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Bad Düben Bad Dübens Bürgermeisterin stoppt Arbeiten an der Obermühle
Region Bad Düben Bad Dübens Bürgermeisterin stoppt Arbeiten an der Obermühle
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07:00 06.05.2016
Ostern war die Welt noch in Ordnung:
Ostern war die Welt noch in Ordnung: Quelle: Steffen Brost
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Bad Düben

An der alten Ölmühle in Bad Düben geht es vorerst nicht weiter. Für den erneuten Baustopp hat Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) selbst gesorgt. Hintergrund sind Fragen, die mit dem Denkmalschutz und dem Fördermittelgeber geklärt werden müssen. Bereits Ende Februar war es zu Verzögerungen gekommen. Im Rahmen der Abrissarbeiten war bekannt geworden, dass die Schäden, die der Holzschädling verursacht hat, größer waren als angenommen. Zudem sei der Grundwasserspiegel auf dem Areal hoch, Ursache für die festgestellte Vernässung der Bausubstanz. Die Entscheidung der Experten: Die Sanierung der alten Ölmühle nebst Wohnung fällt flach. Bis auf den Südgiebel, der zum Durchgang des Gebäudes mit Wassermühle steht, wird die alte Bausubstanz komplett zurückgebaut. Sie soll neu errichtet werden.

Diese Fakten haben mittlerweile ein Verfahren in Gang gesetzt, dessen Folgen noch nicht abzusehen sind. „Wir müssen die Denkmaleigenschaften des Ensembles klären. Wir können nicht einfach drauf losbauen und hoffen, dass alles gut ist“, so Münster. Dies schließe die Fragen der Fördermittel und der Baugenehmigung ein, weil aus der eigentlichen Sanierung faktisch ein Neubau wird und es damit eine geänderte Ausgangslage gibt. Auch mit Blick auf die Wohnung innerhalb des Ensembles, die über Mittel der steuerlichen Denkmalabschreibung mit finanziert wird und bereits verkauft wurde oder bisher unberücksichtigte Aspekte, die ein Neubau erfordert wie beispielsweise Einhaltung der Energiesparverordnung. „Ob das unter diesen Umständen noch ein Denkmal ist, entscheidet das Landratsamt“, sagte die Bürgermeisterin. Im Fokus stehe, ob dabei nur das Gebäude oder das gesamte Ensembles betrachtet würde. Die Form und die Außenansicht sollen – das hat die Stadt stets bekräftigt – so wiederhergestellt werden, wie sie einmal war.

Am Willen der Stadt, das Projekt durchzuziehen, hat sich nichts geändert. Innerhalb von zwei Jahren sollen auf dem Areal der Obermühle die Schauwerkstätten entstehen, die alte Handwerke wie die des Schuh-, Korb- oder Schindelmachers erlebbar und die Ölmühle zu einem touristischen Top-Ziel machen. Der Kostenrahmen steht: auf zwei Jahre verteilt 1,5 Millionen Euro. 80 Prozent sind als Fördermittel bestätigt. Die Zusage erteilte die Landesdirektion 2015, nachdem der Holzschädling das erste, schon fertige Projekt zuvor ins Wanken gebracht hatte, die zugesagten Fördermittel zurückgegeben wurden, die Stadt das Konzept überarbeitete und ein den höheren Kosten angemessenen Fördermittel-Antrag stellte.

Geklärt werden müsse nun zunächst die Frage der Denkmalbescheinigung. Erst danach stehe fest, ob ein neues Konzept ohne Wohnung fällig werde, die Baugenehmigung neu erteilt, Förderanträge nochmals gestellt werden müssten. Aussagen dazu erwartet die Stadt innerhalb eines Monats.

Von Kathrin Kabelitz