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Bad Düben 4270 Kilometer durch die Wildnis – Bad Dübener auf Abenteuertour
Region Bad Düben 4270 Kilometer durch die Wildnis – Bad Dübener auf Abenteuertour
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08:24 10.01.2020
Auf einem Berggrad in der Nähe von Packwood bei Washington am 4. August: Da hat der Bad Dübener Mario Schwertner schon einen Großteil der Wanderstrecke geschafft. Quelle: Mario Schwertner
Bad Düben / Pazifikküste

Wandern liegt im Trend. Immer mehr schnüren die Wanderstiefel oder lassen sich, wie zuletzt bei zwei Vorträgen des Bad Dübener Mario Schwertner, auf Schusters Rappen zumindest virtuell mitnehmen. LVZ sprach mit dem 39-jährigen Bad Dübener Krankenpfleger im Bereich Anästhesie, der die USA von Süden nach Norden auf dem 4270 km langen Pacific Crest Trail (PCT) von Ende März bis Ende August 2019 durchwanderte.

Wie entstand überhaupt die Idee, mit dem Pacific Crest Trail eine so lange Wanderstrecke unter die Füße zu nehmen?

Die Begeisterung für das Wandern an sich habe ich in die Wiege gelegt bekommen. Das erste Mal davon geträumt habe ich 2015. Damals bin ich sechs Wochen auf dem spanischen Küstenweg Camino del Norte vom französischen Hendaye bis nach Finisterre rund 960 Kilometer unterwegs gewesen. 2016 habe ich auf dem 100 Kilometer langen Meraner Höhenweg erste Erfahrungen mit insgesamt 6000 Höhenmetern sammeln können. 2017 habe ich mir dann auf der Via Regia zwischen Görlitz und Eisenach weiteren Appetit für das Weitwandern geholt. Während dieser Wanderungen hatte ich immer wieder den Traum, für mehrere Wochen oder sogar Monate eine Auszeit zu nehmen. Bei Internetrecherchen kam ich schnell auf die Weitwanderwege in Nordamerika. Bei meinem Arbeitgeber hatte ich zum Glück die Möglichkeit, mich für sechs Monate von meiner Arbeit unbezahlt freistellen zu lassen.  

Wann begann die Vorbereitung?

Monate vorher. Zunächst hatte ich ja die Qual der Wahl. Ich habe mich dann für den Pazific Crest Trail entschieden, weil er als einer der schönsten Langstrecken-Wanderwege gilt, weil mich die USA schon immer reizten und ich mich dort auf Englisch verständigen konnte. Da täglich nur 50 Hiker (Anm. d. Red: Hiker ist das englische Wort für Wanderer) starten dürfen, braucht man eine Long-Distance-Permit, also eine Erlaubnis, die es kostenfrei und online für 2020 beispielsweise nur am 29. Oktober und am 14. Januar gab beziehungsweise gibt. Bei mir lief das unproblematisch. Etwas langwieriger war es dagegen, das benötigte Langfrist-Visum für die Staaten zu bekommen. Fitnessmäßig habe ich gar nicht so viel gemacht. In der heißen Vorbereitungsphase bin ich aber zwei bis drei Mal im Monat mit Gepäck durch die Dübener Heide gelaufen. Anfangs waren bei mir so auf dem Trail täglich 20 bis 25 Kilometer drin, am Ende dann 50 Kilometer. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,5 Kilometern pro Stunde ist man da locker zwölf Stunden unterwegs.

Wie viel Gepäck mussten die Schultern schultern?

Blick auf das Equipment, was mit der Zeit immer weniger wurde. Der Bad Dübener Mario Schwertner durchwandert von Süd nach Nord die gesamten USA. Quelle: Mario Schwertner

Zu Beginn waren es so neun Kilogramm Ausrüstung. Neben einem kleinen Zelt, Schlafsack, Mini-Kocher und Isomatte hatte ich Essen, ein wenig Wechselwäsche und zumindest eine kleine Kamera dabei. Hinzu kamen zu Beginn im heißen Kalifornien noch bis zu sechs Liter Wasser. Später wurde es weniger. Dann gab es nicht nur reichlich Wasser unterwegs. Ich habe auch gemerkt, dass man ein drittes T-Shirt und eine Wechselhose eigentlich gar nicht braucht.

Wie gut ist der Wanderweg ausgeschildert?

Verlaufen konnte ich mich nie wirklich. Der Weg, der allerdings auch nur wenige Abzweige hat, ist richtig gut ausgeschildert. Und als wirklich mal Schnee den Weg unter sich begrub, half das GPS im Handy.

Das Handy funktioniert in der Wildnis?  

Das GPS im Handy funktioniert ja auch im Offline-Modus. Und nach sechs, spätestens nach zehn Tagen berührt der PCT zumindest eine kleine Ortschaft, wo man das Handy aufladen kann. Ich habe die täglich geschriebenen Informationen an meine Familie und Freunde zu Hause immer nur geballt von solchen Stationen verschickt. In diesen Orten konnte ich mich aber auch mit Essen neu eindecken. Nudeln und Haferflocken vor allem – sie bieten einfach das beste Verhältnis von Gewicht und Kalorien. Erwähnen möchte ich unbedingt noch den Hikers-Heaven, zu Deutsch: der Himmel für Wanderer. Der Name trifft es. Hier können sich die Hiker mit allem Notwendigen versorgen, mitunter sogar kostenlos. Zudem kann man sich Teile seiner Ausrüstung oder auch Essen mit der Post zu entfernten Stationen des Trails schicken lassen. Das funktioniert bestens und macht Sinn. Denn nach etwa einem Drittel des Trails sind beispielsweise die Sohlen einfach durchgelaufen und es braucht ein weiteres Paar schon eingelaufener Wanderschuhe.

Mit welchen Kosten muss man als Hiker eigentlich kalkulieren?

Abstecher zum Grand Canyon am 28. Juni. Quelle: Mario Schwertner

Die Faustregel sagt: 1000 Dollar (890 Euro) pro Monat, wenn man erst mal auf dem Pacific Crest Trail ist. Das hat geklappt, und dafür waren sogar einige Abstecher vom PCT drin. So habe ich mit etwas Glück, durch Zugabe von Benzingeld, unter anderem Las Vegas, den Hooverdam und den Grand Canyon gesehen. Auch bei zwei kleineren Auszeiten von der einsamen Wildnis, in Los Angeles und San Francisco, habe ich den eigentlichen Weg nie aus den Augen verloren.

Nicht jeder kann eine so lange Auszeit nehmen. Kann man auch Abschnitte wählen?

Ja, die Permits gibt es für die fünf Abschnitte auch einzeln. Wenn ich wählen müsste, würde ich den zweiten Abschnitt in Central California durch die Sierra Nevada oder auch den letzten Abschnitt im Bundesstaat Washington wählen.

Woran erinnern Sie sich besonders gern?  

Neben der atemberaubend schönen Landschaft trifft man einfach viele interessante Menschen. Auch wenn die Wahrnehmung bei uns vielleicht etwas anders ist: Die Amerikaner sind Wanderfreunde und lieben Deutschland. Wer dann dort als Deutscher wandert, genießt unwahrscheinlich viel Sympathie. Die Amerikaner begegnen einem dann auch als Trail-Angels (Wander-Engel). Nur mal ein Beispiel: Ich hatte einen Trail-Angel in Form eines Zahnarztes, der mir die rausgefallene Plombe unentgeltlich wieder einsetzte. Es gibt aber auch viele andere, die einem ihr privates Zuhause anbieten, um dort zu übernachten, auszuruhen oder auch, um mal ein Fußball-WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft zu verfolgen. Ich habe mit Mike aus Jena und Thomas aus Hamburg aber auch zwei Deutsche kennengelernt, mit denen ich einige Wochen zusammen unterwegs war. Daraus können sich durchaus Freundschaften fürs Leben entwickeln.

Doch es gab auch Begegnungen mit Tieren?

Erste Begegnung mit einer Rattlesnake am 2. April unweit von Warner Spring Kalifornien. Quelle: Mario Schwertner

Ja, bildlich einfangen konnte ich zum Beispiel die Klapperschlangen, die sich mitten auf dem Weg zum Sonnen platziert haben. Übrigens, solange sich die Schlangen nicht bedroht fühlen, jagen sie einem auch nicht nach. Selbst die drei Schwarzbären, die mir über den Weg gelaufen sind, waren vor mir mehr erschrocken als andersrum. Vor den Bären haben wir teilweise in Oregon und Washington alles, was sie interessieren könnte, weit oben in die Bäume gehangen. Weit gefährlicher waren übrigens zwei andere Tierarten. So ist das Chipmunk, ein 20 Zentimeter großes possierliches Streifenhörnchen, der Nage-Tot für so manche unterwegs nicht so leicht zu ersetzende Ausrüstung. Mir blieb das zum Glück erspart. Dafür habe ich in einer Nacht ein mächtiges Stampfen um mein Zelt herum gespürt. Das müssen Elche gewesen sein. Wenn die mein Zelt übersehen hätten …

Haben Sie auch mal ans Aufgeben gedacht?

Zwei oder drei Mal schon. Das erste Mal kam bei mir in den schier endlosen Bergen des südkalifornischen Nevadas Abbruchstimmung auf. Hitze, Trockenheit und Einsamkeit haben mich zum Nachdenken gebracht. Zwischen Big Bear Lake und den Burney Falls hat es dann eine Woche lang nur Bindfäden geregnet. Da war keine Faser mehr trocken. Dann denkt man schon mal, warum tue ich mir das eigentlich an? Doch dann macht man früh das Zelt auf, und wenn da dann auch nur ein Sonnenstrählchen über die Berge blinzelt, ist die Begeisterung sofort wieder da.  

Was bleibt?

 Neben einem intensiven Kontakt zur Mutter Erde habe ich bei mir im Nachgang mehr Leichtigkeit und Gelassenheit festgestellt. Ich kann jetzt besser Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. In der Ferne merkt man zum Beispiel noch einmal mehr, wie wichtig die Familie ist. Interessant finde ich auch die Erfahrung, dass man mit sechs Kilo Hab und Gut sehr glücklich sein kann.

Bleibt als letzte Frage: Wohin führt die nächste Reise?  

Von meinem Sabbatical-Jahr habe ich ja noch Zeit übrig. Anfang 2020 reise ich deshalb dreieinhalb Monate mit meinem Kumpel Enrico von der Südspitze Argentiniens (Ushuaia) durch die Drake Passage in die Antarktis, um dort die South Shetland Islands zu umfahren. Dann geht es rund 11 000 Kilometer durch Argentinien, Chile, mit einem Inlandsflug nach Brasilien ins Amazonasgebiet, dann weiter über Bolivien, Peru bis nach Kolumbien. Dabei werden wir allerdings weniger zu Fuß, sondern vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein.

Von Ilka Fischer

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