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Bad Düben Günter Dietzsch – ein Bad Dübener voller Öko-Energie
Region Bad Düben Günter Dietzsch – ein Bad Dübener voller Öko-Energie
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00:42 29.04.2018
Günter Dietzsch gilt gewissermaßen als Ur-Vater des Einsatzes erneuerbarer Energien in Bad Düben. Vor 20 Jahren baute er als einer der ersten in Bad Düben eine Wärmepumpen-Heizung in seinem Wohnhaus ein. Mittlerweile gibt es noch mehr Solar- und Fotovoltaik-Technik im und am Haus, das als Niedrig-Energie-Haus gilt. Quelle: .
Bad Düben

Einen Schornstein sucht man auf dem Wohnhaus von Günter Dietzsch vergeblich. Die großen Tafeln der Fotovoltaikanlage stechen dafür gleich ins Auge. Zwei Merkmale, die Außenstehenden signalisieren: Hier ist etwas anders als anderswo. Fragt man den Besitzer, ist der gleich in seinem Element: „Es ist eine nicht übersehbare Tatsache, dass ein Wohnhaus ebenso wie ein Auto ein Umwelt belastendes Objekt darstellt“, sagt Günter Dietzsch. Herstellung und Transport der Baumaterialien verursachen wie der Bauvorgang selbst und die Nutzung von Rohstoff- und Energieverbrauch ein Flächeninanspruchnahme und Bodenversiegelung.

Hausbau mit Blick auf ökonomische und ökologische Aspekte

Wer ihn kennt, den wundert nicht, dass der Bad Dübener deshalb genau so und nicht anders an ein Projekt wie den eigenen Hausbau herangeht. Fast 25 Jahre ist das jetzt her. Beginnend mit der Planung über das Bauen und die Nutzung nahm er Einfluss darauf, ob Ressourcen verschwendet oder geschont und in welcher Größenordnung die Umwelt be- oder entlastet wird. Er entschied sich bewusst für ein Fertigteilhaus in Holzständerbauweise eines Herstellers, der auf ökologische Bauweise und Baustoffe setzt.

Günter Dietzsch gilt als Vorreiter der erneuerbaren Energien und ökologischen Bewegung in Bad Düben. Ganz privat fing es an: Zwei Jahrzehnte ist es her, seit er im damals zwei Jahre alten, eigenen als Niedrig-Energie-Haus konzipierten Wohnhaus, das zunächst über eine Brennwertheizung verfügte, als einer der ersten in Bad Düben eine Wärmepumpenheizung einbauen ließ. Mit dem Ziel, nachhaltig zu sparen und dazu beizutragen, dass der Kohlendioxid-Ausstoß wesentlich verringert werden kann. Der 87-Jährige kann belegen, dass genau dieser Effekt eingetreten ist.

Thema Erneuerbare Energien kommt erst nach der Wende in Fahrt

Wer die Gründe erkunden will, warum sich Günter Dietzsch so für dieses Thema einsetzt, muss die berufliche Entwicklung betrachten. „Kurz nach Kriegsende, ich war damals 15 Jahre alt, hatte mir ein Bekannter den Lehrberuf des Heizungsbauers empfohlen. Vorstellungen, was das ist, hatte ich nicht.“ Schnell habe er aber gemerkt, dass es eine gute Wahl war. Im Fernstudium vertiefte er die Kenntnisse zur Wärmewirtschaft und Kältetechnik, sein gesamtes Berufsleben war er im Kraftwerksanlagenbau tätig, baute das Pumpspeicherwerk Markersdorf mit. Welche Bedeutung es hat, nachts Potenzial zu produzieren, das tagsüber verbraucht wird, habe er damals aber nicht erkannt.

Beispiel-Projekte in Bad Düben

In der Stadt Düben hat das Thema Erneuerbare Energien immer mehr an Bedeutung gewonnen. Einige Beispiele:

Bürgersolarkraftwerk: Errichtet wurde die 15 KW/Peak-Anlage 2010 ohne Fördermittel und Kredite und nur durch den Verkauf von Anteilsscheinen auf dem Dach der Heide-Grundschule. Der erzeugte Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. Ein zweites, so Günter Dietzsch, sei möglich, auch wenn sich die Voraussetzungen stark geändert hätten.

Klärwerk Altenhof: Installiert ist hier eine Wärmepumpe, die mit Wärme betrieben wird, die aus dem Abwasser der letzten Klärstufe stammt

Naturparkhaus: Eingebaut ist hier eine bivalente Wärmepumpe. Das heißt, der Grundbedarf wird mit der Wärmepumpe abgedeckt, die oberflächennahe Erdwärme nutzt und ohne Frostschutzmittel auskommt. Bivalent heißt: In Spitzenzeiten schaltet diese ab, dann kommt eine Pellet-Heizung zum Einsatz.

Obermühle: Vorgesehen war ein Brennwertkessel mit Flüssiggas. Der Ökobeirat setzte sich aber für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ein. Als Wärmeträger wird dabei Umluft genutzt.

Mehrfamilienhaus Ritterstraße: Hier erfolgte der erste Einsatz einer mono-energetisch arbeitenden Wärmepumpe. Die an wenigen Tagen im Jahr erreichte Spitzenlast wird durch eine energetische Widerstandsheizung abgefedert.

Das Thema erneuerbare Energien habe erst nach der Wende Fahrt aufgenommen. Für Günter Dietzsch, als er aus dem Arbeitsleben ausschied. Er machte den Beruf zum Hobby und gründete den Verein Solar- und Umweltgesellschaft. 1996 fand der erste Tag der erneuerbaren Energien in Bad Düben, auf seinem Grundstück statt. Dort konnte der Rentner zeigen, was dank einer handwerklich gefertigten Wärmepumpenheizung bereits möglich ist.

Ein Haus – ganz im Sinne der erneuerbaren Energien

Den eingeschlagenen Weg verfolgte er dann konsequent weiter. Vor vier Jahren fiel die Entscheidung, in eine moderne, monovalent arbeitende Sole-Wasser-Wärmepumpe mit elektromotorischem Antrieb zu investieren: „Diese erzeugt jetzt nicht mehr Energie als ich zeitlich tatsächlich, in Abhängigkeit von den jeweiligen Außentemperaturen benötige.“ Mittlerweile wird überall auf dem Grundstück sichtbar, was (s)ein Niedrigenergiehaus ausmacht. Neben der Wärmepumpe gibt es eine solarthermische Anlage zur Warmwassererzeugung und Heizungsunterstützung, bestehend aus fünf Quadratmeter Sonnenkollektoren, eine Fotovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 2,2 Kilowatt peak sowie eine Regenwassernutzungsanlage. Damit hat das Haus keinen Erdgasanschluss, keine Feuerstelle, keinen Schornstein. Das Abwasser wird durch eine Pflanzenkläranlage aufbereitet und teilweise wieder für die Toilettenspülung genutzt. All das, da ist Günter Dietzsch sicher, ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Tag für Tag notiert er die Daten, kann so über Jahre hinweg den Verbrauch nachweisen. In Euro auszudrücken, was er eingespart hat, fällt nicht so leicht. Einige Tausend Euro werden es sein. Dietzsch fasst es lieber anders zusammen: „13 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß konnten allein durch das Betreiben der Fotovoltaik-Anlage eingespart werden.“ Für den 87-Jährigen eine beachtliche Größe. Er weiß, dass die Anschaffungskosten für Wärmepumpen höher liegen als für herkömmliche Heizungen, auch wenn sich die Technik ökonomisch und ökologisch geändert hat.

Nicht zu übersehen sei aber, dass sich Steuern, Preise und Umlagen seit dem Jahr 2000 stark verändert haben. Der Strompreis für Privathaushalte ist zum Beispiel von 14 Cent auf über das Doppelte pro Kilowattstunde angestiegen. Damals sei es am besten gewesen, die erzeugte Energie ins Netz einzuspeisen: „Heute ist es angesichts der gesunkenen Vergütung sinnvoller, diese selbst zu verbrauchen.“

Dietzsch gibt Tipps gern weiter

Günter Dietzsch war und ist es wichtig, sein Wissen weiterzugeben. Viele Häuslebauer haben ihn um Rat gefragt. Er wird nicht müde, seine Vorstellungen ökologischen Denkens zu vermitteln. Auch auf kommunaler Ebene. Als Mitbegründer des Öko-Beirates setzt er auf gezielte Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenwirken mit der lokalen Politik, um möglichst viele Bürger zu beteiligen: „Es gibt viele technische Neuerungen, Energie dort zu erzeugen, wo sie verbraucht wird und somit effizienter zu wirtschaften.“ Auch die Beteiligung an Energiegenossenschaften ist möglich. Für Bad Düben, das 2005 erstmals den European Energy Award erhielt und seit dem dreimal verteidigen konnte, sei dies wichtig. Um die Zertifizierung auch ein fünftes Mal zu schaffen.

Von Kathrin Kabelitz

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