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Altenburg Zweckverband will Brunnendörfern schneller mit Leitung helfen
Region Altenburg Zweckverband will Brunnendörfern schneller mit Leitung helfen
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11:14 31.01.2019
ZAL-Werkleiter Lars Merten, Landtagsabgeordnete Simone Schulze, ZAL-Chef Marcel Greunke und Bürgermeister Frank Eichhorn (v.l.) beim Treffen in Lossen. Quelle: Jens Rosenkranz
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Der Wasser- und Abwasserzweckverband Altenburger Land (ZAL) will den Anschluss von Brunnendörfern an eine zentrale Wasserleitung beschleunigen. Das kündigte ZAL-Vorsitzender Marcel Greunke (CDU) am Dienstag in Lossen an. Anlass seines Besuches war die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Schmöllner Landtagsabgeordneten Simone Schulze (CDU), wonach das Altenburger Land die größte Dichte und Anzahl an Brunnendörfern in Thüringen hat (OVZ berichtete). Der Landesregierung sind aktuell 18 solcher Orte im Landkreis bekannt.

Wasser mit Coli-Bakterien verseucht

Eines davon ist Lossen, wo die Mehrzahl der Brunnen außerdem mit Coli-Bakterien verunreinigt sind und die im vergangenen trockenen Sommer außerdem kaum noch Wasser hatten. Darüber klagte zum Beispiel die Familie Kuczawa, die sich in ihrer Verzweiflung an die OVZ gewandt und damit auch Anlass für Greunkes Besuch in Lossen gegeben hatte. Der dort ebenso anwesende ZAL-Werkleiter Lars Merten kündigte an, dass der Verband eine Bedarfsanfrage in den einzelnen Dörfern und danach eine Kostenschätzung erstellt. Eine folgende Prioritätenliste soll ergeben, welche Brunnendörfer zuerst an die Reihe kommen. Dieser Fahrplan solle im April fertig sein.

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Neue Leitung für ein Dorf pro Jahr

Im Moment sehen die Verbandspläne vor, dass nur ein einziges Dorf pro Jahr eine Wasserleitung bekomme. 2019 sei dies der Niederhainer Ortsteil Boderitz. Dieser Zeitplan wird nicht haltbar ein, denn dann würde das letzte Brunnendorf erst in 18 Jahren abgelöst sein. „Die Dringlichkeit haben wir verstanden“, sagte Greunke auch angesichts des verschmutzten Brunnenwassers. Denn einige Lossener hatten zum Treffen geschildert, dass wegen des Gülleeintrags und der Unkraut-Gifte durch die Landwirtschaft das Trinkwasser zusätzlich belastet sei, auch weil manche Brunnen nur 50 Meter vom Feldrand stünden. Ein Hausbesitzer habe seinen Brunnen deshalb bereits stillgelegt und nutze nur noch Wasser aus der Regenwasserzisterne.

Mehr Fördergeld nötig

Trotz der Dringlichkeit „dürfen wir die Orte nicht gegeneinander ausspielen“, mahnte Greunke. Um schneller Leitungen zu legen, bräuchte man Fördermittel und damit die Hilfe der Landesregierung. Denn seit 2010 würden Zuschüsse für Trinkwasser nicht mehr ausgereicht. Der ZAL sei bei einer Beschleunigung des Leitungsbaus finanziell überfordert. Maximal ein zusätzliches Dorf pro Jahr könne ohne Förderung angeschlossen werden, sagte Greunke.

Bleibt es dabei, müssten sich einige Orte noch lange gedulden. Und dort müssen sich die Hausbesitzer selbst um ordentliches Trinkwasser kümmern. Das machte der Werkleiter unmissverständlich klar. Der ZAL sei nicht verpflichtet, Orte mit Trinkwasser zu versorgen, die keine Leitung haben, sagte Merten der OVZ. Wer einen Brunnen habe, müsse diesen selbst in Ordnung halten oder einen neuen herstellen, betonte er.

Bürger warten auf Prioritätenliste

Deshalb kommt der Prioritätenliste des Verbandes nun eine besondere Bedeutung zu. Niemand werde einen Brunnen bauen, wenn der Ort bald angeschlossen wird, hieß es am Dienstag.

Wegen des Brunnen-Problems kam am Dienstag auch Simone Schulze nach Lossen. Die Landtagsabgeordnete kündigte an, sich an Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) wegen der Förderung zu wenden, rief aber auch die Bürger dazu auf, ihre Sorgen in Schreiben bei der Ministerin vorzubringen. Schulze zeigte sich überrascht, wie viele Brunnendörfer es noch gebe und wie lax dies die Landesregierung sehe. Deren Einstellung, dass dies die Bürger dort selbst so wollten, entspreche nicht den Realitäten, sagte Schulze.

Von Jens Rosenkranz