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Bad Düben Überraschungen bei NVA-Brachen in Düben: Abriss wird teurer
Region Bad Düben Überraschungen bei NVA-Brachen in Düben: Abriss wird teurer
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07:53 15.05.2019
Die Bagger arbeiten mit Hochdruck. Nur ein paar Tage brauchen sie, um aus einem Fünfgeschosser einen großen Haufen von zerkleinertem Beton zu machen. Eisenteile und andere Materialien werden dabei herausgelöst und separat entsorgt. Quelle: Steffen Brost
Bad Düben

Die Abbrucharbeiten von Teilen der ehemaligen Unteroffiziersschule „Harry Kuhn“ in der Durchwehnaer Straße in Bad Düben laufen auf Hochtouren – aber nicht ganz so wie geplant. Bereits im März zeichnete sich ab, dass sich der zeitliche Ablauf wegen versteckter Dämmschichten in den Dächern der Gebäude und des erforderlichen Rückbaus und der Entfernung der alten Fernwärmekanäle sowie der großen Einstiegsbauwerke verzögert. Mittlerweile ist auch klar: Es wird teurer. Über eine erste Nachtragsvereinbarung in Höhe von 850 000 Euro hat der Stadtrat am Donnerstag zu entscheiden.

2,8 Millionen Euro Fördergeld

Finanziell abgesichert sollte der Nachtrag sein. Die Stadt Bad Düben hat im vergangenen Jahr einen Fördermittelbescheid über 2,8 Millionen Euro aus dem Landesbrachenprogramm für Abrissarbeiten und spätere Neugestaltung der Fläche bekommen. Im Oktober war der Auftrag an das Zwickauer Unternehmen Derag mbH vergeben worden. Nicht ohne Diskussionen, denn mit 770 000 Euro lag das Angebot der Firma weit unter dem geschätzten Kostenrahmen. Im Stadtrat waren deshalb Zweifel an der Seriosität des Angebots geäußert worden. Die Stadt hatte im Vorfeld das Ganze überprüft, aber keine Anhaltspunkte gefunden, einen Bieter auszuschließen.

Die NVA-Brachen in der Durchwehnaer Straße in Bad Düben verschwinden nach und nach. Das wird jedoch teurer als erwartet.

Der Abriss der NVA-Brachen läuft

Das ehemalige Gebäude 63 ist mittlerweile vollständig abgebrochen und die Baugrube verfüllt. Auf dieser Fläche laufen die Vorbereitungen für die Errichtung einer temporären Container- und Lkw-Abstellfläche, um die angespannte Parksituation vor der Turnhalle zu entspannen. Der Abbruch der Gebäude Nummer 13 und Nummer 49 ist ebenfalls erfolgt. Sortierung, Zerkleinerung und der Abtransport zur Entsorgung sowie der Wiederverwertung der Baustoffe sind im Gang. Der Rückbau am ehemaligen Küchengebäude hat auch begonnen. „Vom Abbruchunternehmer wurden umfangreiche verschiedene Zusatzleistungen und größere Mengen angezeigt. Dabei handelt es sich insbesondere um Mehrmengen im Bereich der Fernwärmekanäle mit ihren Ausdehnungs- und Einstiegsbauwerken. Außerdem wurde große Mengen bituminös verunreinigten Betons vorgefunden. Die genauen Dimensionen konnten im Vorfeld nicht ermittelt werden. Außerdem wurden erhöhte Aufwendungen für die Sortierung, Trennung und Entsorgung von Styropor, Dachpappe, Verwurzelungen und Baumischabfällen von der Zwickauer Abrissfirma angezeigt“, sagte Christiane Schur, Sachbearbeiterin Hochbau in der Stadtverwaltung Bad Düben.

Bei Arbeiten wurde eine weiterer Keller entdeckt

Zudem wurde im Gebäude 5 ein vorher nicht erkennbarer großer unter Wasser stehender Keller mit gedämmten Rohren, Lüftungsgeräten und Ablagerungen von Dämmmaterial, auf den Dächern der Gebäude 47, 49 und 50 nicht erkennbare Dachaufbauten mit verschiedenen Dämmschichten, Zwischenschicht aus Estrichbeton, mehreren Lagen Dachpappe und einer weiteren Schlackeschicht vorgefunden. „Auch diese Materialien mussten und müssen schichtenweise entfernt, getrennt, transportiert und entsorgt werden. Zum Teil handelt es sich nach durchgeführter Analytik um Schadstoffe, deren Entsorgung natürlich auch entsprechend erhöhte Kosten verursacht. Die bisher eingereichten Nachträge wurden von dem zuständigen Ingenieurbüro umfassend geprüft und bewertet. Den vorgelegten Beschluss zur Nachtragsvereinbarung wird der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung behandeln und eine Entscheidung treffen“, kündigte Schur an.

Voraussichtlich bis September soll alles fertig sein

Aufgrund der erheblichen Zusatzleistungen und Mehrmengen ist die Abrissmaßnahme später fertig als geplant – voraussichtlich erst im September. Jedoch plant das Unternehmen, dass die Mehrgeschosser gegenüber dem evangelischen Schulzentrum bis zum Schuljahresbeginn im August komplett abgebrochen und eingeebnet sind.

Stadtrat entscheidet am Donnerstag

Die 63. wird die letzte Sitzung der laufenden Legislatur sein, zu der der Stadtrat ab 19 Uhr zusammentrifft. Neben der Nachtragsvereinbarung geht es unter anderem um Grundstücksverkäufe und Bauanträge, zudem um den zweiten Bauabschnitt Erneuerung Straßenbeleuchtung Hammermühle sowie die Bebauungspläne für Block 24 im Sanierungsgebiet Altstadt und für das Betriebsgelände der Neubert-Orthopädie-Technik GmbH. Außerdem liegt ein fraktionsübergreifender Antrag vor, in dem die Stadt aufgefordert wird, die Förderrichtlinie für Vereine und Selbsthilfegruppen zu überarbeiten. Ziel ist die Verbesserung der Unterstützung der Kinder- und Jugendarbeit in den Vereinen.

Von Steffen Brost

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