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Bad Düben Mordkommandos in Düben: Konkreter Auftrag blieb lange unklar
Region Bad Düben Mordkommandos in Düben: Konkreter Auftrag blieb lange unklar
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18:41 08.05.2019
Das Foto zeigt den Führer des SK 11a, Paul Zapp, mit seinen Offizieren, und in welchen Uniformen (Totenkopf am Käppi) diese Männer in Düben aufgetreten sind. Bemerkenswert ist, dass die Einsatzgruppe voll motorisiert war, was in der Wehrmacht durchaus nicht der Fall war, um eben „mobil“ zu sein, um einen Ort nach dem anderen zu „überholen“, also die jüdische Bevölkerung zu erfassen und zu ermorden. Wo das Foto aufgenommen wurde, ist nicht genau feststellbar. Es könnte zwischen Pretzsch und Bad Schmiedeberg entstanden sein. Quelle: Staatsarchiv München, Akte Staatsanwaltschaften 33109/65
Bad Düben

Vier Einsatzgruppen sind 1941 in der Dübener Heide aufgestellt worden. Mitglieder dieser Einsatzgruppe D haben bis Ende 1942 rund 91 000 Menschen getötet – durch Erschießen, Erhängen und schließlich mit Gaswagen. Eberhard Ulm, promovierter Pädagoge, hat zu diesem Thema den Aufsatz „Mordkommandos in Düben“ verfasst, den wir in Fortsetzungen veröffentlichen (Teil 4).

Burg Düben um 1940 auf einer Postkarte. Hier auf der Burg hatte Obersturmbannführer Heinz Seetzen seine Meldestelle eingerichtet. Quelle: Sammlung Eberhard Ulm

Die in Düben ankommenden Angehörigen der Einsatzgruppe D mussten sich nach den Erkenntnissen von Stephen Tyas zuerst bei Obersturmbannführer Heinz Seetzen einfinden, der auf der Burg seine Meldestelle eingerichtet hatte. Dort erhielten die Ankömmlinge Informationen, welchem Kommando sie zugeteilt waren und bezogen dann Quartier in den neu errichteten Wohnblocks der auf 200 Wohnungen ausgelegten „Werkssiedlung“, dem „SS-Lager Düben“ in der Hindenburgstraße (heute: Kohlhaasstraße).

Im Schützenhaus erhielten die Männer ihre Verpflegung. Die Offiziere wurden im „Parkschloss“, das auch als „Anlaufstelle“ bezeichnet wurde, und in Privatquartieren untergebracht. Seetzen soll in einem Haus am Fuße der Burg Quartier gemacht haben, nachweislich hat er im Postweg 1a gewohnt.

Postkarte mit dem Parkschloss Düben um 1940 (2012 abgerissen). Die Offiziere wurden im Parkschloss und in Privatquartieren untergebracht. Quelle: Sammlung Eberhard Ulm

Roman „Die Wohlgesinnten“ hat Aufsehen erregt

Die Aufstellung der Einsatzgruppen im Mai/Juni 1941 in der Dübener Heide hat Eingang in einen lesenswerten, weil fesselnden und zugleich bestürzenden Roman, „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Littell, gefunden, der bei seinem Erscheinen großes Aufsehen erregte – und 2010 Anstoß war, die Erarbeitung dieser Darstellung, die 1991 begonnen wurde, wieder aufzunehmen: „Die Reden von Müller und Streckenbach in Pretzsch strotzten vor schönen Phrasen über die Notwendigkeit von Mitleidlosigkeit und Unerbittlichkeit; doch abgesehen von der Bestätigung, dass wir tatsächlich nach Russland zogen, beschränkten sie sich auf Allgemeinheiten. Heydrich wäre in Düben bei der Abschiedsparade vielleicht deutlicher geworden; doch kaum hatte er das Wort ergriffen, ging ein heftiger Regen nieder: Er brach seine Rede ab und verschwand Richtung Berlin.“

Cover des Buches von Jonathan Littell. Quelle: Verlag

Nun mag es seltsam anmuten, einen Roman in einem wissenschaftlichen historischen Aufsatz zu zitieren, diese belletristische Darstellung folgt jedoch selbst in diesem Detail einer Aussage von Erwin Schulz beim Einsatzgruppenprozess 1948, dass Heydrich – allerdings in Pretzsch – durch die Reihen der angetretenen Einsatzgruppen eilte, „um angesichts des gerade heraufziehenden Unwetters schnell wieder zu seinem Flugzeug zu kommen“.

Wann ist der konkrete Mordbefehl erteilt worden?

Weiterhin legt Littell das Augenmerk auf eine lange unklare Frage, wann nämlich die Einsatzgruppen den konkreten Mordbefehl erhalten haben. Ogorrek führt in einer bestechend logisch aufgebauten Arbeit den Nachweis, dass erst Mitte August 1941 befohlen wurde, „die angetroffenen Juden im sowjetischen Okkupationsbereich unterschiedslos, gleich ob Frau, Mann oder Kind, zu erschießen“.

Während der Ausbildung, die vom Reichssicherheitshauptamt beaufsichtigt und geführt wurde, ist dieser Befehl nicht erteilt worden.

Geplante Judenerschießungen nicht offen angesprochen

All diese Details wurden auch von Niendorf, der dem Einsatzkommando 10a von Heinz Seetzen zugeteilt worden war, bestätigt: „Über unsere zukünftigen Aufgaben wurde uns in Düben nichts gesagt. Es kursierte die Parole, daß uns Rußland freie Durchfahrt zu den Oelquellen von Baku gestattet habe und daß wir dort eingesetzt werden würden. ... Welche Aufgaben wir zu erfüllen haben würden, erfuhren wir von Seetzen. Ich kann mich noch daran erinnern, daß Seetzen auf russischem Gebiet alle Kommandoangehörigen in einem großen Garten versammelt hat und eine Ansprache hielt. Er sprach davon, daß von allen manches verlangt werden würde, was mancher nicht übers Herz bringen würde. In diesem Zusammenhang deutete Seetzen auf Judenerschießungen hin, ohne aber offen davon zu sprechen.“ Einen Tag vor der Abfahrt nach Rumänien erhielt Niendorf noch Besuch von seiner Frau.

(wird fortgesetzt)

Bisher erschienen:

Mordkommandos in Düben – die Vorbereitung (Teil 1)

Mordkommandos in Düben: SS-Männer beziehen 1940 Quartier (Teil 2)

Mordkommandos in Düben: Eine Postkarte und ein Gedicht (Teil 3)

Von Eberhard Ulm

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