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Bad Düben Ski heil! Langlauf in der Dübener Heide läuft – ein Selbstversuch
Region Bad Düben

Ski heil! Langlauf in der Dübener Heide läuft – ein Selbstversuch

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13:50 07.02.2021
Winterwunderland und fast perfekter Ski-Spaß: LVZ-Redakteur testete die Strecken in der Dübener Heide.
Winterwunderland und fast perfekter Ski-Spaß: LVZ-Redakteur testete die Strecken in der Dübener Heide.  Quelle: Olaf Majer
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Bad Düben

 Morgens gegen 9 Uhr, das Thermometer zeigt minus 3 Grad, draußen alles weiß! Perfektes Wetter, um den Tag mit Wintersport zu beginnen. Die fast vergessenen Langlauf-Ski fix vom Dachboden geholt und mit Parafin gewachst. Dazu fix die Schuhe, den Skianzug, Handschuh, Stöcke: Und dann ab auf die Piste! In der Dübener Heide? Ja, in der Dübener Heide! Ski-Langlauf ist schließlich kein Privileg der klassischen Wintersport-Orte. Die heimischen Wanderwege tun’s auch. Und ersparten lange Anfahrtswege. Hier drei Tipps:

Tipp 1: Der geruhsame Rundkurs für Einsteiger

Die ersten Gehversuche auf Ski, ein geruhsames Tempo und unterwegs viel zauberhaften Winterwald genießen? Für Einsteiger ist am Startort Bad Düben der Rundweg zum Gesundbrunnen ideal. Als Einstieg in die Strecke empfiehlt sich der Beginn des Spatenweges, gegenüber der Abfahrt zum Dübener Ortsteil Hammermühle an der B2. Am Anfang geht es noch auf dem leicht beräumten Zufahrtsweg entlang. Sportliche Skifahrer haben hier aber längst eine schöne griffige Spur neben dem Weg im Schnee gezogen. Nach wenigen hundert Meter beginnt dann der Wald, die Strecke führt entlang an einzelnen Häusern und Wochenendgrundstücken. Bis hierhin ist der Weg noch leicht beräumt. Nach dem letzten Wohnhaus ist aber Schluss – ab jetzt helfen Reifenspuren des Förster-Jeeps oder vorgezogenen Spuren anderer Skifahrer zum besseren Halt im Schnee. Eine professionelle Loipenspur sucht man hier natürlich vergebens: Wir sind im Heidewald und nicht in einem klassischen Skigebiet. Aber es geht erstaunlich gut: Vor allem die Spuren der anderen helfen sehr. Nach etwa zwei Kilometern gabelt sich der Weg dann – die Strecke zum Gesundbrunnen ist gut ausgeschildert und führt nach rechts an einer kleinen Schutzhütte vorbei. Ich widerstehe dem Drang zum zweiten Frühstück – das Müsli bleibt in der Jackentasche. Jetzt wird der Kurs welliger. Dafür belohnt nach etwa zehn Minuten der herrliche Blick über eine Schonung: Die Sonne blitzt durch den Zauberwald: Winterwunderland perfekt! Nach einem weiteren Kilometer folgt der letzte leichte Anstieg zum Gesundbrunnen – einer Quelle, die sehr eisenhaltiges Wasser sprudeln lässt.

Kleiner Extra-Tipp: Wer noch einen kleinen Kick sucht, der biegt retour kurz nach links ab – in Richtung alte Nerzfarm. Nach wenigen hundert Meter öffnet sich der Wald zu einem herrlichen Panoramablick über die verschneite Landschaft – und einem Hügel, der mir Flachlandtiroler das Gefühl gibt, Abfahrt zu können. Ist ja gelacht: Der Majer als Hermann Maier – dem „Herminator“, Sieger der Streif... Ich werde hier leider gestriffen: Beim Überschlag im Schnee (siehe Video).

Zurück geht es dann auf dem ausgeschilderten Rundweg wieder in Richtung Bad Düben – diesmal über den Reinharzer Weg. Tipp: Am kleinen Waldfriedhof links abbiegen und wieder über den Spatenweg zurück. Läuft sich besser.

Fazit: Tolle Strecke, die landschaftlich schön ist und keinen überfordert. Schafft man bequem in etwa 60 Minuten.

Tipp 2: Die Tempo-Strecke für Sportliche

Wer’s sportlicher mag und trotzdem Waldluft genießen möchte, ist mit der Strecke zur Siebenarmsäule gut bedient. Los geht’s diesmal direkt am Dübener Waldfriedhof. Anfahrt auf der B2, Richtung Wittenberg, rechts der Ausschilderung zu Neubert Orthopädietechnik folgen. Links abbiegen, am Waldfriedhof parken und rein in die Piste. Vom Start weg genieße ich hier einen reinen Waldweg – der zudem schön von anderen Skifahrern gespurt ist. Die Strecke führt fast schnurgerade bis zur Siebenarmsäule – rund zehn Kilometer misst die Strecke hin und zurück.

An der Weggabelung angekommen, gibt es die Qual der Wahl: Rückweg oder weiter – für ganz Fitte bis zum Schloss Reinharz oder zum Aussichtspunkt Schöne Aussicht (beide gut ausgeschildert). Ich entscheide mich für Rückweg, auf dem gleichen Kurs retour. Dabei bisschen Tempo machen. Mit Erfolg: Bin fast zehn Minuten schneller als hinzu!

Fazit: Eine temporeiche Strecke durch schönes Waldgebiet, landschaftlich nicht ganz so abwechslungsreich. Dauer: ca. 60 Minuten.

Tipp 3: Die Ausdauer-Strecke für Profis

Etwas Höhenluft schnuppern und Fitness steigern? Dann ab in Richtung Bad Schmiedeberg! Kurz davor rechts abbiegen zur Schönen Aussicht – ein beliebter Wanderpunkt mit dem markanten Kaiser-Wilhelm-Aussichtsturm. Spezial-Tipp: Wer seinen Schlitten dabei hat, MUSS den steilen Rodelberg links unweit des Aussichtsturm abfahren! Nervenkitzel pur. Aber nix für einen Teilzeit-Skifahrer wie mich. Ich starte also in den Schmiedeberger Stadtwald – eine Berg- und Talbahn bis an den Rand der Dübener Nachbarkurstadt. Landschaftlich sehr reizvoll – was viele Skifahrer zu schätzen wissen, der Kurs ist schön gespurt.

Nach gut fünf Kilometern endet der Weg (leider) an der Landstraße 128. Wer weiter will, schnallt kurz die Ski ab und folgt auf der anderen Seite dem Wanderweg in Richtung Reinharz. Hier wartet das rund 300 Jahre alte, romantische Wasserschloss Reinharz – tolles Fotomotiv! Das Schloss ist auch über Siebenarmsäule (siehe Tipp 2) oder von der Schönen Aussicht direkt zu erreichen – hier einfach nach links starten und dem ausgeschilderten Weg folgen.

Fazit: Bis Reinharz ist es eine anspruchsvolle Tour, Dauer je nach Kurs bis zu 3 Stunden. Aber auch der Stadtwald allein lohnt mit seinem abwechslungsreichen Kurs.

Der Technik-Tipp

Schön für Einsteiger: Im Heidewald sind meist keine austrainierten Skihasen unterwegs. Hier kommt man auch ohne professionelle Ski-Technik vorwärts.

Für den Hausgebrauch reicht die normale Diagonaltechnik: Also immer mit einer Skispitze vor und mit dem anderen Bein auf dem Ski abdrücken und die Stöcke wechselseitig einsetzen.

Fortgeschrittene mit mehr Kraft in den Oberarmen verwenden auch gern die Doppelschubtechnik. Das heißt, hier erfolgt der Schub komplett aus den Armen heraus: Mit den Stöcken parallel abstoßen und die Ski auf gleicher Höhe nebeneinander laufen lassen.

Profis, die die anspruchsvolle Skatingtechnik draufhaben, wird man im Heidewald eher selten antreffen. Sie empfiehlt sich auch nicht, da die meisten Strecken nicht planiert sind, im Tiefschnee kommt man beim Skaten kaum voran.

Die Strecken im Dübener Heidewald sind klassische Wanderstrecken, das heißt, hier wird nicht professionell gespurt. Auch sind immer wieder mal Wurzeln oder umgestürzte Bäume im Weg. Dafür reizt die unglaubliche Ruhe im Wald: Vor allem auf den Nebenstrecken trifft man in der Woche kaum einen anderen Wanderer oder Skiläufer.

Das Gesamturteil

Ski heil! Weil gerade Fahrten in die mitteldeutschen Wintersportorte coronabedingt nicht möglich sind, finden Skiläufer zumindest im 15-Kilometer-Radius um Bad Düben und Umgebung in der Dübener Heide ihren Spaß. Hier gibt’s Natur pur auf zum Teil fast unberührten Wegen. Skiverleih und Gastronomie gibt es entlang der Strecken nicht – und im nahen Bad Düben ist derzeit ebenfalls bedingt durch die Pandemie eine Einkehr möglich. Trotzdem: Langlauf im Heideland? Das läuft!

Von Olaf Majer