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Bad Düben Bad Düben ehrt seinen Ehrenbürger Christoph Hein
Region Bad Düben Bad Düben ehrt seinen Ehrenbürger Christoph Hein
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22:40 27.04.2019
Die Bad Dübener schenkten Christoph Hein, seit 2011 Ehrenbürger der Kurstadt, anlässlich seines 75. Geburtstages in Anlehnung an Heins neues Werk „Alles was Du brauchst“ einen Koffer voll nützlicher und schöner Dinge. Quelle: Wolfgang Sens
Bad Düben

Bad Düben feiert Christoph Hein anlässlich dessen 75. Geburtstages. Oder besser: Christoph Hein feiert sich selbst. Mit einer musikalischen Lesung mit seinem Freund, dem Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel. „Mein Leben, leicht überarbeitet“, ist der Freitagabend im gut gefüllten Heide Spa überschrieben. Doch bevor Hein liest und Wenzel singt, hat auch die Stadt noch etwas für ihren Ehrenbürger.

Bad Düben nimmt Christoph Heins Vermächtnis ernst

Bad Düben ist nicht Berlin oder Leipzig oder Magdeburg, Bad Düben ist einfach nur Bad Düben, die kleine nordsächsische Kurstadt an der Mulde, aber mit dem Ehrenbürger Christoph Hein, der uns zum Nachdenken anregt und einem Vermächtnis, das wir ernst nehmen“, sagt Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG). Wie, das zeigt auch die intensive Arbeit, die hinter Schülern der Oberschule und des Evangelischen Schulzentrums liegt. Die 11- bis 15-Jährigen haben sich mit Christoph Hein, dessen Leben und Schaffen beschäftigt und damit schwierige Themenfelder beackert. Das Wie fordert Respekt ab. Und lässt Christoph Hein bekennen: „Ich bin ganz gerührt.“ Damit, so Münster, wurde etwas geschaffen, „was es so in der Stadt bisher nicht gegeben hat, sie haben sich mit der Frage von Flucht und Vertreibung im Zuge des zweiten Weltkrieges befasst und dies dokumentiert.“ Mit Zitaten, Texten und Fotos gestalteten die Mädchen und Jungen großflächige Pinnwände, die später mal Bad Dübenern und Gästen Hein und sein Leben und Wirken auf einem Gang durch die Stadt näherbringen sollen.

Anlässlich des 75. Geburtstages des Schriftstellers Christoph Hein gab es eine musikalische Lesung im Heide Spa. Der Autor ist Ehrenbürger der Stadt.

Schüler haben Plakate gestaltet

Aurelius, Paul, Sabrina, Sophie, Sophia, Alina und Gregor erklären, was die Plakate zeigen und aussagen über das Leben und Aufwachsen Heins in der Stadt, im Pfarrhaus, in der Kirche. Sie haben den Schriftsteller auf der Buchmesse in Leipzig getroffen, mit Geschwistern und der Lehrerin gesprochen, ganz persönliche Dinge in Erfahrung gebracht. So, dass Hein als Baby mit seinen Eltern nach Bad Düben kam, mit fünf Geschwistern aufwuchs, mit denen er sich trotz Streitereien gut verstand, dass er Hausaufgaben nicht mochte, der Religionsunterricht für ihn selbstverständlich war, er gern griechische Sagen, Märchen und Karl-May-Werke und „irgendwann auch mal richtige Literatur las“, sich oft ins Pfarrhaus oder an die Mulde zurückzog, mit 14 Bad Düben gen Berlin verließ und irgendwann später Hans-Eckardt Wenzel auf mehrere Fassbrausen am Roten Haus traf und dieser zum Freund wurde. Was sie noch nicht wissen, hinterfragen die Schüler an diesem Abend. Ohne Scheu. Herrlich gerade heraus. Und Hein reagiert ernsthaft, aber humorvoll, bleibt ihnen keine Antwort schuldig.

Eines seiner neuesten Werke ist das Kinderbuch „Alles, was du brauchst – die 20 wichtigsten Dinge im Leben. Enkel Karl stellte ihm einst die Frage, was man so braucht im Leben. Der Großvater brauchte ein paar Jahre, dann schrieb er dazu ein Buch, erzählt vom Freund, einer intakten Familie, ein paar Dingen wie einem Bett oder dem Fahrrad, dem Lieblingsgericht, das man kochen sollte. Die Bad Dübener hat dies inspiriert, ihm in Anlehnung an dieses Werk einen Koffer aus den 1960er-Jahren aus Thüringen zu schenken – gefüllt mit allem, was man so braucht – unter anderem einer Flasche mit Wasser aus der Mulde, einem Gemälde, einem Bildband über das Bad Düben von gestern und heute, einer Flasche Wein aus der Region.

Heins besondere Beziehung zu Bad Düben

Christoph Hein und Bad Düben – das ist war immer eine besondere Beziehung. Einer Schülerin habe er im Vorfeld erzählt: „Als ich Bad Düben das erste Mal begegnet bin, hab ich mir vor Schreck in die Windeln gemacht.“ Da war er elf Monate. Und da ist sein Freund Dieter Hildebrandt, dem er von einem Konzert Wenzels in Bad Düben schrieb, was den großen Münchner Kabarettisten zu der Reaktion veranlasste, die Wenzel dann auch verlas: Es sei eine wunderbare Stadt, in der es sehr schön ist, geboren zu werden oder zu sterben: „Aber was macht man dort zwischendurch?“ Die Leute reagierten belustigt bis empört, aber schließlich habe man sich wohl dazu entschieden, ihn, Hein, zum Ehrenbürger zu machen. Heute, so erzählt er, komme er gern zurück, es sei eine enorm schmucke Stadt geworden, das Stadtbild habe sich am meisten geändert und er sei gespannt, was die Sanierung der Burg bringe. Gefällt Ihnen die Veränderung, fragen die Kinder: „Ja, sehr.“ Dass er die Jahre seiner Kindheit hier verbracht hat, habe ihn sehr geprägt. Auch vier seiner Werke, in denen es um Bad Guldenberg, nicht aber Bad Düben ging. Er schreibe halt gern über Dinge, „von denen ich ein bisschen Ahnung habe.“ Viele seiner Geschichten und Personen stammen aus anderen Orten und Zeiten. Als die Presse vorwitzig immer mehr Parallelen zwischen Guldenberg und Düben zog, habe er darauf keine Lust mehr gehabt und sich andere Roman-Orte gesucht.

Hein liest, Wenzel singt

Und dann haben die Künstler das Wort. Hein liest Hein, aus dem Briefwechsel mit seinem Verleger, dem Gegenlauschangriff und Alles, was Du brauchst. Wenzel singt Hein. Wenzel singt Wenzel. Wenzel und Hein singen gemeinsam. Sie haben beides viel zu sagen und das Publikum hört aufmerksam zu. Schade, dass der Sänger und die Saal-Technik nicht zueinanderfanden, Wenzel ohne Mikro sang und so einiges an Atmosphäre und Wortgewalt in den Tiefen des Raumes verlorenging.

Von Kathrin Kabelitz

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