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Borna ADFC bescheinigt Borna, Wurzen und Grimma Nachholebedarf
Region Borna ADFC bescheinigt Borna, Wurzen und Grimma Nachholebedarf
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17:21 09.04.2019
Radwege gibt’s auch im Muldental nicht überall – in den Städten selbst fühlt sich die Mehrheit der Radler gefährdet. Quelle: Andreas Döring
Landkreis Leipzig

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hat im Herbst vergangenen Jahres eine Befragung zum Radverkehr in deutschen Städten durchgeführt. Am Dienstag wurde das Ergebnis der Befragung veröffentlicht, bei der bundesweit 170 000 Teilnehmer registriert wurden. Die Ergebnisse für Borna, Grimma und Wurzen als untersuchte Städte im Landkreis Leipzig sind verheerend. In Borna fühlen sich 72 Prozent der Radfahrer gefährdet – in Wurzen 60 Prozent und in Grimma hat fast jeder zweite Radfahrer (48 Prozent) kein gutes Gefühl auf der Straße.

Jeweils nur unter 100 Teilnehmer in Landkreis-Städten

Allerdings: von den 170 000 Teilnehmern kommen lediglich 54 aus Borna, 63 aus Wurzen und 70 aus Grimma. Dennoch geht der ADFC mit den Kommunen hart ins Gericht. Mit ihren Bewertungsnoten (Borna 4,03, Wurzen 3,76 und Grimma 3,68) liegen die Städte im bundesweiten (hinteren) Mittelfeld – nur Grimma habe respektabel abgeschnitten.

ADFC-Geschäftsführer fordert Kommunen zu Konsequenzen auf

Aber, so Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen: „Es darf nicht sein, dass sich die Hälfte der Grimmaer beim Radfahren gefährdet fühlt. Diesen Missstand können wir nicht weiter hinnehmen. Wir können aber auch sehen, dass das Fahrradklima in Grimma besser ist als in den meisten anderen sächsischen Städten.“ Was für Borna düsterer aussieht. Krause: „Der Fahrradklima-Test zeigt, dass die Bornaer Radfahrenden bei der Förderung des Radverkehrs ein entschiedenes Handeln erwarten. Wenn sich 61 Prozent der Befragten in Borna auf dem Rad gefährdet fühlen, dann muss die Kommunalpolitik daraus Konsequenzen ziehen.“ 81 Prozent wünschen sich eine engagiertere Förderung des Radverkehrs in Borna.“ Auch in Wurzen stelle sich die Frage, wodurch sich 60 Prozent der Radfahrer gefährdet sehen. „Hier sind Kommunalpolitik und Stadtverwaltung gefragt, Lösungen für mehr Verkehrssicherheit zu erarbeiten und schnell umzusetzen“, so Sachsens ADFC-Geschäftsführer.

Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests sind da - und sie zeigen: Fahrrad fahren macht in deutschen Städten keinen...

Gepostet von ADFC am Dienstag, 9. April 2019

Der lenkt aber auch ein, dass die Befragung auch Verbesserungen dokumentiert hat. Die Grimmaer bewerten beispielsweise den Winterdienst auf Radwegen, die Breite und die Oberflächenqualität von Radwegen sowie das Vorgehen gegen Falschparker auf Radwegen besser als im sächsischen Durchschnitt. In Wurzen sind Radler zumeist auch mit der Breite der Radwege zufrieden. Deutlich besser als der sächsische Durchschnitt bewerten die Bornaer dagegen das Vorgehen gegen Falschparker auf Radwegen. 59 Prozent sagen, dass ihnen das Radfahren in der Stadt grundsätzlich Freude bereitet.

Weitere Ergebnisse

Borna: 79% der Befragten in Borna werden regelmäßig von Autofahrern bedrängt, 70% vermissen gute Abstellanlagen für Fahrräder, 76% sehen den Fahrraddiebstahl als Problem. Nur 17% fühlen sich als gleichwertige Verkehrsteilnehmer. Nur 23% der Bornaer haben ein gutes Gewissen, ihr Kind allein in der Stadt mit dem Rad fahren zu lassen.

Wurzen: 77% empfinden den Fahrraddiebstahl als Problem. 72% werden regelmäßig von Autofahrern bedrängt und 76% kritisieren die Wegführung für Radler an Baustellen. 67% wünschen sich einen besseren Winterdienst auf Radwegen.

Grimma: 59% sind mit der Fahrradmitnahme im Öffentlichen Verkehr unzufrieden und 65% wünschen sich eine gründlichere Reinigung der Radwege. 62% der Befragten haben kein gutes Gefühl bei dem Gedanken, ihre Kinder allein mit dem Rad fahren lassen.

Kommentar: Test liefert Handlungsansätze

Kommentar von Thomas Lieb

Da kennt der ADFC keine Gnade: Bei der Auswertung der bundesweiten Befragung zur Fahrradfreundlichkeit in deutschen Städten benennen die Rad-lobbyisten Probleme beim Namen. Und manche Stadt im Landkreis Leipzig kommt schlecht weg. Schlechter vielleicht, als sie es verdient hat. Denn: Zur Wahrheit der Befragung in Grimma, Wurzen und Borna gehört, dass die Beteiligung mit jeweils weit unter 100 Teilnehmern sehr überschaubar war. 63 Wurzener Stimmen können kein vollständiges Bild zur Lage der Situation für Radfahrer in der Stadt spiegeln. Wenn eine Mehrheit der Wurzener Befragten vor allem schlechte Erfahrungen im Radverkehr gemacht hat, schlägt sich das auch in der Befragung nieder. Die Zufriedenen hatten möglicherweise gar keine Ambitionen, ihre Stimme abzugeben.

Der ADFC bleibt allerdings auch nicht bei den Problemen stehen. Die Macher des Klima-Tests weisen die Verbesserungen im Radverkehr ebenso aus. Man kann ihnen also keine plumpe Stimmungsmache oder Lobbyismus in eigener Sache vorwerfen. Unterm Strich lohnt sich ein Blick der Stadtverwaltungen in die Studie durchaus. Es gibt immer Nachbesserungsbedarf. Der Test liefert durchaus konkrete Ansatzpunkte. Und ein Ergebnis sollte die Kommunen unbedingt interessieren: In allen drei untersuchten Städten sieht sich mehr als die Hälfte der Radfahrer im Straßenverkehr gefährdet. Das ist zu viel.

Mail an den Autor: t.lieb@lvz.de

Von thl

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