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Altenburg Mieter in der Eschenstraße kämpfen gemeinsam gegen Schimmel
Region Altenburg Mieter in der Eschenstraße kämpfen gemeinsam gegen Schimmel
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05:46 29.01.2019
Schimmel an Wänden und Zimmerdecken macht insbesondere in den Mietern in den Dachgeschoss-Wohnungen zu schaffen. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Die Dachgeschosswohnung in der Eschenstraße 38, in der eine Familie mit vier kleinen Kindern lebt, macht fassungslos: Dunkler Schimmel breitet sich an den weißen Wänden der tadellos aufgeräumten Räume aus, dicht und schwarz wandert er die Kanten und Fensterrahmen entlang. Wohnzimmer, Küche, Kinderzimmer und Bad – der Schimmelpilz hat erschreckende Ausmaße angenommen. In anderen Wohnungen auf dieser Etage sieht es nach OVZ-Informationen ähnlich aus.

Überraschend passierte das allerdings nicht. Das Gebäude in Altenburg-Südost ist schon seit Längerem in einem desolaten Zustand. Unter anderem hat das Sturmtief Friederike vor über einem Jahr hier gewütet und schlimme Schäden hinterlassen. „Das Dach war damals vollständig abgedeckt“, erzählt Jürgen Grünwedel, der im Erdgeschoss der Eschenstraße 38 wohnt – und zeigt durch die Balkontür. „Das lag alles hier im Hof, sogar die Schornsteine sind runtergekommen.“ Geflickt worden sei damals nur notdürftig. Seitdem dringe die Feuchtigkeit bei schlechter Witterung durch die Wände. Das bekommen vor allem die Mieter direkt unterm Dach zu spüren: „Der Schimmel dort ist mit Sicherheit der gravierendste Missstand“, sagt Ehefrau Elke Grünwedel. Sie hält, trotz großer Sprachbarrieren, den Kontakt zu der syrischen Familie aus der Dachwohnung. Doch auch die Grünwedels selbst sind von Problemen betroffen: „Hier gibt es Ratten im Keller, die Fallrohre sind undicht und unsere Fenster haben wir schließlich selbst isoliert“, erzählen sie.

„Kein Geld da“

Zuständig für die Immobilie war bis vor Kurzem die Hausverwaltung Sahr Immobilien GmbH. „Wir wussten um die Mängel“, bestätigt Geschäftsführerin Kerstin Sahr. Warum sie nicht behoben wurden? „Es war kein Geld da.“ Das Geld, das fehlte, hätte von dem damaligen Hauseigentümer kommen müssen, erklärt sie. Das war die Investec-Bank, ein britisch-südafrikanisches Geldinstitut mit Hauptsitz in London und Johannesburg.

Inzwischen hat die Alma Immobilien Dreiundzwanzig GmbH aus Berlin das Objekt gekauft, und auch die Hausverwaltung hat gewechselt. Seit Ende vergangenen Jahres sind die Wohnungen in der Eschenstraße 34 bis 38 in Obhut der Hausverwaltungsgemeinschaft HGV Eilenburg. „Wir wissen, dass es brennt“, sagt Geschäftsführer Torsten Reinhardt.

Sechs Hausverwaltungen in neun Jahren

Bei Elke und Jürgen Grünwedel füllt der Ärger rund um ihr Zuhause längst einen dicken Aktenordner. Das Ehepaar hat schon zahlreiche Ansprechpartnerwechsel erlebt, allein seit 2010 bekamen die beiden Briefe von sechs verschiedenen Hausverwaltungen. Seit 48 Jahren leben sie in der Eschenstraße – „von Anfang an“, wie Jürgen Grünwedel stolz betont.

Jürgen und Elke Grünwedel leben seit 48 Jahren in der Eschenstraße 38. Der Ärger rund ums Haus füllt einen Aktenordner. Ivy Bieber (rechts) hilft den Mietern. Quelle: Mario Jahn

Natürlich hat sich in dieser Zeit einiges getan. Öfen wurden durch Zentralheizungen ersetzt und Elektrik erneuert. Doch die Entwicklungen gingen auch in eine andere Richtung: Wohnungsleerstand veränderte die Stimmung in den Wohnblöcken. Im Jahr 2015 mietete das Landratsamt unbewohnte Quartiere für neu angekommene Asylsuchende an. „Da kamen dann ein paar Maler und sagten, sie müssen das jetzt mal weiß machen“, erzählt Elke Grünwedel. Die Wohnungen für die Geflüchteten seien lediglich übertüncht worden – und damit auch Mängel, die es damals schon gab, so der Verwurf. Bröckelnder Putz war allerdings ab 2015 nicht mehr das prägende Thema in der Mieterschaft. Vielmehr machten Konflikte zwischen den einheimischen und den neuen Bewohnern Schlagzeilen. Themen wie Mülltrennung, Lautstärke und Kellernutzung mussten neu ausgehandelt werden, der damalige Eigentümer hatte sogar Kameras installieren lassen. „Das ging nicht ohne Ärger“, erinnern sich die Grünwedels.

Das weiß auch Ivy Bieber. Die engagierte Sozialkoordinatorin kam damals noch im Auftrag des Landratsamtes regelmäßig als Vermittlerin zwischen Alteingesessenen und Migranten in die Eschenstraße, inzwischen ist sie in Diensten des integrativen Zentrums Futura vor Ort. Nach wie vor kommt sie einmal pro Woche zu einer Sprechstunde nach Altenburg-Südost.

Integration durch gemeinsame Aktion

„Mit der Zeit wurde immer deutlicher: Viele Mieter, egal woher sie nun kommen, haben ähnliche Probleme – und zwar mit der Hausverwaltung“, sagt Ivy Bieber. „Es gehört für mich zur Integrationsarbeit, Probleme gemeinsam anzugehen.“ Inzwischen würden die Beanstandungen in der Mieterschaft oft gemeinsam formuliert, berichtet die Sozialkoordinatorin. Allerdings lange umsonst. Die wöchentlichen Mieterversammlungen unter Ivy Biebers Leitung sollen nun Druck zu machen.

Der Wohnblock Eschenstraße 34 bis 43 wartet seit Langem auf eine Sanierung. Unter anderem Sturm Friederike vor einem Jahr hat dem Gebäude zugesetzt. Quelle: Mario Jahn

Auf OVZ-Anfrage verspricht jetzt die neue Hauseigentümer-Firma aus Berlin endlich Besserungen: „Wir wissen um die Mängel“, sagt Pascal Hagen, verantwortlicher Asset Manager am Telefon, „es liegt ja auch in unserem Interesse, die Schäden zu beheben und die Bausubstanz zu erhalten.“ Neben einer geplanten Sanierung der Fassade, der Balkone und des Daches soll auf die Situation unter dem Dach schnellstmöglich reagiert werden. Der Dachdecker, so bestätigt Pascal Hagen, sei bereits am 13. Dezember beauftragt worden, um eine Notreparatur am Dach vorzunehmen.

„Ich werde jetzt mit dem Dachdecker gemeinsam die Schäden vor Ort begutachten“, verspricht Hausverwalter Torsten Reinhardt als Reaktion auf die OVZ-Recherche noch einmal am Telefon. Und dann müsse nur noch repariert werden.

Von Anna Flora Schade

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