramelow kam zu Übergabe

Die Übergabe von Hueck an Schenk war im April 2016 mit großem Bahnhof gefeiert worden. Sogar Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) war gekommen und sagte, dass der Freistaat Hueck zu großem Dank verpflichtet sei. Ex-Landrätin Michaele Sojka (Linke) zeichnete den damals 70-Jährigen für seine unternehmerischen Leistungen mit der Medaille „Dank und Anerkennung des Landkreises“ aus.

Von Jens Rosenkranz

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