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Bad Düben Ärger mit Steueränderung: Kleine Feuerwehren bangen um ihre Feste
Region Bad Düben Ärger mit Steueränderung: Kleine Feuerwehren bangen um ihre Feste
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11:02 06.09.2019
Feuerwehrumzüge, wie hier in Löbnitz (Nordsachsen) gehören traditionell zu den Festen dazu. Allerdings müssen die Wehren jetzt aufpassen: Ohne Fördervereine geht bald nichts mehr. Quelle: Alexander Prautzsch
Oschatz/Delitzsch

Diesmal wollte es die Freiwillige Feuerwehr Wellerswalde (32 Aktive und 16 in der Altersabteilung) noch mal richtig krachen lassen. Zum Feuerwehrfest im 340-Seelen-Ort bei Oschatz am vorletzten Wochenende wurden extra Kameraden aus Oschatz für eine Vorführung eingeladen, eine Popcorn-Maschine wurde angemietet und für Kinder gab es mehrere Spielstände. Allerdings ein Fest mit bitterem Beigeschmack: Wahrscheinlich war es das letzte Feuerwehrfest, das in Wellerswalde gefeiert wurde.

Verkauf von Bier und Bratwurst eine gewerbliche Aktivität?

Schuld ist eine Neuregelung des Umsatzsteuergesetzes (Paragraf 2b), die ab 1. Januar 2021 in Kraft tritt. Danach müssen auch die Kommunen künftig bei allen gewerblichen Aktivitäten die Umsatzsteuer ausweisen. Klingt harmlos, hat aber beispielsweise für die kleine Feuerwehr Wellerswalde weitreichende Folgen. Denn bisher lief die Abrechnung des Festes ganz unbürokratisch über die Gemeindeverwaltung. Damit es dann vorbei: Einfach mal den Verkauf von Bier oder Bratwürsten über die Bücher der Gemeinde laufen zu lassen, wäre künftig nicht mehr zulässig.

Bürgermeister: „Das wird echt schwierig“

„Das wird echt schwierig. Wir müssen dann sortieren, was gewerblicher Art ist und was nicht. Das wird zuviel für unsere kleine Gemeinde“, stöhnt der Liebschützberger Bürgermeister David Schmidt (parteilos), zu dem Wellerswalde gehört. Selbst bei einem Kuchenbasar müsste dann nachgewiesen werden, dass es sich hier um keine gewerbliche Aktivität handelt. Ergo: Es droht der Zapfenstreich beim Wellerswalder Feuerwehrfest.

Sorgen auch bei Ortswehr Kohren-Sahlis

Eine Umfrage unter kleineren Feuerwehren in Nordsachsen und dem Kreis Leipzig zeigt: Die Wellerswalder Kameraden stehen in ihrer Not nicht allein da. Bei der Ortswehr in Kohren-Sahlis zum Beispiel droht ebenfalls Ungemach. Hier wird seit Jahren das traditionelle Maibaumsetzen mit einem Entenrennen und einem kleinen Fest gefeiert. Ob das auch in Zukunft weiterhin möglich sein wird, stellt Ortswehrleiter Lutz Fichtner nun in Frage: „Da müssen wir uns jetzt erstmal zusammensetzen und uns ein paar Gedanken machen. Ich höre davon heute zum ersten Mal.“

„Eine Schande, wenn deshalb das Fest ausfällt“

Die kleine Ortswehr Kohren-Sahlis veranstaltet eigentlich jedes Jahr am 30. April ein Fest - mit Schankgenehmigung der Stadt und allem was dazu gehört. Wehrleiter Fichtner will nun gemeinsam mit den Kameraden nach einer Lösung suchen, auch wenn sein Ärger groß ist: „Ich habe da ehrlich gesagt überhaupt kein Verständnis dafür. Natürlich darf der Staat Umsatzsteuer auf Bratwurst und Bier verlangen - aber wir machen das ja nicht als gewerbliche Veranstaltung“, erklärt er genervt. „Es wäre eine Schande, wenn deshalb das Fest ausfallen würde.“

Sorgen bereitet die kommende Gesetzesänderung auch dem Wiedemarer Gemeindewehrleiter Wolfgang Wenzel. Insgesamt neun Ortswehren gehören zu der Gemeinde in Nordsachsen. Bricht hier 2021 die freud- und festlose Zeit an? Wehrleiter Wenzel hofft das nicht und sagt: „Wir haben unseren Leuten schon einmal mitgegeben, sich etwas einfallen zu lassen.“

Gründung von Fördervereinen – rettender Ausweg?

Ein rettender Ausweg könnte die Gründung von Feuerwehr-Fördervereinen sein, über die dann die ganze Abrechnung der Feste läuft. Problem: Die kleineren Wehren mit oftmals nur noch wenigen aktiven Mitgliedern scheuen den bürokratischen Aufwand einer Vereinsgründung. So winkt der Kohren-Sahliser Wehrleiter Fichtner vorerst ab: Für einen eigenen Förderverein fehlten der kleinen Ortswehr vermutlich die Kräfte. In Wiedemar überlegt man hingegen tatsächlich den Aufwand zu betreiben, für jede der neun Ortswehren einen eigenen Förderverein zu gründen – auch unabhängig von der neuen Steuerregelung.

Gute Erfahrung bei anderen Feuerwehren

Immerhin: In anderen Feuerwehren hat man damit schon gute Erfahrungen gemacht – und sieht daher der Änderung im Steuergesetz gelassener entgegen. So gibt es in der Gemeinde Löbnitz (Nordsachsen) schon seit mehr als einem Jahrzehnt einen Feuerwehrförderverein. Neben der Finanzierung der Feste könnten so auch Bürger, die das Ehrenamt unterstützen möchten, ihre Spenden zielgerichtet an die Feuerwehr geben, sagt Gemeindewehrleiter Enrico Häublein.

In Schönwölkau haben verschiedene der fünf Ortswehren ebenfalls schon Fördervereine, berichtet Gemeindewehrleiter Uwe Försterling. Zudem setze die Feuerwehr – ebenfalls schon seit Jahren – stets auf die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, arbeitet und feiert mit diesen wie zum Beispiel dem Heimatverein im Ortsteil Badrina zusammen. „Wir sind nicht allein“, sagt Uwe Försterling, „wir können uns immer der Unterstützung anderer Vereine gewiss sein, denn alleine könnten wir größere Feste für das Dorf auch gar nicht stemmen.“

Gute Laune in Rackwitz bei Delitzsch: Hier organisierte der Förderverein das Feu Quelle: Matthias Schönknecht

Wehrleiter: Der Anfang ist mühsam

Das gleiche Bild in Rackwitz bei Delitzsch: Hier wurde das 95. Feuerwehrfest in Rackwitzam vergangenen Wochenende und die 750-Jahr-Feier des Ortsteils Biesen im Juni durch die Fördervereine ausgerichtet. Den Aufwand, das Geld künftig selbst zu verwalten, hält sich dabei in Grenzen, sagt der Wehrleiter und zugleich Fördervereinschef der Cavertitzer Feuerwehr Henry Müller. Allerdings räumt er auch ein: Die meiste Zeit habe ihn die Gründung des Vereins gekostet, da man sich zunächst umfassend über das Thema informieren müsse. „Der Rest geht“, so Müller.

Wellerswalde denkt über Alternative nach

In Wellerswald bleibt die Feuerwehrtruppe dagegen skeptisch. „Wir müssten also einen Feuerwehrverein gründen, was wir definitiv nicht machen werden“, sagt Wehrleiter Sven Wiesner. Er denkt deshalb über eine Ersatzveranstaltung nach: So könnte es künftig statt eines Festes einen Tag der offenen Tür am Wellerswalder Gerätehaus geben. Dann aber wohl eher im kleineren Rahmen.

Von Mathias Schönknecht, Tilman Kortenhaus, Christine Jacob und Frank Hörügel

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