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Bad Düben Kampf um Ortsumgehung Wellaune: Baurecht nicht vor 2021
Region Bad Düben Kampf um Ortsumgehung Wellaune: Baurecht nicht vor 2021
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17:30 15.07.2019
Jörg Kiesewetter, Sebastian Gemkow, Gisela Jäschke, Astrid Münster, Cornelia Beer, Tobias Knötzsch und Markus Heier (von links) vor dem Trassenverlauf. Die drei Kilometer lange Strecke der B  2 n beginnt südlich von Wellaune im Bereich Waldsiedlung, läuft östlich um den Ort herum, endet nördlich auf der vorhandenen Straße. Quelle: Kathrin Kabelitz
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Wellaune

Noch prangt die schwarze 17 am gelben Banner in Wellaune, gut sichtbar für Autofahrer auf der B 2 Richtung Leipzig und jene, die auf die B 107 gen Hohenprießnitz abbiegen. In diesen Tagen ist es für Anwohner Klaus Zimmermann an der Zeit, eine Ziffer zu ersetzen. So, wie er dies Sommer für Sommer tut. 18 Jahre, so steht es dann geschrieben, kämpfen die Bewohner des Dübener Ortsteils um die Ortsumgehung. Der Kampf, das ist nach einem Gespräch im Landesamt für Straßenbau und Verkehr klar, ist noch lange nicht zu Ende.

Bürger kämpfen für eine Ortsumgehung: Tobias Knötzsch (rechts), Mathias Jung, Peter Jäschke, Gisela Jäschke und Torsten Michael Quelle: Wolfgang Sens

18 Stellungnahmen und 5 private Einwendungen liegen vor

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Kiesewetter hatte um das Gespräch gebeten. Auch Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) ist dabei. Um es vorweg zu nehmen: Sensationelle Neuigkeiten hat Markus Heier nicht zu verkünden. Der Amtsleiter versichert, das Verfahren läuft und: „Wir sind fleißig.“ An der Tatsache, dass alles nur Schritt für Schritt geht, kann er nichts ändern. Bis Ende September fand die erste Anhörung statt. 18 Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange und 5 private Einwendungen gab es: „Das ist weder außergewöhnlich viel noch wenig.“ In puncto Wellauner Graben sei man deutlich vorangekommen, was Aufarbeitung und Zielstellung betreffe, ähnlich sei es beim Polder Löbnitz, wo man in engem Kontakt mit der Landestalsperrenverwaltung stehe. Untersuchungen laufen noch, es zeichne sich aber ab, dass dieser durch den Bau nicht beeinträchtigt werde.

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Nächster Schritt ist erneute Auslegung

Zu den privaten Einwendungen wollte sich Heier nicht äußern. Das Amt nehme diese ernst, an Lösungen werde gearbeitet. Seiner Einschätzung nach seien die Einwendungen aber nicht derart, dass sie das Verfahren verzögern oder gar verhindern. Die Zuarbeiten werden jetzt so weit fertig gestellt, dass sie an die Landesdirektion Sachsen gegeben werden können. Als nächste Schritte stehen die nochmalige Auslage der dann geänderten Planungsunterlagen sowie der Erörterungstermin an. Feste Termine gibt es derzeit nicht. Dass der Planfeststellungsbeschluss 2020 kommt und damit Baurecht besteht, glaube er nicht. Nur kurz rechnet Jörg Kiesewetter weiter, winkt dann ab: Mit Ausschreibung, Vergaben und Bau wäre es dann so 2023/2024? Festlegen will sich niemand. „Für mich ist entscheidend, wann der Planfeststellungsbeschluss da ist, der vollziehbar ist“, so Heier.

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr in der Leipziger Maximilianallee. Quelle: Kathrin Kabelitz

Bad Düben steht hinter der Forderung nach der Ortsumgehung

Sicher aber ist: Bad Düben will die Ortsumgehung. „Wir haben 2018 das neue Stadtentwicklungskonzept beschlossen. Die Ortsumfahrung ist drin, die Stadt steht hinter der BI. Wenn die Stadt helfen kann, beispielsweise bei den privaten Einwendungen, wir stehen bereit“, versichert Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG). Lob bekam die BI von höchster Minister-Stelle: „Man muss sich bei Ihnen bedanken, dass Sie so viele Jahre so langen Atem bewiesen haben und nicht locker lassen. Ich fahr oft Richtung Norden und man sieht in Wellaune, wie intensiv Sie kommunizieren, wie viele Plakate da hängen. Wenn man sieht, was da an Verkehr durchfließt, kann man sich vorstellen, wie groß die Belastung für die Menschen ist, die dort wohnen“, so Sebastian Gemkow. Und auch wenn das Verfahren lange dauere, sei doch Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

BI will keine falschen Versprechungen

„Nur, dass der Tunnel eben immer länger wird ... “, klingt es aus der Wellauner Ecke. Dennoch hören sie die Worte gern, erhoffen sich Rückendeckung, falls es Probleme gibt. Sie hätten an diesem Tag gern Positiveres gehört. Versprechungen und Zusagen haben sie zu viele vernehmen müssen, die Euphorie der Anfangsjahre ist Skepsis und Vorsicht gewichen. Den Optimismus, wenn er auch verhalten ist, lassen sie sich nicht nehmen. Und so dankt Gisela Jäschke dem Amtsleiter, „dass er immer wieder versucht, uns davon zu überzeugen, dass es vorwärts geht. Wir bitten um Verständnis, dass wir mit viel Herzblut um unser Projekt kämpfen und darum, dass wir uns weiter mit Ehrlichkeit begegnen. Uns hilft es nicht, wenn man uns Versprechungen macht, bei denen wir als Laien merken, dass das nicht ok ist. Ich denke dennoch, dass wir auf einem guten Weg sind und wünsche unseren Politikern, dass sie ihre Kraft zum Wohl unserer Bürger einsetzen. Ich hoffe, Sie wissen, was wir täglich an dieser Straße erleben. Ich wünsche uns Geduld.“

Von Kathrin Kabelitz