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Bad Düben Spendenaktion Licht im Advent: Neue Hoffnung für Dirk Wendel
Region Bad Düben

Spendenaktion Licht im Advent: Neue Hoffnung für Dirk Wendel

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09:18 27.11.2021
Ein Licht im Advent: Durch die Rheumaerkrankung von Dirk Wendel (links) wurde das Leben seiner Familie letztes Jahr auf den Kopf gestellt. Die Söhne Arne und Bruno, sowie seine Frau Janine (v.l.n.r.) wünschen sich eine wirksame Behandlung.
Ein Licht im Advent: Durch die Rheumaerkrankung von Dirk Wendel (links) wurde das Leben seiner Familie letztes Jahr auf den Kopf gestellt. Die Söhne Arne und Bruno, sowie seine Frau Janine (v.l.n.r.) wünschen sich eine wirksame Behandlung. Quelle: Heike Nyari
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Bad Düben

Die Arme vorm Körper verschränkt, liegend und ganz in Ruhe – manchmal verharrt Dirk Wendel (49) den ganzen Tag so auf dem Sofa. Das sind die schlimmen Tage. Jede Bewegung tut weh. Nicht einmal ein T-Shirt kann er an jenen Tagen alleine ausziehen.

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Im Spätsommer vergangenen Jahres schmerzte Dirk Wendels Knie – falsch belastet, war sein erster Gedanke. Doch dann tat zusätzlich die Hüfte weh, nach und nach alle Gelenke. „Dann begannen die schlaflosen Nächte“, beschreibt er. Stöhnend vor Schmerz wacht der Familienvater seitdem mehrfach nachts auf. Innerhalb eines Jahres wurde die Rheumaerkrankung immer schlimmer. Heute weiß Dirk Wendel: Sie ist vererbbar und hat einen Auslöser.

„Das letzte Jahr war einfach nur der Horror“

Es folgten Monate voller Schmerzmittel: Cortisol und Tilidin. Dies verunsicherte seinen 15-jährigen Sohn Bruno. Der Schüler spielte ihm den gleichnamigen Song des Rappers Capital Bra vor, der die Gefahr der Abhängigkeit vom Medikament Tilidin beschreibt. Auch deshalb versucht Dirk Wendel, nicht ständig vor seiner Familie die Schmerzmittel zu nehmen. „Aber ich höre ja, wenn das Blister in der Küche knistert. Und ich weiß, er will vor uns stark sein, hat aber einfach extreme Schmerzen“, sagt Janine Wendel und schaut ihren Mann liebevoll an.

Die 38-jährige Janine Wendel ist den Tränen nahe, als sie vom letzten Jahr erzählt. Es begann mit Problemen des herzkranken Sohnes Bruno. Seit dem ersten Lebensjahr hat der Teenager einen Stent. Bei einer Routineuntersuchung kam der erste Schreck: Es wächst nicht alles wie geplant, eine OP wurde angesetzt. Kurz bevor es so weit war, folgte die Diagnose von Oma Ruth (84). Dirk Wendels Mutter hat Brustkrebs und muss operiert werden. Brunos OP wurde verschoben und lief dann nicht ohne Komplikationen. Auf dem Weg ins Krankenhaus hatte Janine Wendel den zweiten Autounfall im Coronajahr 2020. Doch damit nicht genug: Im Herbst folgte die Rheumaerkrankung ihres Mannes.

Schmerzlinderung bei minus 110 Grad

Das Paar sitzt am Esstisch, dahinter hängen versetzt in weißen Holzbilderrahmen etwa 30 Familienbilder. Fotos von Urlauben am Strand, Kinderbilder von Bruno und dem heute 13 Jahre alten Arne, dazwischen auch mal ein Pärchenbild der Eheleute. Nicht fotoalbumreif dagegen ist das letzte Jahr: triste Wartezimmer, viele Arzttermine und vier verschiedene Diagnosen. „Jedes Mal, wenn wir einen neuen Versuch gewagt haben, hatten wir Hoffnung, dass es diesmal hilft, diesmal wird es besser.“ Dirk Wendel erzählt von etlichen Therapiemethoden, die er bereits ausprobiert hat. Bis jetzt hat nur die Kältekammer geholfen, seine Schmerzen zu lindern.

Nur in Badehose, Handschuhen und Mütze geht es für zuerst 30 Sekunden in einen minus 20 Grad kalten Raum, dann weiter zwei Minuten bei minus 60 Grad und zuletzt zwei weitere Minuten bei minus 110 Grad. „Ich habe mich wie neu geboren gefühlt!“, beschreibt er und setzt sich etwas aufrechter hin, „diese 13 Tage war ich nahezu schmerzfrei. Ich dachte: Ja, jetzt hast du eine Behandlung gefunden! Doch als ich wieder zu Hause war, waren die Schmerzen nach zwei Tagen wieder da und genauso schlimm wie vorher.“ Der 49-Jährige wirkt ernüchtert. Manchen hilft Kälte, anderen Wärme für die Schmerzlinderung in den Gelenken. Für eine tägliche Nutzung ist die Kältekammer viel zu weit weg. Im Rahmen der Aktion „Licht im Advent“, soll nun Geld gesammelt werden, welches Dirk Wendel weitere Kältetherapien oder neue Behandlungsansätze ermöglicht.

Disponent bei Profiroll

Nächste Woche geht es für ihn zur Reha. „Wir waren noch nie so lange voneinander getrennt“, erzählt der Ehemann und schaut Janine Wendel an, „wir machen eigentlich immer alles zusammen.“ Bei der Reha soll festgestellt werden, ob er Rente bekommt oder welche Arbeit er mit der Erkrankung noch leisten kann. Bis zum letzten Jahr war er als Disponent in der Firma Profiroll tätig: „Meine Kollegen fehlen mir. Mir fällt die Decke auf den Kopf und ich möchte arbeiten. Aber ich kann es gerade einfach nicht.“ Dirk Wendel wirkt steif, wenn er am Tisch sitzt, bewegt sich wenig, schleicht langsam durch die Wohnung, um etwas zu holen. Es sieht aus, als ob jede Bewegung zu viel belastende Schmerzen auslöst. Die Krankheit hat den sportlichen Körper komplett im Griff. „Heute ist ein guter Tag“, betont er mit einem müden Lächeln.

Jeden Tag um 15 Uhr geht es quer über den Hof zu Oma Ruth zum Kaffeetrinken, etwas plaudern oder auch mal zu einer Partie Rommé. Darin hat sie schon immer jeden geschlagen. Heute helfen die Enkel Bruno und Arne etwas nach und warten einige Runden mit dem Herauslegen, um ihrer dementen Oma weiterhin den Sieg zu gönnen. Ruth Wendel gehört in den Familienalltag. „Ich koche immer vor“, erzählt Janine, „das Essen, das wir eine Zeit lang bestellt haben, hat sie immer dem Hund gegeben.“ Auch Aufgaben der täglichen Hygiene und Pflege übernimmt Janine, wenn der Pflegedienst nicht da ist: „Meine Schwiegermutter hat mich von Anfang an akzeptiert, sie gehört zu unserer Familie. Natürlich kümmere ich mich um sie.“

Voller Liebe und Eifer

Ihren 84. Geburtstag musste sie nach der Brustkrebs-OP letztes Jahr in der Klinik verbringen. Dirk konnte sie aufgrund seiner Erkrankung nicht besuchen. Janine hat ihre Lieblingstorte und Luftballons besorgt. „Auch ihre Zimmernachbarin hat sich sehr darüber gefreut, die Pfleger ebenso. So war es unter den Umständen doch ein schöner Tag und bisschen Leben in der Bude.“ Janine Wendel strahlt trotz allem positive Energie aus. Ihre Erzählungen sind voller Eifer und Liebe.

Fußball ist die gemeinsame Leidenschaft der Familie. Bei einem Match von Dirk haben sich Janine und er kennengelernt. Die damals 17-Jährige war auf Anhieb verliebt in den Spieler. Heut geht die Familie gern zusammen zu RB-Leipzig-Spielen. „Das ist für uns wie Akkus aufladen“, schwärmt Janine Wendel, „wenn wir zum Spiel fahren, ist die Welt kurz wieder in Ordnung“. Das Wochenende bestimmt der Fußball – sei es ein Spiel vom Jüngsten der Familie, eines des VfL 96 Tornau, den Dirk Wendel trainierte, oder von RB Leipzig.

Schmerzmittel, um Fußball zu schauen

„Manchmal nehme ich mehr Schmerzmittel, damit wir zu einem Spiel gehen können“, schämt er sich. Er schämt sich auch im Stadion. „Es ist so unangenehm, wenn mein großer Sohn mich die Treppe hoch stützen muss, die anderen denken dann bestimmt, der ist so besoffen, sein Sohn muss ihm helfen.“ Dirk Wendel hat seit der Diagnose nichts mehr getrunken. Anfangs hat er heimlich alkoholfreies Bier in das Glas gefüllt und mit seiner Mannschaft trotzdem angestoßen. „Ich habe so lange es ging versucht, es zu verstecken“, berichtet der 49-Jährige. Aktuell kann er sich nur um die Aufstellung des VfL 96 Tornau kümmern: „Da habe ich zumindest das Gefühl, auch meinen Anteil am Spiel zu haben.“

Die Familie wünscht sich, wieder sportlich unterwegs zu sein: Die Skiwoche in den Winterferien, das Nachtangeln im Sommer. Ein großer Wunsch von Sohn Bruno ist eine Reise nach Norwegen – mit dem Vater zusammen angeln und entlang der Fjorde mit einem Schiff fahren. All das steht hinter dem sehnlichsten Wunsch, eine Therapiemethode zu finden, die wirkt. „Wir würden alles Geld der Welt, alles Materielle dafür geben, wenn Dirk wieder gesund werden kann.“ Janines Augen glänzen.

Einen Wunsch hat sich Dirk Wendel vor drei Jahren erfüllt: Ein besonderes Auto. Der schwarze Geländewagen steht auf dem Hof der Familie. „Ich kann das Auto leider nicht mehr fahren, ich kann nicht einsteigen und auch nicht drin sitzen. Der Geländewagen ist ideal, um zum Angeln zu fahren“, beschreibt er. Ab und an, an guten Tagen, holt ihn ein Freund für einen kurzen Angelausflug ab. Dann trägt der Freund die Taschen mit der Ausrüstung.

Sein größter Wunsch ist es, einen Arzt zu finden, der ihm helfen kann. „Mir ist egal, was es kostet, oder wo auf der Welt der Arzt ist – ich möchte nur wieder gesund werden, die Krankheit einfach im Griff haben.“ Die Stirn des 49-Jährigen liegt in Falten, etwas Hoffnung noch in seinen Augen.

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Von Juliane Staretzek