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Bad Düben Kinder aus Weißrussland erholen sich in Nordsachsen
Region Bad Düben Kinder aus Weißrussland erholen sich in Nordsachsen
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12:09 09.07.2019
Eine große La-Ola-Welle gab es zum Abschluss des gemeinsamen Sportnachmittages mit den Kindern aus dem weißrussischen Saschirje und den Turnerinnen des TV Blau-Gelb 90 Bad Düben. Quelle: Steffen Brost
Laußig/Bad Düben

Fröhliches Kindergeschrei dringt aus der Turnhalle in der Durchwehnaer Straße in Bad Düben. Drinnen wird gerade Trampolin gesprungen. Heute sind 20 Mädchen des Folklore-Ensembles Sonejka aus dem weißrussischen Saschirje zu Gast. Für zwei Wochen erholen sich die Kinder in der Region immer noch von den Folgen der atomaren Tschernobyl-Katastrophe von 1986. Die Geräteakrobaten und Trainer des TV Blau-Gelb 90 Bad Düben haben die jungen Weißrussen zu einem gemeinsamen Sportnachmittag in die Turnhalle eingeladen. Die Kinder turnen, springen Trampolin und spielen Spiele.

Bei einer sportlichen Begegnung zwischen den Turnerinnen des TV Blau-Gelb 90 Bad Düben und Mädchen des weißrussischen Folklore-Ensembles Sonejka wurde geturnt, Trampolin gesprungen und Zwei-Felder-Ball gespielt.

„Eine ganz tolle Sache. Hier können sich unsere kleinen Gäste ordentlich austoben“, ist Laußigs Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos) begeistert. Seit 1994 kommt jedes Jahr ein Bus mit Kindern aus Saschirje nach Nordsachsen. Es sind Tschernobylkinder der dritten Generation, deren Eltern und Großeltern die Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl im Jahre 1986 miterlebt haben und an dessen Folge die Menschen bis heute leiden. Dank des Einsatzes der Elterninitiative für Saschirje können sich jedes Jahr Kinder aus dem ehemaligen Katastrophengebiet in Laußig erholen. Die Mädchen kommen alle vom Kinder- und Jugendensemble Sonejka. Ihr kleines Dorf ist nur etwa 80 Kilometer Luftlinie von Tschernobyl entfernt.

Alles begann mit dem Leipziger Stadtfest 1994

Angefangen hatte alles beim Leipziger Stadtfest 1994. Damals war das Ensemble in Leipzig zu Gast, und es wurden Gastfamilien für die Tänzer gesucht. Rainer Winkler, der Initiator der alljährlichen Fahrt, nahm einige auf. „Wir lernten die Menschen kennen und sagten zum Abschied, dass wir uns wiedersehen wollen. Im Jahr darauf waren sie wieder da. Jetzt war unsere Elterninitiative für Saschirje der neue Gastgeber. Es entstand ein Projekt, das wir bis heute erfolgreich durchführen,“ erklärt der Leiter der Elterninitiative Rainer Winkler. Jedes Mal kommen bis zu 20 Kinder für einen Erholungsurlaub nach Deutschland. Mittlerweile sind es schon über 500 Mädchen und Jungen gewesen.

Strahlung – auch 33 Jahren nach Tschernobyl

Wichtigster Aspekt ist bei jedem Aufenthalt die Gesundheit. Denn nach wie vor gibt es in der Region um Tschernobyl Strahlung – auch 33 Jahren nach der Reaktorkatastrophe. Die Folgen sind vermehrt Hasenscharten bei Neugeborenen, blasse Gesichtsfarbe sowie eine geringe Belastbarkeit der Kinder. So ein Aufenthalt in Deutschland habe nachhaltige Wirkung, betont Winkler. „Die Tage bei uns senken das Strahlenpotenzial bei den Kindern um 15 Prozent. Denn hier bekommen sie eine gesunde Ernährung und viel frische Luft.“ Bis heute würden in Weißrussland Pilze und Beeren aus den Wäldern gegessen, der noch atomar verseucht ist.

Reise ist für die Kinder kostenfrei

Auch in diesem Jahr gelang es der Elterninitiative, rund 8000 Euro für den Aufenthalt der Kinder aus Weißrussland zusammenzubekommen. „Alles wird größtenteils über Spenden und Fördermittel finanziert. Denn für die Kinder ist der Aufenthalt völlig kostenfrei“, so Rainer Winkler. Er und seine Helfer haben es geschafft, auch diesmal wieder ein spannendes Besuchsprogramm zusammenzustellen. So geht es einen Tag nach Erfurt, auf Exkursion in die Dübener Heide, es gibt Bastel- und Sportnachmittage und ein Wochenende bei Gasteltern.

Ensemble lädt am Samstag in Laußig ein

Danken tun es die jungen Weißrussen mit sieben Auftritten in der Region. „Wir singen und tanzen unter anderem in der Leipziger Universitätsklinik, im Bad Dübener Waldkrankenhaus, in der Kulturscheune Schwemsal und beim Abschlussfest in Laußig“, so Winkler. Am Sonntag geht es dann wieder die 1500 Kilometer zurück nach Saschirje. Auch für Ensemble-Leiterin Natalia Turtschin ist die alljährliche Deutschlandreise ein Höhepunkt. „Die Kinder haben Spaß und schöpfen neue Kraft bis zum nächsten Besuch“, erzählt sie. Beim Bad Dübener Turnverein bedankten sich die weißrussischen Gäste mit ein paar spontanen Liedern und Tänzen. „Das hat heute ganz viel Spaß gemacht“, war Turnerin Rieke Stein begeistert.

Zu einem musikalischen Intermezzo laden die Mädchen des Kinder- und Jugendfolkloreensembles Sonejka am Samstag ab 15 Uhr ein. Im Hofgarten an der ehemaligen Schule in Laußig wollen sich die jugendlichen Gäste im Rahmen des Abschlussfestes bei ihren Freunden und Gasteltern bedanken und verabschieden.

Von Steffen Brost

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