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Bad Düben Forderung nach qualifiziertem Wohnraum in Düben steht
Region Bad Düben Forderung nach qualifiziertem Wohnraum in Düben steht
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10:12 24.05.2019
Eine altersgerechte Sanierung aller Wohnungen in den Mehrgeschossern Am Schalm (Foto) oder Hüfnermark ist sehr kostspielig. Quelle: Steffen Brost
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Bad Düben

Mehr senioren-, rollstuhlgerechte und barrierefreie Wohnungen und eine Qualifizierung des Bestandes der Wohnungsbaugesellschaft Bad Düben mbH (WBG) – dieses Ziel verfolgen SPD/Bürgerkreis mit einem Antrag, der im April im Stadtrat verabschiedet wurde. Geschäftsführung und Aufsichtsrat sollen demnach darauf hinwirken, dass 15 Prozent der Wohnungen als seniorengerecht, 10 Prozent barrierefrei und 5 Prozent rollstuhlgerecht bis Ende 2023 umgebaut/vorgehalten werden. Je Quartier soll es eine Gemeinschaftswohnung geben.

Enttäuschende Reaktionen

Dass die WBG nicht in allen Punkten mitgeht, hatte Geschäftsführerin Bettina Czerwonatis im Stadtrat, später in einem LVZ-Beitrag bekundet, dabei auf Altschulden, hohe Kosten und fehlende Fördermittel verwiesen. SPD/Bürgerkreis-Fraktions-Chef Stefan Lange ist von den Reaktionen der WBG enttäuscht, befürchtet nun ein Aussitzen der Probleme: „Ich kann das so nicht hinnehmen. Die WBG soll nicht 100, sondern 30 Prozent des Bestandes umbauen. So hat es die DSK in der Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes auch formuliert. Die Wohnungen müssen qualifiziert werden, wir brauchen ein abrechenbares Ziel.“

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Angesichts der Äußerungen zeigt sich Lange verärgert. „Frau Czerwonatis verweist auf hohe Kosten, die die Antragsumsetzung mit sich führen würde, sie spricht von zwei Euro Modernisierungsumlage pro Quadratmeter in den Wohnungen, die mittels Fahrstuhl zugänglich gemacht werden sollen, weil eine Anlage 150 000 Euro kostet.“ Er kenne nach Gesprächen mit einem Architekten der Leipziger Awo-Heime auch andere Zahlen: „Dort fallen pro Etage 15 000 Euro Kosten für einen Fahrstuhl an.“ Einrichtungen in Zwickau oder die Eilenburger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft hätten gute Erfahrungen mit Etagen-Laubengängen gemacht. „Dann benötigt nicht jeder Eingang einen Fahrstuhl.“ Bei diesen Projekten fielen 50 Cent Modernisierungsumlage pro Quadratmeter an. „Das sollte leistbar sein. Was nützt es, Bäder der Mieter altersgerecht umzubauen, wenn diese nicht bis zu ihren Wohnungen gelangen können?“

Stadträte wollen „dranbleiben“

Für derartige Lösungen sprächen, so Stefan Lange, auch andere Argumente: „Frau Czerwonatis sagte, dass die Wohnungen ab Etage 3 nicht mehr vermietbar sind.“ Da müsse doch überlegt werden, wie dies wieder möglich ist: „Allein die Vermeidung des Leerstandes würde die Maßnahme der Aufzüge ökonomisch rechtfertigen. Und das ohne Modernisierungsumlage. Die bei Wiedervermietung der Etagen 3 und höher vorhandenen Mieter könnten das Vorhaben nach meiner Rechnung auskömmlich finanzieren.“

„Wir sollten mit unserer älteren Generation fürsorglicher umgehen“, so der Appell. Es sei aus seiner Sicht ein schwaches Argument, auf Altschulden und bilanzielle Schwächen zu verweisen. „Wie soll der Mieter nachvollziehen, dass er keine Maßnahmen im altersgerechten Sinne zu erwarten hat, weil nun nach über 20 Jahren endlich die Elektrostränge modernisiert werden?“ Dass die Unzufriedenheit wächst, sei für ihn nachvollziehbar. Eine Vielzahl Mieter habe sich mittlerweile bei ihm gemeldet. Ebenso Stadträte anderer Fraktionen: „Wir werden an dem Thema dran bleiben.“ Aus seiner Sicht sei es an der Zeit, „dass die WBG sich als Unternehmen versteht, das nach den Gesetzen des Marktes agiert. Ansonsten erledigt sich das von selbst, dann müssen die Stadträte nur noch überlegen, wo sie die Mittel zum Rückbau der leerstehenden Wohnungen hernehmen.“

Von Kathrin Kabelitz