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Bad Düben Nordsachsens Wälder leiden unter massivem Borkenkäferbefall
Region Bad Düben Nordsachsens Wälder leiden unter massivem Borkenkäferbefall
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14:42 12.02.2019
Der Borkenkäfer sorgt derzeit für massive Probleme in Nordsachsens Wäldern. Quelle: dpa
Taura

„Die Situation ist dramatisch – wenn wir Glück haben, kommen wir mit einem tiefblauen Auge davon.“ Jan Glock ist seit vielen Jahren Leiter des Forstbezirkes Taura, solch eine schwierige Lage wie die, für die derzeit der eigentlich nur wenige Millimeter große Borkenkäfer sorgt, haben er und seine Kollegen im gesamten Forstbezirk, der Teile der Dübener und Dahlener Heide umfasst, noch nicht verzeichnen müssen. Experten warnen bereits: Dem Freistaat könnte ein schlimmes Borkenkäferjahr bevorstehen.

Bäume leuchten rotbraun

Aus der Ferne zeigt sich dem Beobachter schon seit Wochen ein ungewohntes Bild am Waldesrand: Statt grüner Kiefernkronen sind rotbraun leuchtende Bäume zu sehen. Aus der Nähe ist dann zu erkennen, dass von den großen Kiefern die Rinde zu Boden fällt und auf den Rindenstücken und kahlen Stämmen eigenartige Muster mit staubigem Belag zu sehen sind. Ursachen, warum es den Bäumen so schlecht geht, gibt es einige. Die Kombination Sturm, lang anhaltende Trockenheit und extreme Hitze hat dem Borkenkäfer im letzten Jahr ideale Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen verschafft.

Hungrige Käfer stürzen sich auf geschwächte Bäume

Bäume, die dem Okan widerstanden hatten, waren geschwächt und anfällig für allerlei hungrige Käfer, die sich bei dieser Witterung sehr wohlfühlten und massenhaft vermehrten. „Durch ihren zerstörerischen Fraß unter der Rinde bringen sie die Kiefern genauso zum Absterben wie winzige pilzliche Erreger, die über die Nadeln den Baum befallen“, macht Peter Grunewald, Referent für Privat- und Körperschaftswald beim Staatsbetrieb Sachsenforst im Forstbezirk Taura die schlimmen Folgen für die Bäume deutlich.

Waldbesitzer müssen reagieren

Schon jetzt ist klar, dass eine große Käferdichte ins nächste Jahr gestartet ist. Die Ideal-Variante, die rein wettertechnisch den Forstwirten jetzt ins Konzept passen würde, wäre ein feuchtes und kaltes Frühjahr. Allein darauf hoffen, ist allerdings keine Lösung. Reaktionen sind deshalb längst erfolgt. Der Forstbezirk setzt darauf, die Waldbesitzer für das Problem Borkenkäfer zu sensibilisieren und bietet Informationsveranstaltungen an, in denen es um das Erkennen von Schadsymptomen und deren Verursacher geht sowie um die Folgen und Gegenmaßnahmen, die jeder Waldbesitzer bei seinem Bemühen, den Wald zu erhalten, ergreifen kann.

Befallene Bäume müssen entfernt werden

Denn Zeit zum Abwarten ist keine mehr. „Der Käfer überwintert zwischen Rinde und Holz, schlüpft bei Wärme, fliegt wieder aus und befällt neue Bäume. Deshalb müssen die befallenen Bäume bis April aus den Wäldern raus“, so Jan Glock. Das Problem: Die Lage auf dem Holzmarkt ist bereits kritisch, dies wird bestehen bleiben. Finden sich also nicht gleich Abnehmer, muss das Holz zwischengelagert werden, möglichst rund einen bis anderthalb Kilometer weit vom Wald weg. Die Entfernung sollte reichen, dass der Käfer nicht zurückfindet und sich einen neuen Unterschlupf sucht. Doch wohin mit dem Holz? Auf der Suche nach geeigneten Arealen will Glock nun mit Kommunen ins Gespräch kommen.

Infoveranstaltung am Mittwoch

Heute um 18 Uhr gibt es in Taura (Bowlingbahn) sowie in der Gaststätte Fröhlich in Ochsensaal die vorerst letzten von vier Informationsveranstaltungen, zu denen den Forstbezirk aufgrund der aktuellen Lage eingeladen hat. Alle 4500 nordsächsischen Waldbesitzer damit zu erreichen, ist Illusion. Jan Glock ist dennoch zufrieden, wenn zu den Terminen, so wie bisher, zwischen 50 und 70 Waldbesitzer kommen, die dann die Informationen, welche Maßnahmen in Eigeninitiative sie treffen, wann und wo die Förderung beantragt wird, weitergeben. Die Waldbesitzertage könnten aber nur ein Anfang sein, seine Mitarbeiter stehen auch weiterhin beratend zur Seite.

Acht Millionen Euro für Sofortmaßnahmen

Auch, wenn es darum geht, dass in der kommenden Woche eine neue Förderrichtlinie verabschiedet werden soll, die Waldbesitzer auf finanzielle Unterstützung bei Sofortmaßnahmen gegen den Borkenkäfer hoffen lässt. Wie das im Detail aussehe, müsse abgewartet werden, so Glock. Rund acht Millionen Euro sollen zur Verfügung stehen. Wie weit diese ausreichen, kann er nicht einschätzen: „Wir wissen nicht, wie die Witterung die Generation der Käfer beeinfluss.“ Es sei aber auf jeden Fall eine gute Grundlage, um die Leute zu aktivieren.

Von Kathrin Kabelitz

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