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Bad Düben Für die Orgelrettung im Kirchspiel Authausen wird weiter Geld gebraucht
Region Bad Düben Für die Orgelrettung im Kirchspiel Authausen wird weiter Geld gebraucht
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06:35 04.11.2017
Wenn Christian Schmidt in puncto Orgeln umherreist – wie hier in Plauen – wirbt er für das Sanierungs-Projekt. Ein Video sehen Sie unter www.lvz.de
Wenn Christian Schmidt in puncto Orgeln umherreist – wie hier in Plauen – wirbt er für das Sanierungs-Projekt. Ein Video sehen Sie unter www.lvz.de Quelle: privat
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Eigentlich wollte Christian Schmidt schon viel weiter sein. Im Kirchspiel Authausen gibt es mehrere Orgeln, die saniert werden sollen. Der 33-Jährige treibt das Projekt seit Monaten voran, hat gemeinsam mit Pfarrer Andreas Ohle ein vom Gemeindekirchenrat abgenicktes Konzept erarbeitet. Die Freigaben der Denkmalschutzbehörden sind teilweise da – was fehlt, ist Geld, viel Geld. Zwischen 32 000 und 40 000 Euro pro Instrument sind veranschlagt.

Christian Schmidt an der Orgel in Authausen. Quelle: Wolfgang Sens

Das Wichtigste sind die Eigenmittel

Das war der Stand vor einem Jahr und ist es weitgehend heute noch. Passiert ist einiges, aber nichts Entscheidendes. Christian Schmidt weiß, jeder Euro mehr an Eigenmitteln erhöht die Chancen bei potenziellen Gebern: „Man hat mehr Möglichkeiten, in puncto Fördermitteln oder bei Stiftungen Gehör zu finden.“ Für jede Orgel 10 000 Euro haben, das wär eine Grundlage. Die Spendenaufrufe seien nicht ungehört verhallt. „Wir haben viele erlebt, die großes persönliches Engagement zeigen und uns Geld zur Verfügung gestellt haben, selbst jene, die keine Kirchenmitglieder sind.“

Orgelstraße ist ein weiteres Ziel

Christian Schmidt interessiert alles, was die Instrumente der Orgelbaufirma Wilhelm Rühlmann, Zörbig, betrifft. 162 Instrumente hat er mittlerweile von dieser Firma und über 400 im In- und Ausland besucht, auf ihnen gespielt, Fakten zur Geschichte gesammelt. Die Orte der Dübener Heide, so denkt er über die Grenzen hinaus, könnten Stationen einer Rühlmann-Orgelstraße werden. Wo es sich ergibt, erzählt der Bad Dübener von dem Projekt. Bis die Instrumente saniert werden können, ist es ein mühsamer Weg, auf dem er sich aber manchmal als Einzelkämpfer fühlt. Die Ziele sind gewaltig: Für die kleinere Orgel in Görschlitz würden rund 40 000 Euro gebraucht, zwischen 4000 bis 5000 Euro müssten als Eigenmittel aufgebracht werden. Zwei Drittel wurden gesammelt: „Eigentlich sollte es schon dieses Jahr losgehen.“

Die Orgel in Kossa. Quelle: Wolfgang Sens

Die Orgel in Kossa klappert mehr als sie denn harmonische Klänge von sich gibt. Das wohl anspruchsvollste Projekt ist die Orgel in Authausen. Rund 3000 Euro Eigenmittel sind gesichert. Christian Schmidt weiß um die historische Bedeutung des Instrumentes. „Es ist die erste vom Delitzscher Orgelbauer Carl Friedrich Wilhelm Löwe von 1842. Deshalb sagt das Denkmalamt in Dresden, dass es erhalten werden soll und forciert eine Sanierung.“ Die Technik ist hinüber, rund 500 Pfeifen müssen ausgetauscht werden. Schmidt wäre ein Neubau lieber, die 300 000 Euro dafür aber stehen 50 000 Euro für die Restaurierung gegenüber, da sei es schwer, überzeugende Argumente zu finden. Das Instrument vergleicht Christian Schmidt gern mit einem störrischen Pferd: „Man denkt, das wirft Dich gleich ab. Es macht, was es will, drücke ich eine Taste, gehen drei runter. Klangvolumen und Strahlkraft fehlen, der Klang fällt immer mehr zusammen.“

Die Orgel in Görschlitz. Quelle: Wolfgang Sens

Konzerte für Firmen und Private

Mit 12, 13 hatte er mit dem Orgel-Spiel begonnen, die Begeisterung für die Königin der Instrumente hat ihn nicht mehr losgelassen. Seit 20 Jahren begleitet er Gottesdienste und Feiern in verschiedenen Orten als Organist. Der Klang habe ihn stets fasziniert, ebenso wie die klanglichen Variationen. Bei Bad Dübens Kantor Norbert Britze erlernte er die Grundlagen, die spielerischen Feinheiten kamen im Laufe der Jahre hinzu. Mittlerweile hat er diese Kenntnisse mit Unterstützung von Peter-Michael Seifried aus Berlin vervollkommnet, spielt klassische aber lieber eher innovative Gottesdienstbegleitung, gibt unter „Call a concert“ Privatkonzerte, die Private oder Firmen buchen können und führt die Orgel in all ihren Möglichkeiten so vor, wie sie von vielen noch nicht gehört wurde: „Gegen eine angemessene Spende für die anderen Instrumente.“

Von Kathrin Kabelitz