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Borna 15 Millionen Euro: In diesen Projekten steckt Geld aus der EU
Region Borna 15 Millionen Euro: In diesen Projekten steckt Geld aus der EU
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14:33 14.09.2019
Im Pegauer Ortsteil Löben hat die Familie Schelzel mit Leader-Förderung ihr Wohnhaus in eine Scheune gebaut. Quelle: Olaf Krenz
Pegau

Als riesige Erfolgsgeschichte trotz aller Antrags-Tücken hat sich die Leader-Förderung in der Region entwickelt. Über 15 Millionen Euro an Finanzzuschüssen der Europäischen Union sind seit 2014 zur Stärkung des ländlichen Raums allein in das Gebiet der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) „Südraum Leipzig“ geflossen. Mehr als 200 Projekte mit einer Gesamtinvestitionssumme mit weit über 25 Millionen Euro wurden dabei unterstützt.

Zu diesem Leader-Gebiet gehören 14 Kommunen: Belgershain, Böhlen, Borna und Elstertrebnitz, Groitzsch, Großpösna, Kitzscher, Markkleeberg und Markranstädt, Neukieritzsch, Pegau, Regis-Breitingen, Rötha und Zwenkau. Diese selbst, aber vor allem auch Vereine und Kirchen, Unternehmen und Privatpersonen haben von diesem Geld profitiert.

Die Vorhaben kommen aus den Bereichen Wohnen sowie Mobilität, Engagement und soziale Versorgung, Wirtschaft (kleine Firmen und Vermarktung regionaler Produkte), touristische Infrastruktur und Stadt-Land-Kultur.

Koordinierungskreis entscheidet, wer Geld bekommt

Maik Schramm (Freie Wähler), Bürgermeister der Stadt Kitzscher, leitet die lokale Aktionsgruppe (LAG) „Südraum Leipzig“ . Quelle: privat

Ziele waren ein Schützenverein, ein Kleinstunternehmen (Imkerei), eine kommunale Freizeitanlage sowie ein privates Wohnhaus und eine Kirche mit Pfarrscheune in Pegau und seinen Ortsteilen. Zu verschiedenen Förderbereichen gehörend, zeigten sie auch unterschiedliche Entwicklungsstadien im Verfahren, sodass Erfahrungen weitergegeben konnten.

Leader-Förderperiode reicht bis 2020

Doch nun neigt sich die Förderperiode, für die bis 2020 insgesamt 18,6 Millionen Euro zugesagt waren, dem Ende zu. Zunächst startet das Regionalmanagement am 15. Oktober noch einen Aufruf zur Projekteinreichung. Ein weiterer, womöglich der letzte, könnte im ersten Quartal des nächsten Jahres erfolgen.

Zumal dann ein nächster sächsischer Förder-Nachschlag von 400 000 Euro erhofft wird, wie es ihn in diesem Jahr gegeben hat. Und dann? Auch wenn eine Fortsetzung angekündigt ist: Noch gibt es keinen Leader-Nachfolger. Das Regionalmanagement befürchtet, dass er wohl erst 2022 kommen könnte.

Das sind die geförderten Projekte: Wohnen in der Scheune in Löben

Wohnraum in ländlicher Bebauung zu erhalten und zu schaffen, ist ein Grundanliegen der Leader-Förderung. Ein innovatives Beispiel ist die Umnutzung einer Scheune auf einem Vierseithof in Löben. Früher der Futterlagerung dienend, hatte das 1937 errichtete Gebäude lange leer gestanden. Bis sich ein junges Paar, das zunächst bei den Großeltern gelebt hatte, entschlossen hatte, ein Haus in die Scheune zu setzen. Und damit bei der Verwandtschaft zu bleiben. In fünf Familien sind hier vier Generationen versammelt.

Im Pegauer Ortsteil Löben hat die Familie Schelzel mit Leader-Förderung ihr Wohnhaus in eine Scheune gebaut. Dieses nimmt ein Viertel der Grundfläche ein. Ein zweites dient als „Großraumgarage“.

Die ernsthafte Idee dazu gab es Anfang 2015, sagte Bauherr Martin Schelzel. „Start der Arbeiten war im April 2017. Seit Juli 2018 wohnen wir in unserem Haus.“ Mit ihm fühlen sich Lydia und zwei Kinder (fünf und vier Jahre) hier wohl; auch weil ein umfangreicher Gartenbereich mit vielen Obstbäumen dazugehört.

Die Scheune war zunächst mit einer Brandschutzwand geteilt worden; eine Hälfte ist vermietet. Ein Viertel der gesamten Grundfläche trägt jetzt das Haus, ein weiteres dient als „Carport“, eher Großraumgarage. „Wir fahren rein und müssen unsere Einkäufe nie im Regen ausladen“, so Schelzel schmunzelnd.

220 Quadratmeter Wohnfläche auf Hochparterre in Löben

Bauherr Martin Schelzel (r.) im Gespräch. Er hat das Bauprojekt in einem Fotobuch festgehalten. Quelle: Olaf Krenz

Als Investitionskosten wurden 345 000 Euro angegeben. „In eine solchen Dimension wäre es wohl auch bei einem normalen Neubau gegangen“, meinte Martin Schelzel. „Aber warum hätten wir das machen sollen. So ist es viel schöner. Zumal wir den Hof weiter mit neuem Leben füllen.“ Die Leader-Förderung trug dazu knapp 150 000 Euro bei.

Imkerei im alten Wasserwerk Werben

Nicht weit vom Wunderbrunnen entfernt steht dasalte Wasserwerk Werben.Künftig wird von hier aus ein ganz spezieller Zweig der Landwirtschaft betrieben – die Imkerei. Andrea Auster hatte das Gebäude („die leere Hülle“) übernommen und richtet hier ihre Nebenerwerbs-Unternehmung ein. Über Leader werden 20 000 Euro der geplanten Kosten von 48 000 Euro zur Verfügung gestellt.

Im ehemaligen Wasserwerk Werben richtet sich Andrea Auster eine Imkerei mit Hofladen ein. Leader gibt hier Gewerbe-Förderung. Quelle: Olaf Krenz

Schleuderraum und Honiglager in der Imkerei

Am Ende soll es zu ebener Erde einen sogenannten Kaltbereich mit Schleuderraum, Honiglager (vier bis zwölf Grad Celsius), Werkstatt und Lager geben und einen Warmbereich. In dem platziert Auster den Hofladen, der gleichzeitig auch Kommunikations- und Treffpunkt sein soll. Zum Anschauen von Büchern und anderen Materialien über Bienen und zum Kaffeetrinken. Und drumherum sieht sie schon einen Bienengarten blühen mit viel nektarspendender Vegetation, Blumen und Bäumen – getreu ihrem WWW-Motto „Wasserwerk Werben – Wünsche werden wahr“.

Im ehemaligen Wasserwerk Werben richtet sich Andrea Auster eine Imkerei mit Hofladen ein. Leader gibt hier Gewerbe-Förderung für ein Kleinstunternehmen.

Seit elf Jahren beschäftigt sich Andrea Auster mit der Imkerei. Derzeit betreut sie 20 Bienenvölker, die am Wunderbrunnen stehen, aber auch in Pegau und an der Eisenmühle Elstertrebnitz sowie am Wildpferdgelände im ehemaligen Tagebau. Die Anzahl will sie wesentlich aufstocken. Schließlich strebt sie an, neben Honig weitere Bienenprodukte zu vermarkten, die vor allem der Gesundheit dienen sollen.

Skatepark am Pegauer Stadtbad erneuert

sich die jungen Leute selbst als treibende Kräfte um die Sanierung und Erweiterung der Anlage am Stadtbad gekümmert haben. „

Die kommunale Skateparkanlage am Pegauer Stadtbad ist mit Leader-Förderung überholt worden. Die Jugendlichen selbst, angeleitet von Pfarrer und Sozialarbeiterin, haben sich um das Projekt gekümmert. Quelle: Olaf Krenz

Schon kurz nach der Wende gab es eine erste Anlage am alten Schulsportplatz, sagte der Bürgermeister. Bald aber sei sie zerstört gewesen. Nach langer Ruhe habe eine neue Skater-Generation vorgesprochen. Zwei Jahre später, nachdem bereits damals das Kirchspiel als Projektträger fungiert hatte, konnte im Mai 2013 der Skatepark am Bad eingeweiht werden.

Der nun aufgrund von Verschleiß eine Reparatur benötigte und zudem aufgehübscht werden sollte. Mit dem Diakonie-Jugendbüro übernahmen die Kinder und Jugendlichen die Auswahl der Quarterpipes, Rails, Curbs und Funboxen. Auch eine Micro-Miniramp ist nun dabei. Rund 23 000 Euro (Leader 18 400 Euro) wurden im Projekt „Skate and Create“ investiert, um die Anlage attraktiver zu machen und ebenso Neulingen die Möglichkeit für den Trendsport zu schaffen.

EU-Geld für Kirche und Pfarrscheune in Kitzen

Eine schon langjährige Zusammenarbeit verbinden die Lokale Aktionsgruppe und das Regionalmanagement mit dem Förderverein der Kreuzkirche Sankt Nikolai Hohenlohe-Kitzen. Der konnte schon mehrfach Leader-Zuschüsse für die Sanierung des Gotteshauses im Pegauer Ortsteil einsetzen. Bei der aktuellen Besichtigungstour wurden gleich zwei Projekte präsentiert.

In Kitzen saniert der Förderverein der Kreuzkirche Sankt Nikolai Hohenlohe-Kitzen das Gotteshaus und gestaltet es zur Bürgerbegegnungsstätte um. Die Kirchgemeinde erneuert die ebenfalls denkmalgeschützte Pfarrscheune

Bereits erneuert ist der Anbaus mit der Patronatsloge. „Dem Gebäudeteil drohte der Abriss. Jetzt ist es ein Schmuckstück“, sagte Vereinschefin Ingrid Riedel. Hier seien denkmalpflegerische und moderne Dinge verbunden worden. Im Erdgeschoss wurden behindertengerechte Toiletten geschaffen, die Holztreppe wurde nach altem Vorbild gebaut.

Vereinsmehrzweckraum in der Kirche entstanden

In Kitzen saniert der Förderverein der Kreuzkirche Sankt Nikolai Hohenlohe-Kitzen das Gotteshaus mit Hilfe von Leader-Fördermitteln und gestaltet es zur Bürgerbegegnungsstätte um. Quelle: Olaf Krenz

Aktuell läuft der Innenausbau der Kirche, sodass sie dann noch besser als Kultur- und Bürgerbegegnungsstätte genutzt werden kann. „Wir hoffen, dass wir Weihnachten hier feiern können“, so Riedel. Die Elektrik wird komplett erneut, zahlreiche Sandsteinbereiche müssen aufgearbeitet werden, eine zugemauerte Nische wird geöffnet.

Zudem werden die Kirchenbänke restauriert, und sie erhalten Sitzpolsterheizungen, die sich automatisch aus- und einschalten, solange jemand dort sitzt. Bei erwarteten Ausgaben von 110 000 Euro beträgt der Leader-Zuschuss 104 500 Euro.

Die denkmalgeschützte Pfarrscheune Kitzen wird von der Kirchgemeinde unter Leitung des Scheunenteams mit Hilfe von Leader-Fördermitteln saniert. Sie soll generationsübergreifend der Gemeindearbeit dienen. Quelle: Olaf Krenz

Um die benachbarte Pfarrscheune kümmert sich die Kirchgemeinde. Wobei sich wohl erst mit der Zusage der EU-Förderung der zuständige Kirchenkreis Merseburg vom Erhalt überzeugen ließ, „zähneknirschend“, hieß es. Inzwischen wird das rund 140 Jahre alte Fachwerkgebäude von grundauf saniert, an Fundament und Mauerwerk, Holzgerippe und Gefache sowie Dach. Wenn dann Werkstattbereich, Küche, Veranstaltungs- und Jugendraum sowie Behinderten-Toilette eingebaut sind, könnte es eng werden mit der Projektsumme von fast 267 000 Euro, wozu Leader knapp 227 000 Euro beiträgt.

Pegaus Schützen haben den Bogen raus

In einem Teil der früheren Filzfabrik, die der Stadt gehört, hat sich der Allgemeine Schützenverein zu Pegau 1444/1990 das Neue Schützenhaus geschaffen. Seit der Übernahme 1996 steckten die Mitglieder Unmengen an Eigenleistungen ins Projekt, wobei es auch kommunale Unterstützung gab.

Die 2010 eingeweihte Bogenschießanlage im zweiten Obergeschoss hatte allerdings inzwischen eine Überholung und Modernisierung nötig.

Selbst ausprobiert haben die Teilnehmer der Leader-Exkursion die neue Bogenschießanlage des Allgemeinen Schützenvereins zu Pegau. Im Vorraum sind Stationen für den Nachwuchs und Sportgeräte aufgebaut. Quelle: Olaf Krenz

Dafür beantragte der Verein, der einen Mietvertrag über 99 Jahre hat, Leader-Förderung, sagte Kommandant Peter Kretschmer. „Wir wollten unser Angebot der wachsenden Nachfrage anpassen“, so der Vorsitzende. „Das Antragsverfahren war schwierig, hat sich aber gelohnt.“

Bei einer Investition von knapp 90 000 Euro gab es fast 80 000 Euro Zuschuss. Unter anderem wurden eine Zwischendecke eingezogen, die Fenster ausgetauscht, ein ebener Fußboden geschaffen und mit einem rutschfesten Belag versehen, die Wände gemalert und mit Fangnetzen versehen. Im ebenfalls großen Vorraum wurden (Wurf-)Stationen für Kinder sowie Fitness- und Sportgeräte aufgestellt. „Das sind zum einen Beschäftigungsmöglichkeiten, wenn die Gruppe zu groß ist, und hilft uns andererseits die Mädchen und Jungen zu beruhigen, die doch häufig aufgeregt sind“, so Kretschmer.

Der Allgemeine Schützenverein zu Pegau 1444/1990 hat die 2010 eingeweihte Bogenschießanlage modernisiert und der wachsenden Nachfrage angepasst. Sie befindet sich im zweiten Obergeschoss eines Teils der ehemaligen Filzfabrik, dass die Mitglieder seit mehr als 20 Jahren herrichten und als Vereins- und Sporthaus nutzen.

Von Olaf Krenz

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