Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bad Düben Bad Dübener Autor Erhard Rutz stellt viertes Buch vor
Region Bad Düben Bad Dübener Autor Erhard Rutz stellt viertes Buch vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:54 22.03.2019
Erhard Rutz aus Bad Düben hat sein viertes Buch geschrieben: Die Abenteuer des Jakob Teutsch. In seinem Arbeitszimmer schreibt er am liebsten mit Bleistift auf Papier.
Erhard Rutz aus Bad Düben hat sein viertes Buch geschrieben: Die Abenteuer des Jakob Teutsch. In seinem Arbeitszimmer schreibt er am liebsten mit Bleistift auf Papier. Quelle: Wolfgang Sens
Anzeige
Bad Düben/Eilenburg

Nur ein paar Tage im April 1945 – aber für den 15-jährigen Jakob Teutsch sind sie wie ein halbes Leben. Er lernt im Flüchtlingstreck die Schrecken des Krieges kennen, muss auf sich allein gestellt den Weg durch einsame Wälder und Sümpfe finden und mit Hunger, Angst und Kälte fertig werden. Wie – das erzählt der Bad Dübener Autor Erhard Rutz in seinem Buch „Die Abenteuer des Jakob Teutsch“. Zur ersten Sonntagsschule im Eilenburger Stadtmuseum in diesem Jahr wird der 82-Jährige am Sonntag um 15 Uhr aus seinem 361 Seiten umfassenden Werk lesen.

Erste Buch-Fassung schreibt Erhard Rutz mit dem Bleistift

Wenn Erhard Rutz ein Buch schreibt, dann sitzt er seinem Arbeitszimmer, am Schreibtisch mit Blick ins Grüne, umgeben von Büchern – und schreibt es wirklich. Erst mit einem Bleistift, später mit Kugelschreiber, dann mit dem Füller. Und schlussendlich „tippt meine Frau das in den Computer. Von dem Ding versteh ich gar nichts“, lacht der promovierter Literaturwissenschaftler, Germanist, Publizist und Pädagoge. Was sich mit jedem Schreibwerkzeug ändert, sind die Details. „Manchmal ist zu viel drin, passt nicht zu dem, was ich aussagen möchte. Vieles braucht man dann gar nicht. Weg mit den Attributen, ein Hauptwort oder Substantiv ist meist das bessere.“

Jakob Teutsch ist ein Roman mit autobiografischen Zügen

Das Grundkonzept aber bleibt. Auch bei diesem Buch, das sich leicht liest und doch wieder nicht. Wie sollte es auch anders sein, geht es doch um das Schicksal einer Kriegs-Generation, der zwar die Grabenkämpfe erspart blieben, nicht aber Tod und Verderben im Hinterland. Dem Leser drängt sich schon nach wenigen Seiten eine Frage auf: Könnte da auch stehen: Die Abenteuer des Erhard Rutz? „Es ist wohl eher ein Roman mit autobiografischem Ansatz. Vieles von dem hab ich in den letzten Kriegstagen selbst erlebt, so den Ansturm russischer Panzerspitzen auf die Treckkolonnen der Flüchtlinge oder wie aus Jakob Teutsch, dem ,Deppen und Döskopp’, der Bücherfreund und talentierte Vorleser wurde.“Anderes sei ausgedacht, wie die Verschleppung des 15-Jährigen auf eine einsame Insel.

Der schwierige Umgang mit Tod und Verderben

Erfunden oder wahr – vieles, was Erhard Rutz über Teutsch schreibt, ist grausam und derb. Bedenken, den Leser damit zu überfordern, hat er nicht: „Wie soll es denn anders sein, wenn 15-Jährige um sich herum mit Tod und Verderben fertig werden müssen? Da bleiben einem nur Worte der Angst und Verzweiflung. Aber natürlich kann ich auch weich, zart und gefühlvoll erzählen.“ Beispielsweise, als Jakob Teutsch sich in eine junge Frau verliebt: „Ich konnte nicht mehr denken, das Herz fing an, verrückt zu spielen. Ich hatte das Gefühl, nur für diesen Moment gelebt zu haben und hoffte, dass sich der Zauber nie verlieren würde.“

Ähnlichkeit über 300 Jahre hinweg

Eine bedeutende Rolle spielt der „abenteuerliche Simplicissimus“. Ihn habe die erstaunliche Ähnlichkeit der beiden Hauptfiguren gereizt, obwohl ein Zeitsprung von gut 300 Jahren zwischen ihnen liege, erklärt der Autor. Und immer steckten beide mitten im Krieg. Thomas Mann schrieb kurz nach 1945: „Wo das möglich war, wird alles wieder möglich sein.“ Roman-Held Jakob Teutsch denkt anders. „Er fragt den Dorfpfarrer, bei dem er für einige Zeit unterkommt, nach einem Ausweg aus dem immerwährenden Kreislauf von Krieg zu Krieg. Der Gottesmann greift hoch, er setzt auf die Kraft der Vernunft und vertraut trotz allem den Menschen, ihrer Güte, dem Mitgefühl und der Solidarität, um Schlimmeres abzuwenden.“

Erhard Rutz: Bücher helfen mir zu leben

„Bücher helfen mir zu leben“, auch dieser Satz stammt von Erhard Rutz. Ein gutes Buch, so sagt er, kann alles. Freude bereiten, trösten, Mut machen, belehren. Goethe habe mal auf das Leben bezogen den Satz geprägt: Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein ... himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Das könne man auch auf Bücher beziehen: „Ich weiß, ein bisschen hoch gegriffen. Doch manchmal – wenn man Glück hat – sind Bücher so.“

Arbeiten an Jakob Teutsch haben fünf Jahre gedauert

Gut fünf Jahre haben die Arbeiten an Jakob Teutsch gedauert. Besonders aufwendig waren das Quellenstudium und alles, was der Autor zu Leben und Werk des Grimmelhausen finden konnte. „Und dann die Mühen beim Schreiben, die ständige Suche nach dem passenden Wort, dem Rhythmus im Satz, nach Klang und Ton. Aber was red’ ich, wer schreibt, weiß, es ist Steinbrucharbeit. Doch alles hat sich gelohnt, wenn es den Weg zum Leser findet.“

Mehrere Bücher sind bereits erschienen

Erhard Rutz studierte Germanistik, Geschichte und Pädagogik in Leipzig. Seine Promotions- und Habilitationsarbeit schrieb er über Literatur, Hörfunk und Film. Er lehrte im Fach Literatur und Medien, schrieb Fachbeiträge, Buchkritiken und veröffentlichte einen Roman und Erzählungen. Er lebt mit Frau und Sohn in Bad Düben. Viele Jahre moderierte er die Lebenswege-Veranstaltungen, empfing bekannte Musiker-, Schriftsteller- und Schauspieler-Größen. Drei Werke von Erhard Rutz sind bisher erschienen: „80 Tage oder die Hälfte des Lebens“, 2008; „Lebenswege: Mit Prominenten im Gespräch“, 2009 und „Nichts, was am Ende bleibt“, 2013.

Von Kathrin Kabelitz