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Bad Düben Bad Düben: Gellert-Preis für Görlitzer Autor Lukas Rietzschel
Region Bad Düben Bad Düben: Gellert-Preis für Görlitzer Autor Lukas Rietzschel
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15:39 08.09.2019
Elvira Dreßen, Mitglied der Fachjury, Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig, Preisträger Lukas Rietzschel und Landrat Kai Emanuel am Freitagabend im Heide Spa. Quelle: Wolfgang Sens
Bad Düben

Eigentlich habe sie das Buch von Lukas Rietzschel nicht lesen wollen, räumt Elvira Dreßen ein. Die Torgauer Musik-Professorin und Leiterin der Musikschule Nordsachsen ist Mitglied der Jury und hat an diesem Freitagabend im Bad Dübener Heide Spa die ehrenvolle Aufgabe, die Laudatio für den Gellert-Preis-Träger 2019 zu halten. Lukas Rietzschel ist 25 Jahre jung, geboren im ostsächsischen Räckelwitz, lebt und arbeitet in Görlitz.

Debüt-Roman erscheint im September 2018

Vor einem Jahr, kurz nach den Ausschreitungen in Chemnitz, erschien sein viel-beachteter und viel-diskutierter Debüt-Roman „Mit der Faust in die Welt schlagen“, der von der Tristesse und Aussichtslosigkeit im Leben ostdeutscher Jugendlicher erzählt, die fast zwangsläufig in die rechtsextreme Jugendkultur abrutschen. „Das ist das, was ich täglich sehe und um das ich mir Sorgen mache, was ich nicht begreifen kann und wo ich hoffe, dass kluge Politiker unser Land wieder in Ordnung bringen, damit Jugendliche eine Perspektive haben“, so Dreßen über ihre anfängliche Skepsis. Dann habe sie Lese-Passagen im Radio gehört, und die Geschichte der Bewohner des literarischen Dorfes Neschwitz im Oberlausitzer Braunkohlerevier zwischen 2000 und 2015 habe sie gefesselt, „eben weil mir vieles nah war.“ Dennoch habe sie lange gebraucht, das Werk zu lesen: „Es hat mir keinen Spaß gemacht.“ Anfangs habe sie Sympathie für die Protagonisten, die Brüder Philipp und Tobias empfunden, dann „entglitten sie mir fast unmerklich, zum Schluss war nichts mehr übrig, keine Sympathie und schon gar kein Mitleid.“ Sie habe den Roman immer wieder weggelegt und neu aufgeschlagen, „in der Hoffnung, eine Erklärung für das Unbegreifliche zu finden.“ Die Antwort kann auch der Autor nicht geben, so Dreßen in ihrer bemerkenswerten Rede.

Anlässlich der Übergabe des Gellert-Preises 2019 fand im Bad Dübener Heide Spa ein Festakt statt.

Politik muss Lösungen finden

Lukas Rietzschel aber habe ein wichtiges Buch geschrieben in einer „sehr nervösen Zeit, die uns alle nicht unbeschwert in die Zukunft blicken lässt. Wir alle müssen hinsehen, dürfen nicht wegsehen und die Politik muss Lösungen finden.“ Was beschrieben werde, treffe nicht nur auf den Osten Deutschlands zu. Noch eines gab Dreßen mit auf den Weg: „Wir müssen unsere demokratischen Werte in einem funktionierenden Rechtsstaat schützen. Wir brauchen kluge Politiker, die nah bei den Menschen sind. Wir müssen Lukas Rietzschel lesen. Wünschen wir uns noch mehr von diesem Autor.“

„Riesen-Ehre“ für den Preisträger

Für Lukas Rietzschel ist der Preis eine „Riesen-Ehre“: „Danke, dass Sie die Kunst unterstützen und damit einen Beitrag leisten, die Kunst auch freizuhalten.“ Elvira Dreßen habe es richtig bemerkt: „Uns entgleiten ganz viele Sachen unbemerkt.“ Man könne nicht sein Buch aufschlagen und sagen, „aha, an dem Punkt sind die Kinder abgerutscht und rechtsextrem geworden. Das gibt es nicht, es gibt keine Zwangsläufigkeit in Biografien. Aber dafür gibt es Kunst, das aufzuzeigen.“ Er hoffe, dass er sich „als guter Preisträger erweise und „Sie weiterhin mit guter, was aber auch heißt, nicht nur unterhaltsamer Literatur, weiter beglücken, aufrütteln und wachhalten kann.“

Rietzschels Werk hinterlässt Spuren, es hat auch Theaterschaffende animiert. Am Freitag soll eine Dramenfassung im Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt werden. Auch in Düsseldorf und Heilbronn sind Inszenierungen geplant.

Gellert-Preis wird jünger

20-mal ist der Gellert-Preis bisher verliehen worden. Zumeist an gestandene und erfahrene Künstler, deren Schaffen über Jahre hinweg, die Kulturlandschaft Nordsachsens oder Mitteldeutschlands auch über die Grenzen hinaus geprägt haben. Wie können wir den Gellert-Preis verjüngen? Diese Frage gab Nordsachsens Landrat Kai Emanuel (parteilos) der Jury letztes Jahr mit auf den Weg. Bereits im vergangenen Jahr hatte es mit dem Lyriker Peter Gosse einen Preisträger in der Kategorie Literaturgegeben. Der 80-Jährige war für sein Lebenswerk geehrt worden. Junge Künstler, großartige Talente, Musiker, Maler Literaten, Autoren zu entdecken, sei gar nicht schwer gewesen, sagte Elvira Dreßen. Bewegt habe sie dabei aber auch die Frage, was bedeutet denn „jung im Zusammenhang mit dem Namensgeber des Preises, Christian Fürchtegott Gellert, dem Aufklärer?“ Habe er doch gemeinsam mit vielen anderen seine Schriften und Gedanken in den Dienst einer neuen Zeit gestellt, den Menschen die Augen geöffnet, gesellschaftliche Veränderungen bewirkt, in dem er Dinge und Situationen sichtbar gemacht hat. „Erstmals unterbrechen wir die Tradition, den Preis abwechselnd in den Kategorien Bildende Kunst, Musik und Literatur zu vergeben“, so Kai Emanuel. „Damit wird es den Stiftern und vor allem der Fachjury möglich, auch Künstler zu bedenken, die ganz aktuell mit ihren Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben.“ Und noch eine Änderung gibt es, wie die Moderatorin des Abends, LVZ-Verkaufsleiterin Kerstin Friedrich verriet: Neben Musik, Literatur und Bildender Kunst gibt es mit der Darstellenden Kunst nun eine weitere Kategorie.

Ansporn für Künstler

Seinen Charakter behält der Preis bei. „Er ist ein Kristallisationspunkt für die Förderung von Bildender Kunst, Musik und Literatur und er ist ein wichtiger Preis, weil er Künstler würdigt, die einen Bezug zum Landkreis oder Mitteldeutschland haben“, sagte Harald Langenfeld, Vorstands-Vorsitzender der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig. Und er dokumentiere ein Stück Regionalität und regionales Selbstbewusstsein, „in einer Zeit, in der sicher Geglaubtes scheinbar nicht mehr selbstverständlich ist.“ Mit dem Preis solle die Vielfalt und Nachhaltigkeit des kulturellen Angebots gestärkt und bewahrt werden: „Wir wollen Künstler anspornen, mit ihrem Tun ganz bewusst an die Öffentlichkeit zu gehen,um damit der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, an dem Schaffen teilzuhaben und zu entdecken, was Kunst leisten kann.“

Kulturpreis ist einer der bedeutendsten in Mitteldeutschland

Der Gellert-Preis leistet seit 1999 einen Beitrag zur Förderung der Künste im Mitteldeutschen Raum. Er wird jährlich wechselnd in den Sparten Bildende Kunst, Musik und Literatur vergeben und gilt als einer der bedeutendsten Kulturpreise Mitteldeutschlands. Namensgeber ist Dichter Christian Fürchtegott Gellert, der vor 300 Jahren geboren wurde. Frühere Preisträger sind unter anderem Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel, Maler Volker Pohlenz und die Künstlerin Christine Ebersbach.

Von ka

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