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Altenburg Zum Theaterprojekt „Cohn Bucky Levy“ gibt es jetzt einen Film
Region Altenburg Zum Theaterprojekt „Cohn Bucky Levy“ gibt es jetzt einen Film
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10:00 04.11.2017
Die Kamera immer griffbereit – Mike Langer in seinem Altenburger Studio. Auf dem Bildschirm ist eine Szene aus dem von ihm gedrehten Film zu sehen.
Die Kamera immer griffbereit – Mike Langer in seinem Altenburger Studio. Auf dem Bildschirm ist eine Szene aus dem von ihm gedrehten Film zu sehen. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Viele Zuschauer werden sich noch an das außergewöhnliche internationale Theaterprojekt erinnern, das im Mai und Juni dieses Jahres auf dem Altenburger Markt und im Paul-Gustavus-Haus für Furore sorgte und im September auch am Jaffa-Theater in Tel-Aviv sehr erfolgreich aufgeführt wurde: „Cohn Bucky Levy – der Verlust“. Jetzt gibt es dazu auch einen Film, der vor wenigen Tagen seine Altenburger Premiere erlebte. Filmemacher Mike Langer, vielen Skatstädtern als Chef von TV Altenburg bekannt, präsentierte ihn im Paul-Gustavus-Haus vor einem nicht minder zahlreichen und interessierten Publikum.

Der 65-Minuten-Streifen lässt noch einmal das gewaltige Projekt Revue passieren, das bekanntlich nicht nur aus dem Theaterstück bestand. Begonnen hatte es bereits 2015 mit der Buchreihe „Verblasste Spuren“, in der der Altenburger Heimatforscher Christian Repkewitz die Geschichten ehemaliger jüdischer Familien aufarbeitete und damit quasi die Grundlage für das Theaterstück legte. Dieses wurde in enger Zusammenarbeit mit Christian Repkewitz vom damaligen Schauspieldirektor des Altenburg-Geraer Theaters, Bernhard Stengele, gemeinsam mit seiner Crew entwickelt, die dabei auf viele Unterstützer und Kooperationspartner zählen konnten.

Der Film beginnt mit Informationen zum Altenburger Leben der jüdischen Familien Cohn, Bucky und Levy. Danach folgen Szenen von Workshops der beteiligten Schauspieler am Jaffa Theater in Tel Aviv. Neben deutschen Schauspielern spielen jüdische, arabische sowie eine türkische Schauspielerin und ein Rumäne mit.

Besonders zu Herzen gehend aber sind die Sequenzen über die Nachfahren der betroffenen Familien, die eigens zur Premiere aus Kanada, den USA und Südafrika angereist waren und sich in vielen Fällen erst in Altenburg persönlich kennenlernten. Die einen waren überwältigt, wie wirklichkeitstreu doch im Schauspiel ihre Angehörigen getroffen wurden, wieder andere erfuhren erst durch das Theaterstück, wie ihr Vater oder ihre Mutter hier gelebt haben, da diese über ihre Altenburger Zeit mit ihren Kindern nie sprachen. Zu schwer wogen die Erinnerungen. All dies fängt Langer sehr sensibel in seinem Film ein, indem er den wechselvollen Zyklus von Vertreibung, Verlust und Wiedervereinigung in Vergangenheit und Gegenwart zeigt.

Der Film dokumentiert auch die aktuellen Konflikte, die zwischen Israelis und Palästinensern heute noch bestehen. Es sind wieder Episoden, die von Vertreibung und Umherirren erzählen. Und hier gibt es sehr persönliche Befindlichkeiten aller Gast-Schauspieler. Und die deutschen Kollegen stehen hilflos daneben.

Außerdem erleben die Zuschauer den Probenprozess für das Stück in Altenburg, der von vielen Informationsveranstaltungen für alle am Projekt Beteiligten begleitet wurde. So besuchten die Akteure unter anderem die KZ-Gedenkstätte Buchenwald und tauschten sich sehr intensiv auch über ihre eigenen Familiengeschichten aus.

Natürlich dürfen auch Szenen aus der Theaterproduktion nicht fehlen. Der Film lässt den Zuschauer wieder eintauchen in die Handlung, zeigt jedoch auch, wie klug und strategisch Stengele nicht nur das Stück, sondern auch die Zuschauer, ja sogar die Schauspieler auf selbiges vorbereitete. In der Schlussszene treten die beteiligten Schauspieler aus ihrer Rolle heraus und berichten über ihre eigene wechselvolle und mit Konflikten behaftete Familiengeschichte.

In der Schlussszene lässt Mike Langer die Familienangehörigen zu Wort kommen. Diese Worte sind geprägt von Dankbarkeit über das Dargebotene und von Vergebung. Ergreifend.

Der Autor arbeitet nun an der internationalen Fassung dieses Films – unter anderem mit wird er mit englischen Untertiteln versehen –, um ihn bei verschiedenen nationalen und internationalen Dokumentarfilmfestivals einzureichen.

Aufgrund der großen Nachfrage ist im Paul-Gustavus-Haus ein weiteres Film-Gespräch geplant. Der Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.

Von Ilona Jurk