Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bad Düben Mordkommandos in Düben: Appell 1941 auf dem Hitler-Platz
Region Bad Düben Mordkommandos in Düben: Appell 1941 auf dem Hitler-Platz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:12 13.05.2019
Der heutige Paradeplatz in Düben auf einer Postkarte, von 1933 bis 1945 hieß er „Adolf-Hitler-Platz“. Quelle: Sammlung Eberhard Ulm
Bad Düben

Vier Einsatzgruppen sind 1941 in der Dübener Heide aufgestellt worden. Mitglieder dieser Einsatzgruppe D haben bis Ende 1942 rund 91 000 Menschen getötet – durch Erschießen, Erhängen und schließlich mit Gaswagen. Eberhard Ulm, promovierter Pädagoge, hat zu diesem Thema den Aufsatz „Mordkommandos in Düben“ verfasst, den wir in Fortsetzungen veröffentlichen (Teil 6).

Ausbildung von Strafrecht bis Landeskunde

Folgende Ausbildungsinhalte wurden laut Zeugenaussagen in Nachkriegsprozessen besonders den Angehörigen der Waffen-SS und der Ordnungspolizei, die den Einsatzgruppen zugeteilt worden waren, „relativ gründlich“ vermittelt: Kriminaldienstkunde, Strafrechtskunde und Grenzpolizeidienst. Für alle Mitglieder der Einsatzgruppen fanden bei der im Vordergrund stehenden theoretischen Ausbildung folgende Themen Berücksichtigung: nationalsozialistische Weltanschauung, landeskundliche Vorträge von „Experten“ aus Berlin, Belehrungen über das Verhältnis von Sicherheitspolizei und Wehrmacht sowie der Wehrmacht grundsätzlich erteilte neue Befehle wie „Gerichtsbarkeitserlass Barbarossa“, mit dem zumindest das Führungspersonal vertraut gemacht wurde, und „Kommissarbefehl“.

Theorie in der Stadtschule am Kirchplatz

Weiterhin wurden Vorträge durch die „Ostexperten des SD“ wie Dr. Heinz Gräfe, beziehungsweise Angehörige der Zivilverwaltung, wie dem Bürgermeister von Tilsit, Dr. Hans Schindowski, zur Verbesserung des Kenntnisstandes über die Sowjetunion gehalten, darunter auch ein Vortrag über „russische Mentalität“. Angehörige der Wehrmacht referierten über den Partisanenkampf, die Rote Armee, die klimatischen Bedingungen und über angeblich in der Sowjetunion speziell vorkommende Krankheiten.

Über gesuchte Personen und mögliche Kollaborateure konnte man sich mit einem alphabetisch und nach Orten gegliederten „Sonderfahndungsbuch UdSSR“ vertraut machen. Angrick schätzt das Sonderfahndungsbuch so ein, dass „im Juni 1941 ... das Wissen über die Sowjetunion … so schlecht (war), daß (es) nicht als wirkliches Hilfsmittel zur Besetzung eines unbekannten Landes anzusehen war.“ Der theoretische Unterricht wurde der Einsatzgruppe D in Düben – vermutlich so wie der „12. SS-Totenkopf-Standarte“ – „in der Schule“, also der Stadtschule am Kirchplatz erteilt.

Eventuell Nutzung des „alten“ Sportplatzes am Moorbad

Der praktische Teil der Ausbildung umfasste Sport, körperliche Ertüchtigung, Gelände- und Schießübungen „in der Dübener Heide“. Denkbar ist dafür auch die Nutzung des „alten“ Sportplatzes am Moorbad.

Die bereits benannten Quellen weisen für die Verabschiedung der Einsatzgruppen unterschiedliche Ortsangaben aus: „nahe Düben“ (Höhne), „bei Düben“ (Drobisch/Goguel/Müller), „in Düben“ (Littell) habe Heydrich eine Abschlussrede gehalten.

Browning betont, dass am 17. Juni 1941 „in Berlin unter Heydrichs Leitung eine Sitzung aller Führungskader der Einsatzgruppen statt(fand), und bevor diese ausrückten, der Chef des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) auf der Abschiedszeremonie in Pretzsch eine Ansprache“ gehalten hat. Angrick präzisiert, dass Heydrich die vier Einsatzgruppen am 20. Juni 1941 in Pretzsch verabschiedete und in seiner Rede ausführte, „dass der kommende Einsatz ihnen alles abverlangen und sie zu großen Härten zwingen werde“. Streckenbach wiederum verabschiedete das Führerkorps der Einsatzgruppen bei einem kleinen Empfang, bei dem er eine „fünf- bis zehnminütige Rede“ hielt.

Gemeinschaftsgefühl sollte sich entwickeln

Browning führt weiter aus: „Zudem wurden zumindest die Mannschaften von Einsatzgruppe D für einige Tage in Düben zusammengezogen, damit sie vor dem Abmarsch an die Front ein gewisses Gemeinschaftsgefühl entwickelten.“ Angrick ergänzt hinsichtlich der Zusammensetzung der Mannschaften: „… Ohlendorf zog mit seinen Leuten geschlossen noch für ein paar Tage nach Düben … damit dieser zusammengewürfelte Haufen von Funktionären, SD-Intellektuellen, Gestapo-Angehörigen, volksdeutschen Dolmetschern, Polizeioffizieren und -mannschaften, aber auch Funkern, Mechanikern und Köchen, so etwas wie eine homogene Einheit werden konnte“. Bevor also die Verlegung ins Operationsgebiet erfolgte, vergnügten sich die Männer der Einsatzgruppe D mehrere Tage in Düben.

Dass Heydrich die Einsatzgruppe D in Düben verabschiedet hat, kann als ausgeschlossen gelten. Niendorf erinnerte sich, „daß ... in Düben ein SS-Führer bei einer Ansprache ausführte, daß ein Einsatz bevorstehe ... jeder seinen Mann zu stehen habe ... [und] daß es nicht Heydrich war.“ Ohlendorf hingegen hielt in Düben – mit großer Wahrscheinlichkeit am 27. Juni 1941, einen Tag vor dem Ausrücken – bei einem Abschlussappell auf dem „Adolf-Hitler-Platz“ vor seinen 600 Männern, also der Einsatzgruppe D, eine Ansprache. Im Anschluss marschierte die Truppe zu den „SS-Häusern“, den Wohnblocks in der „Feldherrensiedlung“.(wird fortgesetzt)

Bisher erschienen:

Mordkommandos in Düben – die Vorbereitung (Teil 1)

Mordkommandos in Düben: SS-Männer beziehen 1940 Quartier (Teil 2)

Mordkommandos in Düben: Eine Postkarte und ein Gedicht (Teil 3)

Mordkommandos in Düben: Konkreter Auftrag blieb lange unklar (Teil 4)

Mordkommandos in Düben: Besuch im Moorbad gehörte dazu (Teil 5)

Von Eberhard Ulm

Vor der historischen Kulisse der Dübener Burg trafen sich wieder Ritter, Gaukler und Handwerker zum Mittelalterspektakel. Nach dem verregneten Samstag kamen am Sonntag viele Besucher.

12.05.2019

Die Bad Dübener Schützengilde hat das 25. Jubiläum ihrer Wiedergründung gefeiert. Dabei wurde auch ein Ehrenmitglied aufgenommen.

12.05.2019

Die Eisheiligen sind da? Die Antwort der Dübener Kurrende heißt: „Wie lieblich ist der Maien.“ Am Sonnabend gabs ein wärmendes Abendsingen mit vielen neuen Gesichter im Chor. Ein süßes Geheimnis wurde auch noch gelüftet. UPDATE: Jetzt mit Video.

12.05.2019