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Bad Düben Gefährliche Winzlinge in Nordsachsens Kiefernwäldern
Region Bad Düben Gefährliche Winzlinge in Nordsachsens Kiefernwäldern
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09:25 19.01.2017
Winterbodensuche im Forstrevier Wartha zwischen Doberschütz und Laußig: Revierleiter Jan Schmidt (50) und Lisa Roemer (25), Forstinspektoranwärterin, identifizieren die Puppen der Forstschädlinge. Quelle: Nico Fliegner
Nordsachsen

Nebelschwaden liegen über den Feldern am Ortsausgang des kleinen, nahe Eilenburg liegenden Heidedorfes Battaune. Am Horizont kämpft sich die Sonne durch die Winterwolken. Der Zeiger der Uhr geht auf die Zahl elf zu, das Thermometer zeigt minus drei Grad Celsius an und Förster Jan Schmidt ist gut gelaunt. Bestes Winterwetter.

Mit seinem Jeep und Forstinspektoranwärterin Lisa Roemer begibt sich der 50-Jährige tief hinein in sein Revier namens Wartha in einen Kiefernwaldbestand zwischen Doberschütz und Laußig . Dort sind seine Waldarbeiter und Lehrlinge zugange. Es ist der letzte Tag der Winterbodensuche, die seit dem November andauert und jetzt, Mitte Januar, endet. Schmidt ist dabei den Forstschädlingen auf der Spur – und damit zurzeit nicht der einzige Förster in Nordsachsen.

Die Winterbodensuche findet in der Dübener und Dahlener Heide alljährlich statt. 59 Waldbestände in verschiedenen Revieren werden kontrolliert. Daraus können Forstexperten wie Schmidt Schlussfolgerungen zur Entwicklung der nadelfressenden Kiefernschädlinge ziehen. Das sind Falter, die jetzt im Puppenstadium, als Kokons oder Raupen im Waldboden ihr Winterdasein fristen. Sie heißen Kiefernspinner, Kiefernspanner, Kiefernschwärmer, Nonne, Forleule und Kiefernbuschhornblattwespe. Besonders der Kiefernspinner zählt neben der Forleule und der Nonne zu den gefährlichsten Kiefernschädlingen. Es handelt sich um einen bräunlichen Schmetterling. Die Weibchen legen die Eier an die Nadeln der Bäume. Die schlüpfenden Raupen beginnen noch im selben Jahr zu fressen. Neben den Nadeln werden auch die Knospen der Kiefern angegriffen. Schmidt deutet während der Fahrt in den Wald bereits an, dass es diesmal mehr Funde gibt als im Vorjahr.

Der Heidewald mit seinen 80 Jahre alten Kiefernbeständen hat in den vergangenen Tagen sein Winterkleid angezogen. Die Bäume und Waldwege sind mit Schnee bedeckt. Für Schmidts Jeep kein Problem – das Sachsenforst-Auto ist sicher unterwegs. An einem Abzweig entdeckt der Förster einen grünen Transporter. Hier müssen sie irgendwo stecken, seine Waldarbeiter. Am Fahrzeug angekommen, wirft er sich eine dicke Jacke über, setzt seinen Hut auf und sieht in 50 Meter Entfernung einen Mitarbeiter in orangener Schutzweste am Boden hocken. Zu ihm geht es.

Johann Pitzschel (16), Lehrling zum Forstwirt, sucht nach Puppen von Forstschädlingen. Quelle: Nico Fliegner

Johann Pitzschel ist 16 Jahre jung und in Ausbildung zum Forstwirt, erstes Lehrjahr. Er und Lehrling Max Schürmann werden von Ausbilder Peter Steudler in Sachen Forstschutz angeleitet – und das ganz praktisch. „Das macht unseren jungen Leuten Spaß, vor allem, wenn sie das erste Mal die Winterbodensuche machen. Manchmal ist es ein richtiger Wettbewerb, wer mehr findet“, weiß Schmidt.

Bei der Winterbodensuche wird mittels einer Harke auf einer Fläche von 50 mal 50 Zentimetern die gesamte Nadelschicht bis zum Mineralboden abgetragen und auf eine Folie gelegt. Der junge Pitzschel harkt und begutachtet das Erdreich. Fündig ist er an diesem Vormittag schon geworden. Schmidt und die 25-jährige Roemer schauen das Glas mit den Schädlingen prüfend an – es sind Kokons von der Kiefernbuschhornblattwespe. Aber auch Kiefernspanner und -schwärmer haben die Waldarbeiter entdeckt, ebenso Forleulen. „Die Zahlen sind deutlich gestiegen“, sagt Schmidt. Wurden 2016 in den insgesamt 59 Waldbeständen im gesamten Forstbezirk Taura sieben Forleulen entdeckt, wurden diesmal allein auf 20 Beständen neun Forleulen gefunden. Ähnlich beim Kiefernspanner: 20 auf den 59 Beständen anno 2015/2016 und bereits 28 in 20 Beständen dieses Jahr – endgültige Zahlen liegen noch nicht vor, jedoch für das letzte Kontrolljahr: „ Zirka 40 Kiefernspanner, ein Kiefernspinner, sieben Forleulen und zirka 50 Blattwespen wurden in 59 untersuchten Waldbeständen gefunden“, weiß Martin Fleischmann vom Staatsbetrieb Sachsenforst. „Im Forstbezirk Taura waren die gefundenen Puppen, Raupen und Kokons aus dem letzten Winter kein Grund zur Sorge.“ Kiefernspinner und Blattwespenarten seien 2015/16 sachsenweit zurückgegangen. „Die Kiefernspannerpopulation bewegte sich ebenfalls auf einem niedrigen Niveau. Für die Forleule deutete sich hingegen eine Zunahme an“, so Fleischmann weiter. Forleule und Kiefernspinner sind gefürchtet, da sie zu Massenvermehrungen neigen und schon ein einmaliger Kahlfraß zum flächigen Absterben von Bäumen führen kann. Ein „merklicher Anstieg“ bei der Forleule sei vor allem im ostsächsischen Bereich zu verzeichnen. „Da in der Vegetationsperiode 2016 optimale Entwicklungsbedingungen für die Forleule gegeben waren, wäre eine Zunahme dieser Art in diesem Jahr in weiteren Kieferngebieten wahrscheinlich.“

Diese Insekten richten Forstschäden an

Der Kiefernspinner, ein Falter, zählt zu den bedeutendsten Kieferngroßschädlingen. Schon einmaliger Kahlfraß durch die Raupen kann Schäden für einen ganzen Baumbestand zur Folge haben. Dabei wird die Nadel bis zur Scheide gefressen, Maitriebe, junge Rinden und Knospen werden abgebissen. Bereits bei wenigen Plusgraden im zeitigen Frühjahr beginnen die Larven mit dem Frühjahrsfraß.

Der Kiefernspanner ist ein Falter und weiterer Kieferngroßschädling. Der Schadfraß tritt erst spät im Jahr ein, wenn die Knospen für das nächste Jahr schon voll entwickelt sind. Dadurch ist der Austrieb im folgenden Frühjahr zwar gesichert, aber der Verlust an Nadelmasse vermindert die Zuwachsleistung und bei mehrjährig aufeinander folgendem Fraß kann ein Absterben der Bäume eintreten.

Die Forleule ist ein Nachtfalter, dessen Raupen großen Schaden anrichten.Sie fressen ausschließlich an den Nadeln der Waldkiefer, nur bei Massenvermehrungen findet man sie auch an Fichte und Weißtanne. Sie frisst auch an den Nadeln der aus Nordamerika eingeführten Weymouth-Kiefer.

Der Kiefernschwärmer ist ein Nachtfalter und ebenfalls Forstschädling. Die Raupe ernährt sich von verschiedenen Kiefernarten, insbesondere von der Waldkiefer und von Fichten. Sie sitzt dabei längs einer einzelnen Nadel und frisst zunächst nur an der Oberfläche. Später wird mit zunehmender Größe eine Nadel zwischen den Beinen gehalten und von der Spitze nach unten gefressen. Ältere Nadeln werden dabei bevorzugt. Ihre Färbung gibt zwischen den Nadeln eine gute Tarnung.

Die Kiefernbuschhornblattwespe gehört Familie der Buschhornblattwespen. Ihre Larven fressen Kiefernnadeln. Junglarven benötigen für eine Nadel drei Tage, ältere fressen dagegen bis zu zwölf Nadeln pro Tag. Massenvermehrungen führen zwar nur selten zum Absterben der Bäume, doch die Widerstandskraft der Kiefern durch den Nadelverlust kann dadurch stark geschwächt werden, so dass andere Schädlinge nicht mehr abgewehrt werden können.

Die Nonne ist ein Nachtfalter. Ihre Raupen ernähren sich bevorzugt von Fichte und Kiefern. Eine Raupe frisst ca. 200 Kiefern- beziehungsweise 1000 Fichtennadeln und beschädigt beim Abbeißen noch einmal so viele. Fichten sterben bei 70 Prozent und Kiefern bei 90 Prozent Nadelverlust. Massenvermehrungen können große Schäden in der Forstwirtschaft verursachen. Um dem vorzubeugen, werden befallene Bäume umgehend entnommen.

Das kann auch Förster Schmidt mit Blick auf sein Revier unterschreiben. „In den letzten drei Jahren waren unsere Bäume erheblichem Stress ausgesetzt, weil es zu wenig Niederschlag gab. Ein regenarmes Jahr hält die Kiefer aus, mehrere macht sie gegenüber Schädlingen nicht mehr so widerstandsfähig.“ Und Lisa Roemer ergänzt: „Ihre Abwehrmechanismen sind dann nicht mehr so ausgeprägt.“

Was Nordsachsens Förster jetzt an Schädlingen zusammentragen, kommt nach Graupa ins Labor. Dort werden die Funde unter anderem auf Krankheiten untersucht und ob sie von Parasiten befallen sind. Letzteres wäre laut Roemer sogar gut, weil sie dann nicht überleben und keinen Schaden anrichten können.

Besonders stark betroffen waren im Sommer 2016 Waldbestände im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis. Rund 50 Quadratkilometer Kiefernwald waren dort vom Kahlfraß durch die Larven der Kiefernbuschhornblattwespe bedroht. Ein Insektizideinsatz gegen die Invasion kam schließlich zum Einsatz. Und in der Dübener und Dahlener Heide? Wenn Ende Januar die Ergebnisse für Nordsachsens Waldbestände vorliegen, können Nordsachsens Förster Gefährdungseinschätzungen treffen und Bekämpfungsstrategien festlegen. Die regelmäßigen Kontrollen helfen dabei und haben eine lange Tradition. Die Beprobungen wurden zuerst in Preußen und ab 1937 zeitweise in ganz Deutschland durchgeführt und gelten bis heute als verbindliche Verfahren bei der Vorhersage des Schädlingsauftretens. „Wenn es um den Schutz der Bäume geht, stehen wir dann Gewehr bei Fuß“, sagt Schmidt.

Von Nico Fliegner

Sie sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, lieben ihre Heimatregion Nordsachsen und wollen sie attraktiv machen – die Mitglieder des Vereins Heimatherzen. Vorsitzender ist der 21 Jahre alte Florian Kern aus Laußig. Er sagt: „Ich wollte schon immer etwas für unseren Ort tun.

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