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Bad Düben Die spannende Geschichte des Bad Dübener NVA-Klubhauses
Region Bad Düben Die spannende Geschichte des Bad Dübener NVA-Klubhauses
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11:52 15.03.2019
Hoher Besuch: Der damalige DDR-Armeegeneral Heinz Keßler und SED-Politibüro-Mitglied Harry Tisch (vorn Mitte) ließen sich im Foyer des Klubhauses mit ihrer Delegation fotografieren. Quelle: Steffen Brost
Bad Düben.

Wenn es reden könnte, hätte das ehemalige NVA-Klubhaus in der Schmiedeberger Straße 60a in Bad Düben eine Menge spannender Geschichten zu erzählen. Erst gaben sich hier in den siebziger und achtziger Jahren hochrangige NVA-Generäle die Klinke in die Hand, es gab eine Gaststätte, Arbeitsgemeinschaften trafen sich regelmäßig. Nach der Wende kamen dann tausende Tanzwütige in die Diskotheken Tatüü, Galaxy und später in den Fuego und Cube Club. Doch auch diese Ära ist längst vorbei. Am 20. März soll das Gebäude am Leipziger Amtsgericht zwangsversteigert werden. Für mindestens 145 000 Euro.

Nach der Wende wurde das Klubhaus zur Disco.  Quelle: Steffen Brost

Alles begann mit dem Bau der Unteroffiziersschule. Im November 1973 wurde auf Grundlage eines Befehls des Ministers für Nationale Verteidigung die Unteroffiziersschule VIII beschlossen, am Standort der NVA-Dienststelle Bad Düben. „Schnell wurde damals klar, das wir einen Treffpunkt für Kultur benötigten. Dort sollten sich sowohl die Angehörigen der Dienststelle als auch die Bevölkerung bei den verschiedensten Veranstaltungen treffen können“, erinnert sich der Bad Dübener Otto Koltermann.

Das Klubhaus im Dornröschenschlaf. Nun soll es zwangsversteigert werden.. Quelle: Steffen Brost

Der heute 78-Jährige war jahrzehntelang als Hobbychronist aktiv und tat im Klubhaus viele Jahre Dienst. Er organisierte bereits in seiner aktiven Zeit in der Nationalen Volksarmee im Klubhaus regelmäßig Vorträge, Fotoausstellungen und andere Veranstaltungen. „Ich hatte dort mein eigenes kleines Büro, weil ich dort meine ganzen Materialien und Fotos für die unterschiedlichsten Ausstellungen hatte. Im Klubhaus war immer etwas los. Wenn nicht gerade irgendwelche Armeegeneräle und hochrangige Politiker zu Gast in unserer Dienststelle waren, gab es im Klubhaus viele Veranstaltungen für die Bevölkerung und die NVA-Angehörigen“, erzählt Koltermann.

Jedes Jahr war der große Saal Dreh- und Angelpunkt der Feierlichkeiten für die Jugendweihe der Bad Dübener Oberschüler. Quelle: Steffen Brost

Gut zwei Jahre nach der Eröffnung der Unteroffiziersschule wurde am 18. November 1975 auch das NVA-Klubhaus der Militärtechnischen Schule eröffnet. Das Gebäude sollte Platz für die vielfältigsten Veranstaltungen im militärischen Rahmen wie auch für Veranstaltungen der Stadt Bad Düben sowie überregionale Ereignisse bieten. Daneben standen eine öffentliche Gaststätte, ein großer Saal, Ausstellungsräume, Versammlungsräume sowie eine Anzahl von Räumen für diensthabende Personen sowie für die Klubleitung zur Verfügung.

Jedes Jahr wurden neue Soldaten zum dreijährigen Wehrdienst nach Bad Düben einberufen. Treffpunkt war am Klubhaus. Quelle: Steffen Brost

Regelmäßig fanden hier fortan alle möglichen Veranstaltungen statt. Von Sportkonferenzen der Armeesportorganisation Vorwärts über bunte Shows wie „Alte Liebe rostet nicht“ mit Manfred Uhlig bis hin zu den alljährlichen Jugendweihefeiern der Achtklässler der drei Oberschulen aus der Stadt. Aber auch zahlreiche Militärdelegationen aus Ländern wie Ungarn, dem ehemaligen Jugoslawien, Rumänien, Kuba, Bulgarien und Angola besuchten die Einrichtung und ließen sich nach ihrer Tagung im Klubhaus die Spezialitäten der Gaststätte wie das legendäre Ragout fin schmecken. Der höchste Besuch, der in der Chronik notiert ist, war Ende der siebziger Jahre, als erst der damalige DDR-Armeegeneral Heinz Hoffmann und später sein Nachfolger Heinz Keßler mit Harry Tisch aus der DDR-Regierung mit einem Hubschrauber einflogen und die Dienststelle samt Klubhaus besuchten.

Auch die Armeesportorganisation "Vorwärts" führte im großen Saal des Gebäudes regelmäßig ihre Tagungen durch. Quelle: Steffen Brost

Nach der Wende wurde es schnell ruhig um das Klubhaus. Anfang der neunziger Jahre kaufte Michael Grunewald das Objekt von der Treuhand und eröffnete unter dem Namen „Tatüü“ eine Diskothek. Grunewald investierte rund 2,2 Millionen Mark und verwandelte das triste Gebäude in eine hypermoderne Tanzarena, in die an den Wochenenden tausende Jugendliche und Erwachsene aus der ganzen Region kamen. Teilweise war der Andrang so groß, das die Schlange der parkenden Fahrzeuge bis nach Bad Düben hinein reichte. Auf rund 10 000 Quadratmetern konnten die Disco-Besucher fünf Erlebnisbereiche und ein Center-Treff erleben. Mittelpunkt war die Tanzhalle „Galaxy“, wo sich der frühere Saal befand.

Nach dem Niedergang der Diskotheken eröffnete später die „Fuego Club und Bar“ im Gebäude. Im Herbst 2014 wurde das Gebäude wieder als Diskothek unter dem Namen „Cube Club“ genutzt. Schon im Frühjahr 2015 schloss der „Cube Club“ jedoch wieder. Von Mängeln im Brandschutz war die Rede. Im November 2015 versuchte sich erneut ein Personenkreis, einen Diskotheken-Betrieb unter dem Namen „New Galaxy“ zu starten. Doch auch sie gingen mit den bestehenden Brandschutzprobleme zu lasch um, so dass das Ordnungsamt erneut eine Nutzungsuntersagung aussprach und der Start des „New Galaxy“ daraufhin noch vor der eigentlichen Eröffnung abgesagt wurde. Andere Bereiche des Klubhauses waren immer wieder eine Zeit lang an neue Nutzer vermietet. So war auch mal eine Pizzeria samt Bowlingbahn hier ansässig. Auch ein Wach- und Sicherheitsunternehmen sowie ein Paketunternehmen waren hier zeitweise untergebracht.

Von Steffen Brost

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