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Borna 7000 Beschäftigte sind in der Region vom Kohleausstieg betroffen
Region Borna 7000 Beschäftigte sind in der Region vom Kohleausstieg betroffen
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09:08 15.05.2019
Aktuell hängen rund 7000 Jobs im Mitteldeutschen Revier an der Kohle. Quelle: dpa
Landkreis Leipzig

Während in Berlin um die Kohlehilfen gefeilscht wird, hofft die Region vor allem auf eins: die Schaffung neuer Industriearbeitsplätze. Wie viele Jobs hängen derzeit im Mitteldeutschen Revier noch an der Kohle? Wie sehen die Perspektiven für die Mannschaften in Tagebauen und Kraftwerken aus? Antwort auf diese Fragen gibt eine neue Studie, die das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB)vorgelegt hat.

Demnach zählt das Mitteldeutsche Revier als kleinstes der noch aktiven drei Kohleregionen in Deutschland knapp 3600 direkt in der Kohlewirtschaft Beschäftigte (Stand 30. Juni 2018). Das ist etwa ein halbes Prozent aller Beschäftigten des Reviers. Indirekt hängen weitere 2100 bis 3600 Jobs an dem Energieträger.

Landkreis Leipzig gehört zu den Tagebaukreisen

Die Forscher unterscheiden dabei zwischen den Tagebaukreisen, in denen Kohle abgebaut wird. Das sind in Sachsen der Landkreis Leipzig mit den Tagebauen Vereinigtes Schleenhain und Teilen des Tagebaus Profen sowie in Sachsen-Anhalt der Burgenlandkreis (Tagebau Profen) sowie der Landkreis Mansfeld-Südharz (Tagebau Arnsdorf). Zum Mitteldeutschen Revier gehören darüber hinaus der Landkreis Nordsachsen und die Stadt Leipzig, in Sachsen-Anhalt die Landkreise Anhalt-Bitterfeld, Saalekreis und die Stadt Halle sowie in Thüringen das Altenburger Land.

Altersstruktur der Kohlebeschäftigten in den Tagebaukreisen und im Mitteldeutschen Revier Quelle: E-Mail-LVD

Innerhalb der Tagebaukreise machen die Kohlebeschäftigten 1,5 Prozent aller Beschäftigten aus, bezogen auf das gesamte Revier sind es 0,5 Prozent, so die Wissenschaftler. Die größte regionale Bedeutung hat die Energiewende für den Burgenlandkreis. Hier sind immerhin 3,1 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Kohle tätig.

Zum Vergleich: Im Landkreis Leipzig sind es nur 0,5 Prozent, im Kreis Mansfeld-Südharz 1,1 Prozent. Auch die Situation am Arbeitsmarkt unterscheidet sich teilweise erheblich. Innerhalb des Reviers reichen die Werte von 5,4 Prozent Arbeitslosenquote rund um Borna bis zu 10,1 Prozent in Mansfeld-Südharz.

Beschäftigte in der Kohle sind häufig sehr gut qualifiziert

Eins zeigt die Erhebung deutlich: Mit Jobs in der Kohle lässt sich gutes Geld verdienen. Die Beschäftigten sind häufig sehr gut qualifiziert. Die Löhne zählen zu den höchsten in der Region. „In der Kohlewirtschaft werden im Revier durchschnittlich 3744 Euro gezahlt. Zum Vergleich sind es im Dienstleistungsbereich nur 2553“, wird Per Kropp, Hauptverfasser der Studie, zitiert. Das hohe Lohnniveau mache es zugleich schwierig, adäquate Berufsfelder zu finden.

Was wird aus den Beschäftigten in der Kohle nach der Energiewende? Eine Studie legt jetzt offen, dass im Mitteldeutschen Revier 7000 Menschen betroffen sind. Quelle: Andreas Döring

Eine weitere Aussage der Studie: Allein das Ausscheiden älterer Beschäftigter in den nächsten zehn Jahren führe zu einer dramatischen Verringerung der Jobs in der Kohlewirtschaft. Bis 2030 würden nach aktuellen Berechnungen mindestens die Hälfe der Kumpel normal in Rente gehen.

Energieintensive Industrien eng mit Kohlewirtschaft verflochten

Wesentlich heftiger könne der Kohleausstieg die energieintensiven Industrien treffen, die eng mit der Kohlewirtschaft verflochten sind. Aktuell spricht die Studie von 27.400 Beschäftigten, die indirekt an dem fossilen Brennstoff hängen; davon knapp 11.000 in Sachsen, rund 15.000 in Sachsen-Anhalt und 850 in Thüringen.

Einige Firmen seien direkt auf die Kohle angewiesen, weil sie eigene Betriebskraftwerke mit Kohle aus dem Revier betreiben – wie die Südzucker AG in Zeitz – oder direkt mit Strom und Prozessdampf versorgt werden. Wie die Branchen auf das bevorstehende Kohle-Aus reagieren, sei nicht ansatzweise vorhersehbar, erklärt das Institut. „Die Möglichkeiten reichen von Standortschließungen oder -verlagerungen mit entsprechendem Arbeitsplatzabbau bis hin zur Schaffung neuer Arbeitsplätze durch innovativ tätige Unternehmen.“

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Von Simone Prenzel

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