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Bad Düben Feuerwehr feiert am Wochenende 150-jähriges Bestehen
Region Bad Düben Feuerwehr feiert am Wochenende 150-jähriges Bestehen
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09:27 13.06.2019
Jens Dreier (links) und Jürgen Grothe bringen die originale Handdruckspritze auf Hochglanz. Zum Feuerwehrjubiläum soll sie erstmals gezeigt werden. Quelle: Foto: Steffen Brost
Bad Düben

Seit Tagen sind die Kameraden der Bad Dübener Feuerwehr im Dauereinsatz. Nein, es geht – trotz der Unwetter der letzten Tage – mal nicht um Löschen und Retten, die Feuerwehr wird 150 Jahre alt und das wird am Wochenende groß gefeiert. Die Vorbereitungen laufen seit Wochen. „Am Dienstag haben wir uns nochmal getroffen, um Gerätehaus und Gelände auf Vordermann zu bringen“, so Sprecher Tobias Volkmann. Los geht es morgen mit der Disko Karambolagegroup und Freibier. Stadtteilwehrleiter Christian Noack wird am Sonnabend im Heide die Festrede halten, Bürgermeisterin und Landrat sprechen, bei der Veranstaltung im großen Saal sind Vertreter der Wehr aus der Partnerstadt Diez dabei. Die Wehrleitung um Thomas Haberland nimmt Ehrungen und Beförderungen vor.

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Bad Düben

150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Bad Düben, das heißt, 150 Jahre freiwilliger Dienst zum Schutze der Stadt und ihrer Bürger vor Brand- und anderen Gefahren. Seit 150 Jahren setzen Bürger der Stadt uneigennützig ihre Kraft, Gesundheit und Leben für das Allgemeinwohl ein. Das verdient eine besondere Würdigung, Dank und Anerkennung von allen. Aber wie fing alles an?

Natürlich gab es schon vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Bad Düben einen Feuerlöschdienst. Dieser war die städtische Feuerwehr, welche sich aus den einzelnen Handwerksinnungen und anderen Bürgern zusammensetzte. Zum Unterschied zur Freiwilligen Feuerwehr war der Dienst in der städtischen Feuerwehr Pflicht für jeden Bürger. Wer, wann, welche Aufgaben zu übernehmen hatte, bestimmte der Rat der Stadt, beziehungsweise in preußischer Zeit der Magistrat von Düben. Mit der Zeit beabsichtigten aber immer weniger Bürger, dieser Pflicht nachzukommen. So dachten der Magistrat und die Stadtverordneten darüber nach, wie in anderen Städten des Landes auch in Düben, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Im „Gemeinnützigen Wochenblatt für Düben und die Umgegend“ erschien dazu am 17. Juli 1869 folgende Anzeige: „Es wird beabsichtigt, wie in andern Städten auch hier eine freiwillige Feuer­wehr zu organisieren. Diejenigen jungen Leute über 17 Jahre alt, hier selbst, welche beitreten wollen, haben sich Montag, den 19. d. M., abends 8 Uhr, im Rathaussaal hier einzufinden.“ Der Magistrat hatte dazu eingeladen. Allerdings ohne viel Erfolg, denn am 24. Juli erfolgte eine zweite Anzeige. Diesmal drohte man den Unentschlossenen mit der städtischen Feuerwehr. Wer sich am 26. des Monats nicht einfinden wolle, wird widrigenfalls zum Dienst bei der städtischen Feuer-Lösch-Einrichtung an der Stelle älterer Einwohner herangezogen werden müssen. Daraufhin meldeten sich dann 69 Bürger. Es wurde eine Kommission gebildet, welche ein Grund- und Disziplinargesetz für die FFW Düben entwerfen sollte. Für diesen Entwurf zeichneten verantwortlich:

1. Magistratsassessor Kaufmann Gustav Köhler; 2. Kaufmann Hermann Rausch; 3. Färbermeister Eduard Rausch; 4. Steuereinnehmer Schuhmann

Die Gründungsversammlung unserer Freiwilligen Feuerwehr fand am 2. August 1869 in „Rennerts Restauration“ (später „Bürgergarten“ - Ritterstraße 30) statt. Auf der Tagesordnung standen drei Punkte: 1. Grundgesetz, 2. Klassifikation der Mannschaften, 3. Wahl des Kommandos. Das Grundgesetz, einschließlich Disziplinargesetz wurde den Versammelten vor­gelesen. Dann fand eine Besprechung darüber statt und anschließend eine Beschlussfassung.

Bei der Klassifikation der Mannschaften wählte man zwölf Steiger und einen Oberstei­ger. Die Wahl des Kommandos ergab folgende Besetzung: Hauptmann Eduard Rausch - Färbermeister, Unterhauptmann Gustav Rausch - Kaufmann, Rohrführer Friedrich Illgen - Schlossermeister, Rohrführer Eduard Sparfeld - Büchsenmacher, Rohrführer Theodor Wilke - Zeugschmiedemeister

Aller Anfang ist schwer. Heute, 150 Jahre später, finden wir eine moderne, gut ausgebildete Wehr in unserer Kurstadt Bad Düben. Lutz Fritzsche

Neues Boot wird offiziell getauft

Eingeladen sind alle Interessierten dann ans Gerätehaus in der Bitterfelder Straße. Offiziell wird es da nochmal um 15 Uhr. Dann erhält das im März in Dienst gestellte neue Mehrzweckboot Faster 440 seinen Namen. Welchen? „Das wird natürlich jetzt noch nicht verrraten“, so Volkmann.

Auch die Traditionsgruppe macht mit

Nicht nur die modernen Löschfahrzeuge, sondern auch die Oldtimer und Traditionsfahrzeuge der Wehr wurden auf Hochglanz poliert. In diesem Jahr ist ein neues Gefährt dazugekommen. Eine historische Handdruckspritze aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Im März 2011 ersteigerten die Männer um Jürgen Grothe die Handdruckspritze mit Baujahr zwischen 1905 und 1920 für 100 Euro im Internet. „In Bad Düben gab es auch mal so eine Handdruckspritze. Doch die ist bei einem Hochwasser 1945 an der Burg im Wasser untergegangen, später verfault un entsorgt worden. Wir wollten unbedingt wieder eine haben und den Menschen zeigen, wie man damit früher gelöscht hat“, erzählte Jürgen Grothe, Vorsitzender des Feuerwehrfördervereins. Doch der Zustand war nicht gut. Viele Teile haben gefehlt oder waren beschädigt. „Kessel, viele Ventile und Zubehör mussten überarbeitet oder neu beschafft werden. Über die Jahre haben wir alles mühevoll zusammengetragen und restauriert“, so Grothe weiter.

Acht Wehren sind beim Handdruckspritzentreffen dabei

Jetzt ist das Stück fertig und funktionstüchtig und war erstmals beim Festumzug zum Stadtfest zu sehen. Rund 5000 Euro kostete die Aktion, die über Sponsoren und Spenden finanziert wurde. Dass das historische Löschgerät wieder in alter Schönheit glänzt, ist vor allem Jens und Philipp Dreier, Franz Engelhardt und Jürgen Grothe zu verdanken. Im Rahmen des Feuerwehrjubiläums findet auch das 1 .Bad Dübener Handdruckspritzentreffen am Gerätehaus statt. Acht weitere Wehren haben sich mit ihren historischen Spritzen angemeldet.

Programm

Freitag: 18 Uhr Disko mit der Karambolagegroup, 19 Uhr Faßbieranstich; Sonnabend: 10 bis 12 Uhr Festsitzung im Heide Spa mit Ehrungen und Beförderungen (für geladene Gäste); 12 bis 18 Uhr Bunter Familiennachmittag, Fahrzeugausstellung Technikschau, Vorführungen am Gerätehaus; 15 Uhr Bootstaufe; ab 18 Uhr Tanzabend mit der Partyband „Meilenstein“ Sonntag: 10 bis 17 Uhr Historischer Sonntag mit Frühschoppen, Blasmusik und 1. Handdruckspritzentreffen, ab 14.30 Uhr Schlagernachmittag mit Enrico Scheffler

Einsatzbereitschaft ist abgesichert

Übrigens: Feiern wollen und können die Kameraden zwar, für den Ernstfall stehen sie dennoch bereit. „Für das Wochenende gibt es einen Schichtplan. Drei Fahrzeuge könnten im Ernstfall sofort besetzt werden“, sagt Tobias Volkmann. Unterstützung von umliegenden Wehren bekommen die Dübener auch – beim Besetzen der Getränkewagen.

Von Kathrin Kabelitz und Steffen Brost

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